06.06.2021 - 12:32 Uhr
ErbendorfOberpfalz

Die Malerei ist seine Leidenschaft: Ludwig Kellner blickt auf bewegtes Leben zurück

Schon als Sechsjähriger sorgte Ludwig Kellner mit seinen Malereien für Staunen. Nun ist der frühere Porzellanmaler aus Erbendorf 83 Jahre alt und blickt auf sein künstlerisches Wirken und sein von Schicksalsschlägen geprägtes Leben zurück.

In seinem Wohnzimmer präsentiert Ludwig Kellner verschiedene Aquarelle und Ölgemälde. Unter anderem hat er die Kammerermühle gemalt, wo er als junger Mann auf dem Hof mitgearbeitet hat.
von Ulla Britta BaumerProfil

Unzählige Kunstwerke hat Ludwig Kellner im Laufe seines Lebens geschaffen. Im Gespräch mit Oberpfalz-Medien erzählt der Erbendorfer aus seinem bewegten Leben, in dem er sich stets für die Malerei begeistert hat.

Schlimme Lebenserfahrungen machte der "Kellner-Luk", wie er häufig genannt wird, schon im Alter von drei Jahren. 1940 starb seine Mutter während sein Vater im Kriegseinsatz war. Er, sein Zwilling Karl und die weiteren Geschwister Resi und Hans wuchsen verteilt bei Verwandten auf. Erst 1945 kehrte der Vater in die Heimat zurück.

Rund 10 000 Werke

Schon in der ersten Schulklasse zeigte sich, dass Ludwig Kellner ein besonderes Talent zum Malen und Zeichnen hat. Die Leidenschaft dafür hat ihn nicht mehr losgelassen, seit 77 Jahren geht er schon mit Pinsel und Farbe ans Werk. Kellner schätzt, dass er bislang gut 10 000 Malereien angefertigt hat.

"Ich war damals erst 15 Jahre alt", erinnert er sich an den Beginn seiner Porzellanmaler-Lehre. Seine ersten Zeichnungen in der Berufsschule, zarte Blumenmotive, hat er bis heute aufbewahrt. Allerdings bedauert er, keine Zeichnungen aus der Kindheit aufgehoben zu haben.

Operation am Herzen

Nur wenige Jahre, nachdem er seine Arbeitsstelle bei der Firma Seltmann in Krummennaab angetreten hatte, ereilte ihn ein weiterer Schicksalsschlag. 1966 musste der junge Mann aufgrund eines Herzfehlers operiert werden, insgesamt zwei Jahre lang musste er im Krankenstand bleiben. Doch sein Arbeitgeber ließ ihn nicht im Stich und stellte ihn wieder ein. "Das ist nicht selbstverständlich", betont Kellner. Ab 1968 war der Erbendorfer in der Muster- und Dekorabteilung des Unternehmens tätig. Am Ende kamen trotz der Herzprobleme 43 Berufsjahre zusammen.

Am liebsten, so erzählt der "Kellner-Luk", habe er immer mit Aquarellfarben gemalt. Aber auch zu Feder, Tusche und Bleistift oder zu Ölfarben habe er gerne gegriffen. Viele Motive hat er auf Tellern, Krügen und anderen Alltags- und Dekorationsgegenständen verewigt. Als passionierten Wanderer und Bergsteiger zog es ihn regelmäßig in die Berge nach Österreich und Südtirol. Das gab Kellner die Chance, auch international tätig zu sein. Immer wieder hat er Werke für bekannte Südtiroler gemalt oder für die Berghütten gezeichnet, in denen die Weidener Naturfreunde, denen er angehörte, zu Gast waren.

Schwindende Sehkraft

Leider habe seine Sehkraft in den vergangenen Jahren nachgelassen, berichtet Kellner. Daher male er inzwischen kaum mehr. "Naja, für die Kinder male ich schon noch. Es wird eben nicht mehr ganz so exakt", meint er schmunzelnd. Angesichts von 4 Töchtern, 15 Enkeln und 5 Urenkeln gehen weiterhin regelmäßig Wünsche nach Gemälden ein. Natürlich habe er auch oft zusammen mit den Enkeln gemalt. Voller Stolz berichtet Kellner, dass sein Talent auch auf einige Nachkommen vererbt worden sei. Was er aber wegen der schwindenden Sehkraft nicht mehr annimmt, sind Auftragsarbeiten. So hat Kellner neben dem Anfertigen von Gemälden auch Dokumente und Urkunden gestaltet.

Ausstellungen und Märkte

Das künstlerische Wirken Kellners blieb natürlich in der Region nicht unentdeckt. Regelmäßig zeigte Kellner seine Werke in Ausstellungen. Unter anderem waren seine Malereien in Erbendorfer Schaufenstern und im Rahmen einer Ausstellungsserie im Krankenhaus Tirschenreuth zu sehen. Aber auch bei Ausstellungen in Amberg oder auf verschiedenen Weihnachtsmärkten waren seine Werke zu bewundern. Verewigt ist Kellners Kunst auch in der Hessenreuther Pfarrkirche - dort hat er ein neues Fenster bemalt, nachdem das vorherige durch fußballspielende Kinder zu Bruch gegangen war. "Ich wollte erst nicht. Glasmalerei habe ich nie gemacht", verrät Kellner. Aber dann habe ihn der Pfarrer überredet.

Gemälde zurückgekauft

Dauerleihgaben von Ludwig Kellner kann man sich im Erbendorfer Museum anschauen. Und wohl auch in vielen Haushalten in der Region dürften Werke vom "Kellner-Luk" an den Wänden hängen. Seine Kinder seien da sehr aufmerksam, erzählt er. Einmal habe einer seiner Töchter ein Gemälde von ihm bei Bekannten entdeckt. Sie meinte, es sei schade, dass er ausgerechnet dieses Motiv nicht für sich behalten habe. "Dann habe ich es den Leuten wieder abgekauft, für 50 Euro", berichtet Kellner.

Im Alter von 83 Jahren kann Ludwig Kellner auf ein reichhaltiges Künstler-, Berufs- und Familienleben zurückblicken. An den Wänden in seinem Haus hängen viele seiner Werke. Mit seiner zweiten Frau ist er inzwischen auch in Regensburg heimisch geworden. "Ich wollte nie weg", sinniert Kellner. Einmal habe er gedacht, er müsse in Nürnberg eine Stelle annehmen. "Aber dann bin ich doch lieber hier geblieben", erinnert er sich und greift zum Pinsel. Ein neues Bild wartet darauf, fertiggestellt zu werden.Bildergalerie im Internet: www.onetz.de/

"Für die Kinder male ich schon noch. Es wird eben nicht mehr ganz so exakt."

Ludwig Kellner über seine nachlassende Sehkraft

Erinnerungen an Künstler Herbert Molwitz

Mitterteich
Hintergrund:

Zur Person: Ludwig Kellner

  • 1937 in Erbendorf geboren. 1940 starb seine Mutter, während der Vater im Krieg war. Dieser kehrte erst 1945 zurück.
  • Ludwig und sein Zwilling Karl sowie die Geschwister Resi und Hans wuchsen bei Verwandten auf.
  • Beginn einer Porzellanmaler-Lehre im Alter von 15 Jahren.
  • 43 Jahre lange berufliche Tätigkeit bei der Firma Seltmann, 1966 unterbrochen durch zweijährige Krankheitsphase im Zusammenhang mit einem Herzfehler.
  • Begeisterung für Malerei ab der Kindheit bis ins hohe Alter.
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