23.04.2021 - 10:17 Uhr
ErbendorfOberpfalz

Erbendorf vor 100 Jahren: Baubeginn der Porzellanfabrik

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Hans Schrembs ist Begründer der Erbendorfer Porzellanindustrie. Vor 100 Jahren begannen die Bauarbeiten an seiner Porzellanfabrik. 1922 nahm die Fabrik ihren Betrieb auf und lieferte das „Weiße Gold“ in die ganze Welt.

Die Porzellanfabrik Schrembs in den 1920er Jahren. Die Fabrik hatte seit ihrer Gründung einen Bahnanschluss zur Lokalbahn Erbendorf-Reuth.
von Jochen NeumannProfil

Die Produktion von Porzellan, auch „Weißes Gold“ genannt, hat in Erbendorf eine über 100-jährige Tradition. Der Begründer der örtlichen Porzellanindustrie war der Sägewerksbesitzer Hans Schrembs, der 1921/22 neben der Frankenschleif an der Fichtelnaab eine Porzellanfabrik errichtete. Geboren wurde Schrembs 1876 als Sohn eines Sägewerksbesitzers in Grötschenreuth.

Das Baumaterial zu dieser ersten Fabrik stammte übrigens zu einem großen Teil aus der Schlossruine Siegritz. 1922 wurde der Betrieb mit zwei Brennöfen und 100 Arbeitern aufgenommen. Gut vier Jahre später waren es bereits 225 Mitarbeiter, 1928 bereits 280 Arbeiter und fünf Brennöfen. Unter dem Namen "Porzellanfabrik Hans Schrembs" ging die Produktion in die ganze Welt, vornehmlich aber in den Export nach Amerika. Hergestellt wurden Haushaltsporzellan sowie Kaffee- und Teegeschirr.

Das Kaolin bezog Schrembs aus Böhmen. Die Verpackung, Holzkisten und Holzwolle, lieferte sein Sägewerk an der Frankenschleif, wenige Schritte von der Fabrik entfernt. Zuvor betrieb Hans Schrembs ein Sägewerk in der Bräugasse, dort befindet sich heute der Parkplatz der Steinwald-Klinik. Das 1889 errichtete Dampfsägewerk erwarb er 1912. Im Jahr 1921 fiel es aber einem Brand zum Opfer und wurde anschließend in der Frankenschleif, die seit 1917 in seinem Besitz war, wiedererrichtet.

Export bricht weg

Bedingt durch die Weltwirtschaftskrise 1929 brach der für den Betrieb notwendige Export weg. Um die Fabrik vor dem finanziellen Ruin zu retten, verpachtete Hans Schrembs das gesamte Werk 1931 an den Porzellanfabrikanten Ernst Rockholz aus Selb. Im Kriegsjahr 1940 verkaufte Schrembs den gesamten Betrieb an die Porzellanfabrik Christian Seltmann in Weiden.

Christian Seltmann (1870-1921), der Gründer des Unternehmens, begann seinen beruflichen Werdegang als Dreher-Lehrling Mitte der 1880er Jahre in der Arzberger Porzellanfabrik Lehmann.

Auf sein eigentliches Können, das Malen und Modellieren, wurde die Unternehmensleitung eher zufällig aufmerksam: Um 1893/94 entschied sich ein amerikanischer Kunde für ein von Christian Seltmann gefertigtes Schalendesign und erteilte daraufhin der Porzellanfabrik Lehmann einen großen Produktionsauftrag. Als Dank hierfür durfte Seltmann die Porzellanfachschule Teplitz-Schönau in Nordböhmen, das heutige tschechische Lazne Teplice, besuchen. Nach erfolgreichem Abschluss wurde er im Alter von 26 Jahren Betriebsleiter und Modelleur der Porzellanfabrik Lehmann.

Seltmann errichtete 1901 mit seinem Bruder Johann eine Porzellanfabrik in Vohenstrauß. Schon 1910 trennten sich die Wege beider und Christian Seltmann baute in Weiden erfolgreich sein eigenes Unternehmen auf.

Harte Zeiten erlebte das gesamte Unternehmen Seltmann und somit das Werk in Erbendorf im Zweiten Weltkrieg wie auch in den Nachkriegsjahren. Unter der Federführung des damaligen alleinigen Leiters der Firma, Dr. Wilhelm Seltmann, wurde zwar nach der Übernahme am Gebäude und im Betriebsablauf viel erneuert und überholt, an einen Ausbau der Fabrik war jedoch nicht zu denken. Denn es fehlten während des Krieges die notwendigen Arbeitskräfte sowie wichtige Rohstoffe zur Porzellanproduktion.

Ein weiterer Grund war, dass sich ab 1944 die Messerschmitt-Werke aus Regensburg mit einem Teil ihrer Flugzeugproduktion auf dem Betriebsgelände einquartierten. Unter dem Decknamen „Erlenbachwerk“ wurden Ausrüstungs- und Bedarfsgegenstände für die Luftwaffe hergestellt. Zu diesem Zweck errichteten die Messerschmidt-Werke zusätzlich an der Porzellanfabrik noch eine sogenannte Delta-Fertigteilhalle.

Erst nach 1945 konnte eine geregelte Produktion wieder aufgenommen werden. Mit der Währungsumstellung 1948 entschloss sich Seltmann, das Werk Erbendorf als erstes seiner damals drei Werke auszubauen und zu modernisieren.

Positive Entwicklung

Eine positive Entwicklung des Unternehmens und der Erbendorfer Fabrik folgte: Waren es 1950 noch 390 Arbeiter, verdoppelte sich die Zahl im Laufe der Jahre und erreichte zu Beginn der 60er Jahre zeitweise rund 1200 Arbeitnehmer.

Für seine Verdienste um die Stadt Erbendorf übertrug der Stadtrat dem Firmeninhaber Dr. Wilhelm Seltmann 1958 die Ehrenbürgerwürde. Außerdem wurde der 1962 neu angelegte Stadtpark in "Dr.-Wilhelm-Seltmann-Anlage" umgewidmet. Heute befindet sich darauf nicht nur der Stadtpark, sondern auch die 2015 fertiggestellte neue Stadthalle.

Die Stadt Erbendorf hält aber auch die Erinnerung an den Begründer der Porzellanfabrik, Hans Schrembs, wach: mit einem nach ihm benannten Straßenzug in der Schloßzelch.

Der Erbendorfer André Zaus ist Vorsitzender des Vereins Porzellanstraße

Erbendorf

Nach dem Tod des Ehrenbürgers Wilhelm Seltmann übernahm 1967 sein Sohn Christian Seltmann in dritter Generation das Unternehmen. Der Standort Erbendorf wurde kontinuierlich modernisiert. Unter der heutigen Geschäftsführung von Christian R. W. Seltmann konnten 17 Millionen Euro große Investitionen im Werk Erbendorf abgeschlossen werden. Zurecht nennt die Porzellanfabrik Seltmann ihr Erbendorfer Werk „eine der modernsten Porzellanfabriken Europas“.

Das "Weiße Gold" aus Erbendorf ist auch bei Sammlern sehr beliebt. Vor allem die Porzellanbodenmarken der Porzellanfabrik Schrembs, der Porzellanfabrik Erbendorf und nicht zuletzt der Porzellanfabrik Seltmann sind gefragt.

Übrigens befindet sich im Heimat- und Bergbaumuseum in Erbendorf ein eingerichtetes Porzellanzimmer, das die Porzellantradition in Erbendorf von 1921 bis heute thematisiert.

 

 

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