14.09.2020 - 19:04 Uhr
EnsdorfOberpfalz

Verstümmeltes Reh bei Hofstetten: Polizei ermittelt

Ein Wilderer? Oder waren es Hunde, die ein Reh erlegt haben? In der Gemeinde Ensdorf gibt ein verstümmelter Rehkadaver Rätsel auf.

von Markus Müller Kontakt Profil

Jäger Jonas Graf aus Hofstetten war guter Dinge, als er am Donnerstagmorgen seine Revierrunde in der Nähe seines Wohnortes drehte. Bis er gegen 11 Uhr am Rand eines Feldes auf ein totes Reh stieß. Das Seltsame daran: Dem Tier waren der Kopf, der Hals und der rechte Vorderlauf abgeschnitten. „Das war gekonnt mit einem Messer abgetrennt, genau am Gelenk“, lässt Graf keinen Zweifel, dass hier ein Fachmann am Werk war.

Als der Jäger etwa 100 Meter weiter zu seiner Kanzel kam, war deren Schloss aufgebrochen. Graf erstattete deshalb Anzeige bei der Polizei. Die schickte ein Team zur Spurensicherung vorbei, wie Hans-Peter Klinger von der Polizeiinspektion Amberg bestätigt.

Warum fehlt der Kopf?

Sowohl Graf als auch Klinger rätseln derzeit noch, was sich aus der Spurenlage herauslesen lässt. Dass man bei einem gewilderten Bock den Kopf abtrennt, um die Trophäe mitzunehmen, könnte Graf noch nachvollziehen. „Aber das war ein Schmalreh, also ein junges, da hat das überhaupt keinen Sinn.“ Dass das Tier ein Opfer des Straßenverkehrs wurde, kann der Jäger mit Sicherheit ausschließen. Der Fundort ist weitab von jeder Straße.

Ob das Reh erschossen wurde, ist aufgrund der fehlenden Teile nicht zweifelsfrei zu bestimmen. Könnte es ein Hund gerissen haben und dessen Besitzer hätte die Körperteile des Rehs mit den verräterischen Bissspuren beseitigt? Unwahrscheinlich; Experten gehen in solchen Fällen davon aus, dass der Hund das Reh von hinten her anfrisst.

Jäger entsetzt

Hans-Peter Klingers Überlegung geht eher in die Richtung, dass der Täter dem Reh in den Kopf geschossen hat. Und dann habe er diesen mitgenommen, um keine verwertbaren Spuren zu seiner Waffe zu hinterlassen.

Wie auch immer es war: Jonas Graf ist entsetzt über diesen Frevel. So etwas sei nicht nur eine Frechheit, sondern auch eine „Sauerei“ und unmenschlich, vom Jagdlichen her vollkommen unerklärlich. „Ich verstehe nicht, warum ein Mensch so etwas macht“, sagt Graf einigermaßen konsterniert. Wenn jemand das Fleisch des Rehs gewollt hätte, wäre das noch irgendwo verständlich gewesen. „Aber ich kann doch nicht einfach nur aus Gaudi ein Tier töten.“

Im Blickpunkt:

Nachbarn hören um 5.15 Uhr Schuss

Die Polizeiinspektion Amberg ermittelt in Sachen des verstümmelten Rehs wegen des Verdachts auf Jagdwilderei. Für diesen Straftatbestand ist Haft bis zu drei Jahren oder eine Geldstrafe als Strafrahmen vorgegeben. Hinweise zu dem Fall nimmt die PI unter 09621/890-320 entgegen. Besonders interessant dürften Angaben zu einem möglichen Schuss sein, den Nachbarn gegen 5.15 Uhr gehört haben wollen. (ll)

Ein möglicher Fall von Wilderei sorgte Anfang 2020 bei Ursensollen für Aufsehen

Ursensollen
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