11.05.2020 - 22:49 Uhr
ErbendorfOberpfalz

Bernhard Schmidt in Erbendorf nach Kampfabstimmung Zweiter Bürgermeister

Die Entscheidung war mit Spannung erwartet worden. Neuer Zweiter Bürgermeister der Stadt Erbendorf ist der Freie Wähler Bernhard Schmidt. Er setzte sich am Montagabend in einer Kampfabstimmung durch.

Bernhard Schmidt setzte sich in einer Kampfabstimmung als Zweiter Bürgermeister durch.
von Wolfgang Benkhardt Kontakt Profil

Dritter Bürgermeister wurde Reinhold Kastner von der SPD. Damit gingen die CSU und die CWL, die Landliste der CSU, die bisher alle drei Bürgermeisterposten besetzt hatten, bei den Stellvertreter-Ämtern gänzlich leer aus.

Zum 1. Mai hat der bisherige Zweite Bürgermeister Johannes Reger (CSU) als Rathauschef die Nachfolge seines Parteikollegen Hans Donko angetreten. Da auch Dritte Bürgermeisterin Sonja Heindl (CWL) nicht mehr für den Stadtrat kandidiert hat, musste die Riege der stellvertretenden Bürgermeister komplett neu besetzt werden.

Absolute Mehrheit verloren

Wegen der veränderten Situation - CSU und CWL haben bei den Wahlen ihre absolute Mehrheit verloren - war die konstituierende Sitzung in der Steinwaldstadt mit großer Spannung erwartet worden. Die Sitzung fand wegen der Coronakrise, die auch in Erbendorf etliche Todesopfer gefordert hat, im großen Saal der Stadthalle statt. Jeder Stadtrat hatte seinen eigenen Tisch. An die 40 Zuhörer nahmen mit entsprechendem Abstand auf den "Zuhörerbänken" Platz, um die erste Sitzung unter der Leitung von Reger mitzuerleben.

Sieben neue Stadträte

Der neue Rathauschef nahm den sieben neuen Stadträten Alfons Meierhöfer (CSU), Matthias Fütterer, Toni Schinner (beide CWL), Sven Lehner (Freie Wähler), Martin Gallersdörfer (SPD), Josef Schmidt und Berta Wenning (Die Grünen) in alphabetischer Reihenfolge einzeln den Eid ab. Wegen der Corona-Auflagen blieb jeder an seinem Platz und sprach dort die Formel nach. Alle wählten die Version mit dem Zusatz "so wahr mir Gott helfe".

Dann ging es an die Wahl der Stellvertreter von Johannes Reger. Die Spannung war greifbar. CSU und CWG stellen nur noch 9 von 20 Räten. Zusammen mit dem Votum von Bürgermeister Reger kommen die Christsozialen nun auf 10 Stimmen. Die Freien Wähler haben 5, die SPD 4 und die Grünen 2 Stadträte, stellen also zusammen 11 Mandatsträger.

Die CSU legte vor. Josef Bollmann schickte für die Christsozialen Dominik Vollath ins Rennen. Der bringe 12 Jahre Stadtratserfahrung mit, sei ein Fürsprecher der Familien, habe beste Kontakte zu Abgeordneten und zu Landrat Roland Grillmeier und sei zudem ein absoluter IT-Fachmann, was in der heutigen Zeit wichtig sein könne. Zudem spreche für ihn, dass er in Erbendorf arbeite und damit schnell einspringen könnte, wenn Not am Bürgermeister sei, meinte Bollmann.

Für die Freien Wähler schlug Rolf Hanauer seinen Fraktionskollegen Bernhard Schmidt, der Reger in die Stichwahl gezwungen hatte, vor. Schmidt habe als Kommandant der Feuerwehr bewiesen, dass er gut führen und auch schwierigste Einsätze meistern könne. Als Geschäftsführer einer Energiegenossenschaft habe er zudem viel mit Bürgermeistern zu tun und habe als stellvertretender Kreisvorsitzender und Mitglied des Landesvorstands der Freien Wähler auch politisch ein gutes Netzwerk. Dabei blieb es. SPD und Grüne verzichteten auf eigene Vorschläge.

