25.03.2021 - 10:26 Uhr
ErbendorfOberpfalz

Fleischerzeugung mit Nachhaltigkeit

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Biolandwirt Josef Schmidt züchtet Rotes Höhenvieh. Der passionierte Naturschützer schwört auf Umdenken in der Nahrungsmittelindustrie zur Rettung von Mutter Erde. Was er erzeugt, ist "Fleischgenuss mit gutem Gewissen".

Biolandwirt Josef Schmidt möchte mit seiner Art der Landwirtschaft seinen Teil dazu beitragen, die Umweltsünden der Menschheit mit nachhaltiger Arbeit auszumerzen.
von Ulla Britta BaumerProfil

Gibt es Fleisch von glücklichen Kühen? Eher selten, lautet wohl die Antwort. Aber immer öfter. Ganz gewiss glücklich sind die Rinder von Josef Schmidt. Wer diesem Biolandwirt zufällig zuschaut, wie er seine Rinder mit dem Pferd von einer Wiese zur anderen treibt, denkt unweigerlich an den Wilden Westen Amerikas.

Damit liegt der Gedanke durchaus richtig, denn Schmidt macht alles noch - oder besser gesagt wieder so - wie es früher gut war für die Rinderherden. Der einzige Unterschied sind die Größenverhältnisse. Aber immerhin bringt es der gebürtige Erbendorfer auf 50 Hektar Land, wovon 30 Hektar Weide sind. Und er hat gut 50 Rinder. "Meine Kühe leben wild über den Sommer ganz allein draußen", erklärt er. Ist eine Wiese abgegrast, werden die Tiere zum nächsten Weideland gebracht, zu Pferd oder zu Fuß.

Begonnen hat Schmidt mit einer Kuh und einem Pony. Jetzt züchtet er das selten gewordene Rote Höhenvieh. Seine Tiere stehen verteilt im Steinwald-Gebiet auf natürlich gewachsenen Wiesen. "Die an der weitesten entfernten Weide liegt in der Nähe der Stieglmühle", erzählt er. Täglich einmal schaut Schmidt nach seinen Tieren, ansonsten sind sie allein draußen. Anfangs, erzählt der Biobauer, waren die Kühe das ganze Jahr über auf den Weiden. Im Winter, fügt er lachend an, sei dann beim Kontrollgang immer wieder einmal ein Schneeberg in Bewegung geraten - mit einer Kuh darunter.

Im März auf die Weide

Schmidts Bio-Rinder halten das aus. Weil es immer mehr Vieh wurde, hat sich Schmidt entschieden, sie nun im Winter dennoch nach Hause in den Stall zu holen. Jetzt im März dauert es nicht mehr lange, bis er sie wieder raus lässt. "Die wissen das und freuen sich drauf", sagt Schmidt lachend.

Der überzeugte, passionierte Naturschützer wurde Landwirt, weil er seinen Kindheitserinnerungen nachtrauert von blühenden Wiesen mit Schwärmen von Insekten und einem Grenzbach, in dem es vor Krebsen und Perlmuscheln wimmelte. "Alles weg", klagt er. Für ihn ist das ein unerträglicher Zustand und ein dringender Appell an die Verantwortung der Menschen ihrem Planet gegenüber. "Sonst war's das mit unserer Erde."

Schmidt ist überzeugt davon, dass Kühe wie Rehe Waldtiere sind. "Die gehören in den Wald", erklärt er dies, unter anderem über das "Wiederkäuersystem". Rinder seien in der Evolution aus Angst vor Beutegreifern zu Wiederkäuern geworden. "Sie haben sich mit Futter auf einer Wiese vollgestopft und sind zum Kauen in den schützenden Wald zurück."

Seinen Tieren möchte er so viel als möglich natürliches Leben ermöglichen. Bei der Zucht steht der Erhalt der Rasse an erster Stelle. Schmidt behält die Kühe und Kälber, die Stiere vermarktet er unter anderem als Zuchtbullen oder zur Fleischerzeugung. Der Ökonom schwört auf natürliches Futter in Form von Wiesenpflanzen. Etwas anderes bekommt sein Vieh den ganzen Sommer über nicht.

