11.08.2020 - 12:26 Uhr
ErbendorfOberpfalz

Patrozinium im Stadtpark

Die katholische Pfarrei Erbendorf feiert am Samstag das Patrozinium ihrer Pfarrkirche. Seit Errichtung der Kirche vor über 600 Jahren steht das Gotteshaus unter dem Schutz der Mutter Gottes. Heuer ist der Festgottesdienst im Stadtpark.

Ausschnitt aus dem Deckenfresko der Pfarrkirche Mariä-Himmelfahrt mit Maria und dem Jesuskind.
von Jochen NeumannProfil

Der Feiertag "Maria Himmelfahrt" fällt heuer auf einen Samstag. In der Steinwaldstadt wird dieser Tag besonders gefeiert. Denn die Pfarrkirche steht eben unter dem Patrozinium "Mariä Himmelfahrt".

Wie vieles heuer, feiert auch die katholische Pfarrei diesen Festtag am kommenden Samstag anders. Der Grund: Corona. Die heilige Messe findet deshalb um 9.30 Uhr bei schönem Wetter im Stadtpark statt. Für die Gottesdienstteilnehmer stehen einige Bierbänke als Sitzgelegenheit zur Verfügung. Gerne können die Besucher aber auch Klappstühle, Hocker oder Decken als Sitzgelegenheit mitbringen. Die musikalische Umrahmung übernimmt der evangelische Posaunenchor.

Anmeldung im Pfarrbüro

Da aufgrund der Hygienebestimmungen eine begrenzte Teilnehmerzahl zugelassen ist, wird um Anmeldung im katholischen Pfarrbüro oder auf der Internetseite der Pfarrei unter www.pfarrei-erben dorf.de gebeten. Wie das Pfarramt mitteilt, dürfen bei diesem Gottesdienst Kinder Seifenblasen mitbringen. Ebenso wird gebeten, die eigenen Gotteslob-Bücher zu benutzen.

Die Sammlung bei dieser Messe ist für die "Assisi-Schule" in Chennur (Indien) bestimmt. Es ist das Missionsprojekt von Pater Mathew Paikada, der eigentlich heuer die Urlaubsvertretung hätte übernehmen sollen. Ab September eröffnet Paikada eine neue Missionsstation in Jagdalpu im indischen Bundesstaat Chattisgarh. Dort wird er die Ureinwohner Indiens, die Adivasi, seelsorgerlich betreuen. Seine jüngeren Mitbrüder werden die begonnene Arbeit in Chennur weiterführen. In der Geschichte Erbendorfs wird eine Mariä-Himmelfahrts-Kirche erstmals im Salbuch des Amts Parkstein von 1416 genannt. Neben der Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt werden die St.-Veits-Kirche, die Ur-Kirche Erbendorfs, die Kapelle "Zu unserer lieben Frau" und die Johanniskapelle genannt.

Der Pfarrsitz wanderte erst im Laufe des 15. Jahrhunderts von St. Veit auf die Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt. Anscheinend hat der Kirchenbau schon früh durch einen Brand gelitten. Denn nach einer noch heute erhaltenen gotischen Inschrift an der Ostseite der Sakristei wurde 1474 der Chorbau begonnen. "Ano 1474 iccp chori", was so viel heißt wie "inceptio chori" ("am Anfang des Chorbaus"). Die ursprüngliche Pfarrkirche war wesentlich kleiner. Das Kirchenschiff reichte gerade einmal bis zu den heutigen Seiteneingängen. Der Kirchturm befand sich seit Beginn an der Stelle der heutigen Sakristei an der Nordseite.

Trotz der zahlreichen Stadtbrände, die die Kirche oftmals in Mitleidenschaft zogen, wurde das Gotteshaus immer wieder aufgebaut. Nach dem Brand von 1771 erfolgte eine westliche Verlängerung des Kirchenschiffes. Doch bereits nach dem großen Stadtbrand von 1796 musste die Kirche erneut wieder aufgebaut werden. Der baufällige alte Turm, der nicht nur unter den Feuersbrünsten, sondern auch unter zahlreichen Blitzeinschlägen leiden musste, wurde 1865/66 durch den heutigen Kirchturm ersetzt. Vor 150 Jahren, am 18. Oktober 1866, wurde er vollendet. 1923 erfolgte die Erweiterung des Gotteshauses um eine Orgelempore nach Westen.

Dass die Pfarrkirche der Mutter Gottes geweiht ist, zeigt sich im Innenraum in zahlreichen Darstellungen und sakralen Figuren. So zeigt das Bild des Hochaltars Marias Himmelfahrt und Krönung. Übrigens stammt der Hochaltar aus der Franziskanerkirche Kemnath. Das heutige Marienbild am Altarblatt wurde 1851 von Kunstmaler Ulrich Halbreiter in München geschaffen.

Weitere Mariendarstellungen befinden sich als Deckengemälde im Kirchenschiff. Diese schuf in den Jahren 1927 bis 1929 der Münchener Laienbruder Frater Rudolph Schmalzl. Im Zentrum des Bildes steht Maria mit dem Jesuskind, umgeben von den 14 Nothelfern. Verschiedene Menschengruppen am Rand des Freskos versinnbildlichen die Bevölkerung, die sich in allen Lebenslagen an Maria und die Nothelfer wendet. Vor allem der Erste Weltkrieg war bei der Schaffung des Werks noch gegenwärtig. So zeigt das Deckengemälde zwei Gefallene und zwei Verwundete vor einem brennenden Inferno mit einem Geschützrad.

Das Fresko im Chorraum zeigt Christi Geburt mit Maria und Josef. Zwei weitere Fresken Schmalzls im vorderen Bereich des Langhauses sind leider nicht mehr erhalten. Beide wurden bei den Renovierungsarbeiten in den 1960er/70er Jahren übertüncht. Sie stellten Mariä Verkündigung und Mariä Heimsuchung dar.

Zahlreiche Bildnisse

Die katholische Pfarrei pflegt zu Mariä Himmelfahrt auch den Brauch des Kräuterbüschel-Bindens. Der Pfarrgemeinderat lädt am Freitag, 14. August, freiwillige Helferinnen ab 9 Uhr zum Binden bei Familie Reger in der St.-Veit-Straße ein. Zu Hause oder im Wald gepflückte Kräuter können bis dahin abgegeben werden. Gegen eine Spende werden die gebundenen Kräuterbüschl vor den Gottesdiensten an diesem Wochenende abgegeben, auch bei der Festmesse zum Patrozinium am Samstag, 15. August, um 9.30 Uhr im Stadtpark.

Kräuterbüschl zum Festtag

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