22.11.2019 - 10:53 Uhr
EbnathOberpfalz

Klima bereitet Sorgen

Der Vortrag Vortrag „Trockenheits- und hitzeverträgliche Stauden und Gehölze" sorgte bei den Zuhörern für nachdenkliche Stimmung!

Mit einem kleinen Geschenk bedankten sich die Vorsitzenden Brigitte Hofmann aus Fuhrmannsreuth (links) und Inge Geißler beim Referenten Harald Schlöger für den kurzweiligen und interessanten Vortrag im Gasthof Krone.
von Autor SOJProfil

Veränderte Klimabedingungen stellen uns laut Kreisfachberater Harald Schlöger bei der Gestaltung der Gärten aber auch bei der Pflanzenauswahl vor ganz neue Herausforderungen. Im Vortrag gab der Pflanzenexperte vom Landratsamt Tirschenreuth den Gartlern aus Ebnath und Brand Gestaltungsideen für trockene Standorte, stellte geeignete Pflanzen vor und gab Tipps für die Pflege. Auslöser für die Auswahl dieses Vortragsthemas war laut Schlöger die Lehrfahrt des Kreisverbandes Gartenbau ins nördliche Sachsen-Anhalt. Was die Besucher in einer Baumschule zu sehen bekamen, sei für ein Gärtnerauge kein schöner Anblick gewesen: Gehölze und Bäume, die sichtlich unter Trockenstress litten. Die Tipps der dortigen Baumschule gebe Schlöger gerne weiter, schließlich hätten die Leute in dieser Trockenregion schon länger Erfahrung, wie sie mit den zunehmend trockeneren und heißeren Sommern umgehen müssen.

Saisonale Umverteilung

Der Kreisfachberater ging zunächst auf Prognosen renommierter Klimaforscher für die zukünftige Entwicklung ein. "Da wird noch einiges auf uns zukommen", machte der Referent deutlich. Seit einigen Jahren sei auch deutlich, dass der Wandel und die Veränderungen in einem Ausmaß und in einem Tempo erfolgten, die höher seien als die ursprünglichen Prognosen. Veränderungen bei den Niederschlägen hält Schlöger für noch problematischer als den reinen Temperaturanstieg.

Für Bayern bedeute dies eine saisonale Umverteilung des Niederschlags mit einem Anstieg der Niederschlagssummen im Frühjahr/Spätwinter (um bis zu 20 bis 30 Prozent) und eine Abnahme im Sommer um mehr als 20 Prozent.

Weiter stellte Schlöger die konkreten Auswirkungen auf die Vegetation zum Beispiel bei der Verwendung von Bäumen in der Stadt und in den Gärten vor. Die bisher verwendeten Baumarten in der Stadt seien in ihrer Verwendbarkeit inzwischen stark eingeschränkt.

Durch den weltweiten Güter- und Warenverkehr würden natürliche Barrieren für Krankheiten und Schädlinge ausgeschaltet. Folge sei das verstärkte Auftreten vorher unbekannter Erreger, wobei zumindest anfangs die natürlichen Gegenspieler fehlten und die Selbstheilungskraft der Natur nicht ausreiche. Ein Beispiel dafür sei das Eschentriebsterben.

Im Projekt Stadtgrün 2021 werden seit mehr als zehn Jahren Baumarten getestet, die Ersatz bieten können. "So werden in Zukunft Baumarten bei uns wachsen, die aus Klimaregionen der Erde kommen, wo es schon immer im Winter kalt, aber im Sommer trocken und heiß war, zum Beispiel aus dem Kaukasusbereich oder Vorderasien." Schlöger stellte Baumarten für die Zukunft vor, wie Hopfenbuche, Wollapfel oder eine Ulmenart mit der Sortenbezeichnung "LobeM".

Bei der Gehölzauswahl für den Privatgarten werden Gehölze mit hohem Wasserbedarf wie Hortensien nur mehr an geeigneten Standorten eingesetzt werden können. Bei der Suche nach Ersatz gerade für Gärten mit intensiver Sonneneinstrahlung brauche es Arten mit besonderem Verdunstungsschutz zum Beispiel durch nadelförmige Blätter oder Wachsüberzug. Ein Beispiel ist die Wüstenweide, Chilopsis linearis Burgundy.

Bei Steppenheide-Stauden bedienen

Verlierer des Klimawandels gebe es auch bei bekannten Beetstauden. Der Begriff mache schon klar, dass deren Lebensbereich in der Natur kein Vorbild hat, sondern im Grunde aus der gärtnerischen Retorte stammt. Durch langjährige Züchtung entstanden, fänden sich in dieser Gruppe die größten und farbigsten Blütenformen.

Von den optimalen Bedingungen verwöhnt, wären sie ohne ständige gärtnerische Betreuung hoffnungslos verloren. Rittersporn, hohe Herbstastern oder Sommerphlox litten bei trockenen Bedingungen und bekämen leicht Pilzkrankheiten wie Mehltau.

Besser sei es in Zukunft, sich bei den Steppenheide-Stauden, zum Beispiel aus mediterranen Heimatstandorten, zu bedienen. Lavendel, Heiligenkraut, Ysop, Silberraute und viele andere sind mit ihren schmalen, mit feinen Härchen überzogenen Blättern gut an Trockenbedingungen angepasst. Auch Rhizome wie bei Bartiris oder die unterirdischen Speicherorgane bei Zwiebel- und Knollenpflanzen seien eine wirkungsvolle Strategie, trockene Witterungsphasen unbeschadet zu überstehen.

Große Herausforderung

Die Veränderungen, die der Klimawandel mit sich bringt, seien für Gärtner und Landwirte eine große Herausforderung. Eventuell ergäben sich auch neue Chancen bei der Pflanzenverwendung, zum Beispiel bei den wärmebedürftigen Obstarten wie Echter Wein, Maulbeerbaum oder der Echten Mispel. Gartenbesitzer müssten sich laut Schlöger in diesen Zeiten informieren, um Pflanzen für ihre Gärten auszuwählen, die auch in Zukunft gut gedeihen können.

Er dankte der Führung des OGV, dass durch solche Veranstaltungen entsprechende Informationen weiter gegeben werden können. Ein Beispiel dafür, wie wichtig gerade in der heutigen Zeit die Obst- und Gartenbauvereine sind.

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