Er erklärt, wie das auch den Wiesen und der Natur zugutekommt. Schmidt hat während des Aufbaus seiner Biolandwirtschaft 30 Hektar Brauchflächen gekauft oder gepachtet, die auf herkömmliche Art nicht bewirtschaftet werden konnten. "Da wuchs nur wildes Zeug." Heute seien diese Flächen voller wertvoller Wiesengewächse, wegen der Kuhfladen. "Das sind kleine Biotope. Sobald einer zu Boden fällt, kommen die Insekten." Was danach alles in einem Kuhfladen biologisch abgeht, ist für Schmidt ein Wunder der Natur für die Natur.

Seine Philosophie über die Art des ökologischen Anbaus und der Tierzucht trägt reiche Früchte: Der Grenzmühl-Bauer ist als Fachmann für Biolandwirtschaft ein gefragter Mann, das Fleisch seiner Rinder geht weg wie die warmen Semmeln und er kann sogar nach der Schlachtung nachhaltig bleiben. "Ich habe eine Gerberei gefunden, die das Kuhleder auf biologischer Basis für mich bearbeitet", erzählt er begeistert. Er sei eben ein Visionär, sagt Schmidt von sich.

Sein Hauptanliegen: Nicht länger zusehen, wie die Menschheit den Planeten Erde mit Volldampf an die Wand fährt. Er möchte raus aus der herkömmlichen Denkweise der Nahrungsmittelerzeugung, wo die Grundlage für Fleisch und Milchprodukte nur Unmengen Futtermittel sind, die teilweise mit größeren Mengen an Chemie erzeugt werden. "Und am Ende wird die Milch wegen Überproduktion weggeschüttet", schüttelt er den Kopf über derart ökologische Fehler, die für den Erhalt der menschlichen Lebensgrundlagen nun keine Zukunft mehr haben.

Umdenken gelernt

Als "Umweltengel" will der junge Mann aber nicht dastehen. Auch er habe erst umdenken müssen, sagt er. Viel mehr will Josef Schmidt das Erbe seiner bereits verstorbenen Mutter erfüllen. Sie habe ihm am Sterbebett die Augen dafür geöffnet, dass viel Menschenleid gedankenlos selbst erzeugt werde, weil die Menschheit die Natur rücksichtslos zerstört, sagt er. Der Vorteil seines Denkens liegt beim Verbraucher. Schmidt erzählt vom zarten, aromatischen Rindfleisch des Roten Höhenviehs. Eine Premiumklasse, die jeder mit gutem Gewissen essen könne.

Auch beim Schlachten und Verwursten achtet der Grenzmühler auf tiergerechte Behandlung. Dafür hat er einen Metzger gefunden, der in seinem Sinn arbeitet. Und nicht nur "eingefleischte" Fleischesser, so Schmidt, hätten ihre Freude mit seinem Bioprodukten. Dann erzählt er von einem Veganer, der einmal gesagt habe: "Wenn deine Rinder nur Gras fressen, ist Bio-Rindfleisch im Grunde eine durchwegs vegane Kost."

Nose-to-Tail - die Verwertung eines Tieres von Kopf bis Fuß

Erbendorf
Hintergrund:

Die Landwirtschaft von Josef Schmidt

  • Josef Schmidts Rotes Höhenvieh lebt in den Sommermonaten auf verschiedenen Waldwiesen in der Mittelgebirgsregion Naturpark Steinwald.
  • Schmidts Bauernhof ist ein zertifizierter Biolandbetrieb. Außer den Rindern hält er auch Ziegen und pflegt eine kleine Bio-Schweinezucht. Ein weiteres Schwerpunkt ist der Gemüse- und Mohnanbau – alles im Einklang mit der Natur.
  • Als Demo-Betrieb des Bundesprogramms Ökologischer Landbau (BÖLN) macht Schmidt seine Arbeit auch Interessierten zugänglich.
  • Schmidt ist aufgrund seines großen Engagements für die Ökolandwirtschaft stellvertretender Verbandsvorsitzender bei Bioland und aktiver Kommunalpolitiker.
  • Außerdem war er im Management der Ökomodellregion Steinwald tätig.

 

 

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