22.10.2020 - 10:17 Uhr
ErbendorfOberpfalz

Was kann das Intervallfasten?

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Diäten und Fastenkuren kommen nie aus der Mode. Man will gesund abnehmen und sein Gewicht auch halten. Relativ neu ist das intermittierende Fasten. Stunden- oder tageweise wird dabei auf Nahrung verzichtet oder kalorienreduziert gegessen.

Intervallfasten gibt es in zwei verschiedenen Hauptformen. Eine große Rolle dabei spielt immer das Timing der Nahrungsaufnahme.
von Christa VoglProfil

Die Auswahl an Fastenmethoden ist riesig: Basenfasten, Schroth- oder Mayr-Kur, Früchtefasten, Saftfasten, Teefasten, Wasserfasten, Heilfasten nach Buchinger, modifiziertes Fasten. Und jetzt auch noch intermittierendes Fasten, also Intervallfasten? Die Erbendorferin Kristina Heinzel-Neumann, die als Ökotrophologin täglich von ihren Klienten mit Fragen zu gesunder Ernährung und Diätformen konfrontiert wird, betrachtet diesen neuen Trend eher mit Zurückhaltung.

Denn obwohl das Intervallfasten – man unterbricht das Fasten und nimmt es später wieder auf – derzeit in der Bevölkerung einen Hype erlebt, gebe es wissenschaftlich gesehen keinen Grund dafür: Bisher wurden die Vorteile des Intervallfastens nahezu ausschließlich über Tierversuche mit Mäusen, Ratten und Rhesusaffen ermittelt. Die untersuchten Tiere verloren Gewicht, es gab weniger Alterungsprozesse, der Organismus wies einen besseren Blutzuckerspiegel auf, es gab weniger Krebserkrankungen. Aber natürlich darf eine Labormaus nicht mit einem Menschen verglichen werden. Und aussagekräftige Studien mit Menschen fehlen bisher fast gänzlich. Also nur Vorschusslorbeeren?

Intervallfasten gibt es in zwei verschiedenen Hauptformen. Eine große Rolle dabei spielt immer das Timing der Nahrungsaufnahme: Es gibt das Stundenfasten, die sogenannten 16:8-Methode, bei der zwischen der letzten Mahlzeit am vorhergehenden Tag und der ersten Mahlzeit des neuen Tages 16 Stunden liegen. Üblicherweise wird dabei das Frühstück oder das Abendessen weggelassen, in den acht Stunden, in denen dann gegessen werden darf, gibt es zwei Mahlzeiten. Diese Form ist derzeit sehr populär, da ein großer Teil der täglichen Fastenzeit während des Schlafens stattfindet und daher nicht mit Hungergefühlen einher geht.

Eine Alternative dazu ist die 5:2-Methode, bei der fünf Tage pro Woche „ganz normal“ gegessen wird und dazwischen zwei Fastentage eingelegt werden, an denen die Kalorienzufuhr gedrosselt wird und der Körper lernt, von seinen Reserven zu leben. Die beiden Fastentage sollten jedoch nicht aufeinanderfolgen.

Doch warum soll das Kurzzeitfasten leichter zur Gewichtsreduktion führen als herkömmliche Diäten? Der Grund liegt im Unterschied zwischen Diät und Fasten: Bei einer Diät wird das Essen einer bestimmten Kost in regelmäßigen Abständen verstanden, bestimmte Lebensmittel werden gemieden, andere werden bewusst zu sich genommen und auch die Menge wird kontrolliert – über einen bestimmten Zeitraum hinweg. Der Effekt: Oftmals purzeln die Pfunde, doch nach dem Ende der Diät gibt es den gefürchteten Jojo-Effekt, das alte Gewicht stellt sich sehr bald wieder ein. Und häufig auch noch einige Kilos zusätzlich.

Beim Fasten wird dagegen über einen bestimmten Zeitraum generell keinerlei Nahrungsmittel zu sich genommen, während der restlichen Zeit darf man wie gewohnt essen, ohne Kalorien zu zählen. Heinzel-Neumann sagt: „Es gibt Hinweise darauf, dass unter den verschiedenen Fastenformen das Intervallfasten für den Stoffwechsel verträglicher ist. Eben weil die Nahrungskarenz, also die Verzicht auf Nahrung, nicht so lange dauert.“ Allerdings würde es in Bezug auf die Gewichtsreduktion zwischen Fasten und Diät keinen signifikanten Unterschied geben.

Signifikant ist der Unterschied zwischen Diät und Fasten allerdings vom Zeitrahmen her: Eine Diät ist zeitlich befristet und dauert einige Wochen oder wenige Monate, oft ist von „Durchhalten“ die Rede. Das Intervallfasten ist dagegen eine „Dauerkostform“, eine Art, sich zu ernähren. Eben langfristig.

Kann man damit etwas verkehrt machen? Heinzel-Neumann sagt: „Es gibt Diäten, die schädlich sind. Wenn zu mir aber Klienten kommen, die abnehmen wollen mit Intervallfasten, dann frage ich sie zuerst, ob sie sich damit wohlfühlen. Wenn ja – und wenn sie gesund sind – dann kann das durchaus für sie die richtige Methode sein.“ Kann, aber muss nicht: Denn die einen kämen sehr gut mit dem intermittierenden Fasten zurecht, die anderen aber nicht. „Zum Beispiel weil sie abends noch von Heißhunger überfallen werden, in dieser Verfassung den Kühlschrank ausräumen und sich später Vorwürfe machen.“ Die Vorwürfe des inneren Kritikers würden sich dann in etwa so anhören: „Du hast versagt, alle anderen sind besser, du bist so schlecht.“ In diesem Fall habe diese Ernährungsart, dieses Kurzzeitfasten, seine Wirkung verfehlt. Viel besser sei dann ein vollwertiges, entspanntes Abendessen. Denn, so Heinzel-Neumann: „Jeder hat beim Fasten oder Abnehmen eben seinen eigenen Weg.“

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Kristina Heinzel-Neumann ist Ernährungsberaterin. Intervallfasten ist ihrer Meinung nach nicht unbedingt für jeden geeignet. Denn: "Jeder hat beim Fasten oder Abnehmen seinen eigenen Weg".
Hintergrund:

Vorsicht bei Vorerkrankungen

Obwohl Intervallfasten den meisten gut tut, sollten einige Menschen Vorsicht walten lassen. Unbedingt vor Beginn den Arzt befragen sollte man bei niedrigem Blutdruck, Stoffwechselerkrankungen, chronischen Krankheiten, Krebserkrankungen und hohem Lebensalter. Intervallfasten ist eher nicht geeignet in Schwangerschaft und Stillzeit, bei Essstörungen wie Anorexie oder Bulimie und bei Untergewicht. (cvl)

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