28.10.2020 - 10:07 Uhr
EnsdorfOberpfalz

Ensdorfer Schüler beim Waldumbau: Sämlinge für den Klimawald

Die Mädchen und Buben legen vor, und Hengst Fonsi erledigt den Rest. Mittelschüler aus Ensdorf helfen tatkräftig mit, den Wald fit für den Klimawandel zu machen. Das funktioniert nach einem besonderen Verfahren.

von Paul BöhmProfil

Einen etwas anderen Unterricht erlebten die Achtklässler der Naturpark-Mittelschule Ensdorf. Auf dem Stundenplan stand das Thema Wald - und nicht nur das. Die Mädchen und Buben halfen im Forstrevier Ensdorf mit, mittels Pferden Eichen anzusäen. Knapp 15 Zentner Eicheln standen dazu bereit – und Fonsi, ein echtes Holzrücke-Pferd.

Die Schüler verteilten die Sämlinge per Hand auf dem Waldboden. Das Pferd arbeitete die Eicheln in den frischen gemulchten Waldboden ein. Forstwirtschaftsmeister Michael Fischer dirigierte den Percheronhengst professionell zwischen den Bäumen hindurch- etwas, das man heute bei der Waldarbeit nur noch sehr selten zu sehen bekommt.

Abschied von Monokulturen

Zusammen mit ihrem Klassenleiter Christian Koppmann waren die Jugendlichen in ein Waldstück zwischen Vilshofen und Deglhof gekommen. Dort warteten bereits der Leiter des Forstbetriebes Burglengenfeld, Hans Mages, zusammen mit Revierförster Franz Schuhbauer auf die Schulkinder, die freilich noch den letzten Kilometer von der Kreisstraße bis zur Aussaatstelle zu Fuß zurücklegen mussten.

Mages informierte die Schüler, dass der Aufbau von artenreichen und stabilen Wäldern weiter vorangetrieben werden soll, um so den Gefahren der fortschreitenden Klimaveränderung entgegenzuwirken. Der bayerische Staatswald bedeckt derzeit eine Fläche von rund 720 000 Hektar, zwei Drittel mit Nadelwald, vor allem mit Fichten und Kiefern bestockt. Lange sei das gutgegangen, doch wegen vieler "Schad-Ereignisse" habe ein Umdenken stattgefunden, sagte der Forstexperte. "Das Klima ändert sich, und die Forstwirtschaft wappnet sich."

"Das Ziel ist der Abschied von Monokulturen wie der Fichte und die Entwicklung des Waldes hin zu einem artenreichen, gut strukturierten und widerstandsfähigem Bestand - dem Klimawald", erklärte Mages. Generell habe bei einer Verjüngung die heimische Baumartenpalette immer Vorrang, bevor der Blick auf alternative Baumarten aus anderen Ländern gerichtet wird, sagte der Forstbetriebsleiter.

Die Mischung macht's

Auf der Fläche bei Deglhof wird heimische Traubeneiche gesät und damit ein Kiefern-Fichten-Bestand umgebaut. Ziel ist es, auf lange Sicht einen Eichenwald mit Kiefern, Buchen, Birken und einigen Fichten als Mischbaumarten zu erhalten. "Wo es fachlich angezeigt ist und heimische Baumarten an ihre Grenzen stoßen, können auch alternative Baumarten aus anderen Ländern kleinflächig beim Waldaufbau beteiligt werden", erklärte Mages. Waldbesitzer seien jedoch gut beraten, auf einer Fläche gleichzeitig auf mehrere Baumarten zu setzen. "Es gilt, das Risiko zu streuen, denn wer streut, der rutscht nicht", sagt schon eine alte Binsenweisheit.

Klimawandel entgegensteuern

Steigende Temperaturen, weniger Niederschläge und nachfolgende Trockenheit, Dürre und Schädlingsbefall stellen die Forstbetriebe und die Privatwaldbesitzer gleichermaßen vor die große Herausforderung, die heimischen Wälder an die geänderten klimatischen Verhältnisse anzupassen.

Und dazu gehört auch die Maßnahme bei Eichlhof, bei der die Schüler kräftig mitgeholfen haben, eine neue Waldstruktur auf den Weg zu bringen. Das Waldstück ist zusätzlich eingezäunt worden, um die Wildschweine und andere Tiere davon abzuhalten, die ausgebrachten Eicheln wieder auszugraben und zu verspeisen.

Der Forstbetrieb Burglengenfeld bewirtschaftet etwa 21 000 Hektar Staatswald in den Landkreisen Schwandorf, Amberg-Sulzbach und Regensburg. Der Anteil der Nadelbäume - Kiefer und Fichte - ist hier mit ungefähr 80 Prozent überdurchschnittlich hoch. Das hat historische Gründe, weiß Mages: "Wir sind daher in ganz Bayern der Forstbetrieb mit der höchsten Waldumbaufläche - nämlich mit rund 100 Hektar pro Jahr, das sind etwa 150 Fußballfelder."

Forstleute nutzen die Saat anstelle einer Pflanzung in sogenannten Mastjahren, wenn die Eichen reichlich Früchte tragen. Das Verfahren gilt als besonders naturnah. Weil die Pflanzen nicht erst in einer Baumschule angezogen werden müssen und sich ihre Wurzeln ungestört entwickeln können.

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