30.05.2021 - 14:11 Uhr
ErbendorfOberpfalz

Bei Familie Hille sind Fledermäuse willkommen

Nur wenige haben das Glück, Fledermäuse ganz nah zu erleben. Für die Familie Hille aus Erbendorf jedoch gehören die nächtlichen Insektenjäger zum Alltag – und das bereits seit Jahren.

Die Auszeichnung "Fledermäuse willkommen" überbrachte der Fledermausbeauftragte im Landkreis Tirschenreuth, Manfred Haas. Der Thumsenreuther (links) gratulierte im Auftrag des Landkreises und des Bayerischen Umweltministeriums Jonas und Veronika Hille.
von Werner RoblProfil

Einen aktiven Beitrag zum Erhalt der Fledermäuse leistet die Familie Hille. Unter dem Dach des Familiendomizils, am nördlichen Stadtrand von Erbendorf, leben bereits seit acht Jahren (wenn auch nur in bestimmten Monaten) etwa 80 Fledermäuse.

„Es können durchaus auch mehr Tiere sein“, vermutet Veronika Hille. Vorsorglich fügt sie hinzu: „Festlegen möchte ich mich nicht.“ Denn: Nachdem sie bei der Zahl 80 angekommen war, habe sie das Zählen aufgehört, gesteht die tierliebe Erbendorferin. Sie ist als Hackbrett-Spielerin beim Erbendorfer Zitherclub bekannt.

Oberpfalz-Medien hakt nach. Schließlich wollen wir wissen, wie es zum besonderen, vor allem aber zahlreichen Familienzuwachs kommen konnte. Veronika Hille erinnert sich: „Irgendwo im Dach ist ein Spalt." Den entdeckten die Fledermäuse eines Tages. "Die Tiere fackelten nicht lange und schlüpften hinein.“ Offenbar ging die Nachricht von der idealen Wohngegend von Fledermausohr zu Fledermausohr und weckte rasch die Neugierde weiterer Verwandter.

Hinterlassenschaften im Garten

Seitdem ist die Familie Hille um gleich mehrere Mitglieder reicher. Die Hinterlassenschaften auf der Terrasse und im Garten in Form von Kot sieht die Gastgeberfamilie jedoch gelassen. Schließlich profitiere man ja auch von den Tieren, weiß Veronika Hille. „Dafür plagen uns auch keine Mücken“, deutet sie danach auf den familieneigenen Gartenteich. "Wir tolerieren die Gäste, die sich, ohne zu fragen, unter dem Dach breit machen", fasst die Hausbesitzerin zusammen.

Regelmäßig, wenn es Frühling wird, kommen die Fledermäuse und kümmern sich um die Brut. „Ende Juli“ – so Veronika Hille – „sind sie wieder verschwunden“. Manchmal entdecke man auch vermeintlich elternlose Jungtiere, die sich von der Mutter gelöst haben, auf den Boden fallen und dort liegen bleiben. Der vermeintliche Verlust wird von der Fledermaus-Mutter wieder aufgesammelt und weitergepflegt, informierte Hille. Und: "Wir sind es gewohnt und machen uns auch keine Sorgen. Die Fledermaus-Eltern sind um ihren Nachwuchs sehr besorgt.“

Seit wenigen Tagen ist die Erbendorfer Familie verdienter Besitzer der Plakette „Fledermäuse willkommen“ nebst einer dazugehörigen Urkunde des Bayerischen Landesamtes für Umwelt. Die Schirmherrschaft für die 2005 ins Leben gerufene Aktion hat der dafür zuständige Minister Thorsten Glauber. 2010 wurde im Landkreis Forchheim die 1000. Plakette überreicht. Inzwischen zieren über 1200 solcher Auszeichnungen Bayerns fledermausfreundliche Anwesen.

"Wir tolerieren die Gäste, die sich, ohne zu fragen, unter dem Dach breit machen."

Veronika Hille

In einem eigens dafür herausgegebenen Faltblatt beschreibt das Umweltministerium die Hintergründe der Schutzaktion, die auch das Ziel verfolgt, den Erhalt von Fledermausquartieren zu sichern. Zudem empfiehlt das Umweltministerium eine aktive Beteiligung am Schutz der Tiere.

„Normalerweise – wenn nicht Corona wäre – würde die Auszeichnung im Landratsamt beziehungsweise im Rahmen eines Festaktes stattfinden“, informiert der Fledermausbeauftragte des Landkreises Tirschenreuth, Manfred Haas. Den Besuch in der Nachbarstadt Erbendorf nutzt der Thumsenreuther auch, um sich bei der Familie Hille im Namen des Umweltministeriums und des Landkreises zu bedanken. Sein persönliches Vergelt's Gott gilt den vielen Mühen und der Geduld, die die Gastgeberfamilie aufbringt.

16 Fledermaus-Arten im Landkreis

Zudem verweist Haas auch auf die 16 im Landkreis heimischen Fledermaus-Arten: „Die Säugetiere spielen in der Natur eine wichtige Rolle“, unterstreicht der Tierfreund, der seit 2019 Fledermausbeauftragter ist. Der Schutz führe ausschließlich über die Menschen, die die Nachtjäger und Flugkünstler „in ihrer Umgebung dulden, um deren Fortbestand aktiv zu sichern“.

Gemeinsam mit Sohn Jonas nahm Veronika Hille die Urkunde und Plakette entgegen. Das Bayerische Landesamt für Umwelt empfiehlt, die Auszeichnung an einer gut sichtbaren Stelle des Wohnhauses anzubringen. Damit solle zum Ausdruck gebracht werden, dass der Gebäudeeigentümer oder -nutzer einen persönlichen Beitrag zum Schutz bzw. Erhalt der gefährdeten Fledermäuse leiste.

Fledermäuse als Virenschleudern? "Totaler Humbug"

Hohenburg

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.