18.06.2019 - 17:04 Uhr
ErbendorfOberpfalz

Ein Bademeister aus Ägypten in Erbendorf

Mohamed Naeim würde auch bei "Baywatch" eine tolle Figur machen. Er passt aber lieber auf die Badegäste im Freibad Erbendorf auf. Der 34-Jährige ist dort seit einem Jahr Bademeister.

Bürgermeister Hans Donko (links) hat mit dem Ägypter Mohamed Naeim (rechts) einen guten Mann gefunden, der als Tauchlehrer und Rettungsschwimmer alle Voraussetzungen eines Bademeisters erfüllt.
von Ulla Britta BaumerProfil

Ägypten ist ein klassisches Urlaubsland. Das sonnige Land in Afrika punktet mit dem Mittelmeer und dem Roten Meer und ist ein Eldorado für Taucher. Mohamed Naeim zog vor fünf Jahren weg aus Ägypten, um in Deutschland sein Glück zu finden. Oberpfalz-Medien trifft ihn im Freibad Erbendorf.

Ein attraktiver junger Mann, muskulös und dunkelbraun gebrannt in schwarzen Shorts und rotem Poloshirt, begrüßt uns in bestem Deutsch. Der 34-jährige Ägypter bietet eine Tasse Kaffee an, entschuldigt sich, weil das Telefon klingelt. Kaum legt er auf, treten zwei Mädchen heran wegen einer Dauereintrittskarte. "Die gibt es im Rathaus", sagt Mohamed. Das Telefon klingelt wieder, gleichzeitig nimmt er von drei Jungs in Badehosen einen Leih-Fußball zurück. Mohamed lacht auf die Frage, ob das hier immer so zugehe.

"Alle 30 Sekunden braucht jemand was", sagt er schmunzelnd. Der Mann mit der modischen Sonnenbrille hat das Vertrauen der Erbendorfer Badegäste im Flug erobert. Der Ägypter hat alle Voraussetzungen als Tauchlehrer und Rettungsschwimmer gleich mitgebracht. Mohamed will nicht zurück in die Heimat. Er zieht das Freibad Erbendorf vor.

"Er ist ein Glücksfall", sagt Bürgermeister Hans Donko und erzählt von Mohameds Ausbildung zum "Fachangestellten im Badewesen". Mohameds zweite Ausbildung, denn in der Heimatstadt Alexandria habe er "Administration Management" studiert. Nach ersten "Gehversuchen" in München fand Mohamed eine Stelle als Bademeister in Schwandorf, wo er zwei Jahre blieb.

"Unser Bademeister hat kurz vor Saisonbeginn 2018 aus gesundheitlichen Gründen das Handtuch werfen müssen", berichtet Donko. Ein Schock, denn ohne Nachfolge hätte das Freibad in der Saison 2018 geschlossen bleiben müssen. Sofort wurde eine Stellenanzeige aufgegeben. Natürlich sei er zuerst erstaunt gewesen, als die Unterlagen eines Ägypters auf dem Schreibtisch lagen, sagt Donko. "Aber es klang alles gut. Mohameds Papiere waren in Ordnung und bestens auf uns abgestimmt."

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Erbendorf

Als Mohamed auch noch beim Bewerbungsgespräch mit guten Deutschkenntnissen beeindruckte, fiel Donko die Entscheidung leicht. Mohamed, sagt der Bürgermeister, habe sogar länger mit einem "Ja" gezögert als er. "Ich bekomme hier jede Unterstützung, die ich brauche", betont der Ägypter in Richtung Chef. Einziges Manko: das Fachdeutsch bei der Ausbildung. Mohamed muss fundiertes Wissen über Wasseraufbereitungs- und Freibad-Technik sowie vieles mehr lernen. "Die erste Prüfung hat er dennoch bestanden. Mit guten Noten", sagt Donko. Im Juli ist die Ausbildung abgeschlossen, der Bürgermeister ist jetzt schon stolz auf seinen neuen Bademeister. Für Mohamed ist damit eine weitere Hürde zur beruflichen Zukunft in Deutschland geschafft. Auf die Frage, was ihm an Erbendorf gefällt, sagt er überschwänglich: "Alles."

Täglich misst Mohamed Naeim die Wasserqualität und -temperatur. Er ist Bademeister im Freibad Erbendorf.

Und was vermisst er? Hier nennt Mohamed die Familie in Ägypten. Sie sei sehr groß. Einmal im Jahr fliegt er nach Hause. Aber bis dahin ist's eine Weile hin. Während der Saison erwartet den Freibad-Hausherren täglich von 8 bis 20 Uhr ein riesiges Arbeitspensum. Er ist für die Überwachung und Sicherheit zuständig, schützt manchmal zu lebhafte Kinder vor Gefahren beim Herumtoben und liest den Badegästen alle Wünsche von den Augen ab. Zudem sorgt er für beste Wasserqualität in den Becken, klebt manche Pflaster mit einem tröstenden Wort auf blutende Kinderknie - und so weiter. Dem Bürgermeister kann's nur Recht sein, wenn sein "Glücksfall" ein Erbendorfer werden möchte.

Sprachlich sind erste Ansätze bereits da: Sobald Mohamed erzählt, dringt unterschwellig der Oberpfälzer Dialekt durch. Und es gibt weitere Gründe, zu bleiben, jetzt wo die Stadt Erbendorf ein Hallenbad baut. In sechs Wochen soll Spatenstich sein. "Wenn das 2021 fertig ist, brauchen wir aber für Mohamed auch Kollegen", denkt Donko weiter.

Riesiges Arbeitspensum

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