10.11.2020 - 16:11 Uhr
ErbendorfOberpfalz

Langer Weg zum Kriegerdenkmal

Am Sonntag ist Volkstrauertag. In der Steinwaldstadt wird der Termin Corona-bedingt etwas anders aussehen. Ebenso in Wildenreuth und Grötschenreuth. Ein Blick zurück offenbart Interessantes.

Seit 90 Jahren erinnert der nachdenkliche Soldat im Wachanzug an die Opfer von Kriegen. Im September 1930 wurde das Kriegerdenkmal aus Granit errichtet.
von Jochen NeumannProfil
Ein verworfener Entwurf sah Anfang der 1920er Jahre das Kriegerdenkmal rund um die Mariensäule vor. Damals stand die Mariensäule fast im Kreuzungsbereich am Marktplatz.

In geänderter Form finden in diesem Jahr die Gedenkstunden zum Volkstrauertag statt, an denen allen Opfern von Krieg und Gewalt und den Gefallenen der Kriege gedacht wird. Denn aufgrund der Corona-Pandemie müssen die Hygiene-Vorschriften eingehalten werden. Wie aus dem Rathaus zu hören war, gilt bei den Teilnehmern ein Mindestabstand von 1,5 Metern sowie Maskenpflicht.

Zur Teilnahme an den Gedenkfeiern sind neben den Vertretern der Behörden, Vereine und Verbände auch die Mitbürger eingeladen. Am Samstag, 14. November, findet die Gedenkstunde um 19.15 Uhr direkt am Kriegerdenkmal, das heuer 90 Jahre geworden ist, am Unteren Markt statt. Der Kirchen- und Trauerzug vor und nach dem Gottesdienst entfällt. Ebenfalls direkt an den jeweiligen Kriegerdenkmälern finden am Sonntag, 17. November die Feierstunde in Wildenreuth gegen 11 Uhr und in Grötschenreuth um 19.30 Uhr statt. Auch hier wird gebeten, die Abstandsregeln einzuhalten und eine Mund-Nasen-Schutzmaske zu tragen.

Bürgermeister Johannes Reger wies darauf hin, dass die Abhaltung des Gedenktages auch in Zeiten von Corona gerechtfertigt sei. „Wir dürfen die Gefallenen und Opfer der Kriege nicht in Vergessenheit geraten lassen.“ Deshalb werde in der Steinwaldstadt der Volkstrauertag gehalten, aber im Rahmen der derzeitig geltenden Hygiene-Vorschriften.

„Denn bei Gedenkveranstaltungen zum Volkstrauertag handelt sich um eine öffentliche Versammlung, wie uns das Landratsamt mitteilte“, so Reger. „Sie sind unter freiem Himmel zulässig.“ Neben den Hygienemaßnahmen sei nach seinen Worten eine weitere Vorgabe, dass die Gedenkveranstaltung „ortsfest“ abgehalten werde. „Es gibt deshalb heuer keine Kirchen- und Trauerzüge.“

90 Jahre Kriegerdenkmal

Das Kriegerdenkmal mit dem Soldaten im Wachanzug kann trotz Corona in diesem Jahr auf sein 90-jähriges Bestehen zurückblicken. Seit 1930 ist es das Kennzeichen am Unteren Markt. Ursprünglich wurde es zum Gedenken der Gefallenen des Ersten Weltkriegs errichtet. Die Idee zur Aufstellung eines Kriegerdenkmals in Erbendorf geht auf eine Anregung Erbendorfer Bürger gegenüber der Stadt Erbendorf im Jahr 1920 zurück. Die Stadt selbst sah eine „Notwendigkeit der Errichtung eines Kriegerdenkmals als dauerndes Zeichen der Dankbarkeit für die gefallenen Helden“. Es wurde sogar ein Ausschuss aus Stadträten und Bürgern eingesetzt. Im April 1921 bat die Stadt die beiden Bildhauer Karl Dilling und Georg Wallisch, beide Erbendorfer, aus München um erste Planungsvorschläge. Dabei wurden verschiedene Standorte, wie der Marktplatz, bei der Windischkapelle und am Friedhof vorgebracht. Spendenaufrufe wurden gemacht. Doch die Inflationszeit machte das Projekt wieder zunichte.

Mit Schreiben vom 22. Februar 1930 trat der Veteranen- und Kriegerverein Erbendorf mit der Bitte um Errichtung eines Kriegerdenkmals erneut an die Stadt heran. Als Standort wurde der Untere Markt vorgeschlagen. Beauftragt wurde am 2. April 1930 das Granit- und Syenitwerk Friedenfels. Es legte einen Entwurf des Denkmals mit einem nachdenklichen deutschen Krieger im Wachanzug vor. Doch das Bezirksamt Kemnath lehnte diese Anlage aufgrund eines Gutachtens des Landesbauamts Amberg ab.

Es wurden alle Persönlichkeiten in Bewegung gesetzt, um den Bauplan zur Genehmigung zu bringen. Das Bezirksamt Kemnath genehmigte die Errichtung baupolizeilich am 1. August 1930. Die Bauausführung wurden dem Erbendorfer Maurermeister Hans Hösl übergeben. Die Kosten bezifferte der Verein auf rund 5000 Mark. Finanziert wurde die Errichtung durch Haussammlungen sowie aus den durch die Inflation minimierten Sammlungen aus 1921/22, die die Stadt verwaltete.

Mit elektrischem Licht

Rückblich auf Volkstrauertag 2019:

Erbendorf

Am Sonntag, 31. August 1930, war es dann soweit. Das Kriegerdenkmal konnte feierlich eingeweiht werden. Übrigens wurde aus diesem Anlass das Denkmal einige Tage nachts mit elektrischem Licht beleuchtet. An der linken und rechten Seite des Sockels stehen die Namen der Gefallenen des Ersten Weltkriegs aus der Stadtgemeinde Erbendorf. Auf der Rückseite werden die Gefallenen der damaligen Gemeinden Hauxdorf, Sassenhof und Plärn genannt. Die Gemeinde Altenstadt hat sich bereits 1922 gegen eine Beteiligung am Erbendorfer Kriegerdenkmal ausgesprochen, da sie das noch heute im Einmündungsbereich der Altenstädter Straße/Schlossstraße bestehende Kriegerdenkmal der Gefallenen aus der Altenstädter Gemeinde errichtete.

Nicht nur für die Gefallenen des Zweiten Weltkrieges, sondern auch für alle Opfer wurde anlässlich des 80. Gründungsfestes der Soldaten- und Kriegerkameradschaft Erbendorf am 12./13. Juli 1958 eine zusätzliche Gedenktafel „Zum Gedenken der Opfer des Krieges 1939 – 1945“ an der Frontseite angebracht.

Um die Pflege des Denkmals kümmert sich seit der Aufstellung die Soldaten- und Reservistenkameradschaft Erbendorf. Zur Gedenkstunde am Samstag um 19.15 Uhr steht das Kriegerdenkmal wieder im Mittelpunkt.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.