Rathaus-Mitarbeiterin Carolin Böckl sammelte mit einer Urne die blauen Stimmzettel ein. Alle 21 waren gültig. Auf 11 Zetteln war das Kreuz hinter dem Freien Wähler Schmidt gemacht. 10 votierten für CSU-Mann Vollath. Bei der Wahl des Dritten Bürgermeisters schlug Bernhard Reis für die SPD seinen Fraktionskollegen Reinhold Kastner vor. Aufgrund seiner ruhigen, sachlichen Art und seinem ausgeglichenen Wesen sei er geradezu prädestiniert für dieses Amt, meinte Reis. Der 51-Jährige verheiratete Vater von drei Söhnen kenne sich zudem als staatlich geprüfter Bautechniker des Wasserwirtschaftsamtes gut mit Verwaltungsangelegenheiten aus und beweise als Teammanager der Ersten und Zweiten Mannschaft des TSV, was er leisten könne. Für dieses Amt gab es keine weiteren Vorschläge.

Große Zustimmung für SPD-Mann

Kastner kam in der erneut geheimen Wahl auf 19 Stimmen. Auf den beiden anderen Stimmzetteln standen die Namen Berta Wenning und Dominik Vollath. Kastner bezeichnete diese Wahl als große Ehre und sicherte zu, das Amt zum Wohle der Bürger auszuüben.

Die Geschäftsordnung wird erst in einer der nächsten Sitzungen verabschiedet, um mehr Zeit für die Vorberatung zu haben. Bis dahin gilt noch die Geschäftsordnung der alten Wahlperiode.

Hermann Hesse zitiert

Zum Schluss der Abstimmungen ergriff noch einmal SPD-Sprecher Reis das Wort. Als Ältester der Runde wolle er angesichts der großen Anspannung ein paar aufmunternde Worte sagen. Reis zitierte dazu aus einem Hermann-Hesse-Gedicht: "Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne". Angesichts der vielen neuen Stadträte und Bürgermeister sei dies heute wohl so ein Anfang. Er wünschte dem "Zaubermeister Johannes Reger" viel Kraft und viel Erfolg beim Bemühen, die Männer und Frauen an den Schaltstellen der Macht mit Ideen für Erbendorf zu verzaubern. Außerdem bat er um eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe und gab den Verantwortlichen die "beiden Zauberwörter Anstand und Respekt" mit auf den Weg.

Bürgermeister Reger meinte, dass kein Bürgermeister zaubern könne. Aber er werde versuchen, zusammen Lösungen zu finden und setze auf eine konstruktive Zusammenarbeit.

Neuer Dritter Bürgermeister ist Reinhold Kastner.
Fraktionssprecher:

Erbendorfer Stadtrat nun bunter

Der Erbendorfer Stadtrat ist durch die Wahl bunter geworden. Es gibt dort nun fünf Gruppierungen, die am Sitzungstisch sitzen. Der Fraktionsstatus wurde von drei auf zwei Stadträte abgesenkt, damit auch die neu vertretenen Grünen eine Fraktion bilden können. Sprecher im Stadtrat sind für die CSU Dominik Vollath (Stellvertreter Josef Bollmann), für die Freien Wähler Bernhard Schmidt (Stellvertreter Dr. Hans Rose), für die SPD Bernhard Reis (Stellvertreter Martin Gallersdörfer), für die CWL Franz Schraml (Stellvertreter Matthias Fütterer) und für die Grünen Josef Schmidt (Stellvertreterin Berta Wenning).

Der Stadtrat mit den drei Bürgermeistern (vorne von links) Bernhard Schmidt, Johannes Reger und Reinhold Kastner.
Die neuen Gesichter im Stadtrat (von links): Alfons Meierhöfer, Martin Gallersdörfer, Josef Schmidt, Berta Wenning, Toni Schinner, Matthias Fütterer und Sven Lehner.

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