28.09.2020 - 18:43 Uhr
EbermannsdorfOberpfalz

"Das war echt verrückt": Corona hat Sara Däbritz Schmerzen erspart

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Wechsel ins Ausland, schwere Verletzung, Corona und zum Ende hin das überraschende Comeback: Die erste Saison bei Paris Saint-Germain hatte für Sara Däbritz jede Menge zu bieten. Im Interview spricht sie über ihr erstes Jahr in Frankreich.

"Die Stadt hat so einen Charme": Sara Däbritz vor dem Eiffelturm.
von Julian Trager Kontakt Profil

Für Sara Däbritz gibt es diese Tage kaum Zeit zum Verschnaufen. Anfang August das Pokalfinale gegen Lyon (3:4 nach Elfmeterschießen verloren), Ende August das Champions-League-Endturnier im Baskenland (Halbfinal-Aus gegen Lyon), Anfang September der Ligastart in Frankreich. Mitte September folgte das Comeback in der Nationalmannschaft gegen Irland. Mittlerweile ist die Ebermannsdorferin wieder zurück in Paris, am Freitag stieg der dritte Spieltag in der Liga. Dazwischen nahm sie sich Zeit, um mit Oberpfalz-Medien über ihre erste Saison bei PSG zu sprechen.

ONETZ: Wechsel, Corona, Kreuzbandriss, Reha, Comeback in den wichtigen K.-o.-Spielen - recht viel mehr kann man in eine Saison nicht packen. Wie war dein erstes Jahr in Paris?

Sara Däbritz: Das war ein Jahr mit Höhen und Tiefen. Ich bin in Paris angekommen, und von Anfang an lief alles wirklich super. Ich wurde von der Mannschaft toll aufgenommen, auch fußballerisch lief es gut. Die Stadt ist super schön. Ich hab mich da relativ schnell eingefunden. Rundherum hat alles perfekt gepasst. Dann kam die Verletzung. Das ist natürlich immer Mist. Wenn man so eine große Verletzung hat, weiß man: Das wird jetzt eine lange Reha. Das war schon ein Tiefschlag. Und dann kam Corona. Aber am Ende konnte ich unerwartet noch das Halbfinale und das Finale im Pokal und das Champions-League-Endturnier spielen. Insgesamt war es ein gutes Jahr.

ONETZ: Die Champions-League ist gerade erst vorbei, und die neue Saison hat bereits begonnen. Hattest du überhaupt Urlaub?

Leider nein. Es gab überhaupt keine Möglichkeit mehr, freizuhaben, weil eben gleich der Ligastart anstand. Das war schon eine besondere Herausforderung. Weil man von so einem Highlight kommt. Das Aus im Champions-League-Halbfinale war enttäuschend. Da war es dann gar nicht so leicht, wieder reinzufinden. Aber wir haben es gut hinbekommen, auch wenn wir im zweiten Spiel unnötig unentschieden gespielt haben.

Die Geschichte von Sara Däbritz

Ebermannsdorf

ONETZ: Wie fühlst du dich denn gerade?

Also fitnesstechnisch und athletisch fühle ich mich echt überragend nach der Reha. Fußballerisch brauche ich einfach noch ein bisschen, um den gewohnten Rhythmus wieder zu finden. Da bin ich aber auch auf einem guten Weg.

ONETZ: Für dich war die Saison-Unterbrechung ja gar nicht mal schlecht, wenn man das so sagen darf.

Ja, das war echt verrückt. Ich habe trotz Kreuzbandriss nur ganz wenig Spiele verpasst. Ich konnte die Corona-Zeit perfekt nutzen, um gesund und fit zu werden. Das ist mir auch mega gut gelungen. Ich glaub, dass mir die ganze Situation sehr geholfen hat. Die Highlight-Spiele habe ich nicht von der Tribüne aus verfolgen müssen. Ich konnte mich komplett auf meine Reha konzentrieren. Außen herum war ja nichts los, deswegen war es für meinen Kopf wirklich gut.

ONETZ: Für Fußballer gibt es ja fast nichts Schlimmeres, als bei den wichtigen Spielen zum Zuschauen verdammt zu sein.

Absolut. Meine Reha wäre ja genau in der Phase mit den ganzen K.-o.-Spielen in Pokal und Champions-League gewesen. Das sind diese Spiele, in denen man als Fußballer unbedingt auf dem Platz stehen will. Die Partien von der Tribüne aus zu verfolgen, hätte schon sehr wehgetan. Das wurde mir dann erspart. So schlimm Corona auch war und ist, konnte ich die Zeit gut nutzen, um wieder komplett fit zu werden.

Sara Däbritz im Werbespot von Coca-Cola

ONETZ: Die Reha hast du hauptsächlich in Donaustauf in der Praxis von Klaus Eder verbracht. Warum?

Operiert wurde ich in Paris, dort war ich auch in den ersten zwei Monaten der Reha und war bestens versorgt. Dann ging das mit Corona los. Der Lockdown war ja in Frankreich noch viel, viel strenger als in Deutschland. Als sich es angekündigt hat, dass das in Frankreich so hart wird, bin ich nach Deutschland geflogen. In Paris wäre es ganz schwierig geworden, die Reha fortzusetzen, weil wir nicht aufs Trainingsgelände durften.

ONETZ: Hat man dich dann in der Oberpfälzer Heimat gut versorgt?

Die Zeit in der Eden Reha war wirklich top. Ich war da zwölf Wochen am Stück. Die Physios, die Trainer, alle, die da arbeiten, sind sehr kompetent. Und es ist dort ein total angenehmes Umfeld. Es war eine sehr, sehr gute Reha-Zeit. Alle Leute, die irgendwie mit meinem Knie zu tun hatten, haben überragende Arbeit geleistet. Noch dazu konnte ich pendeln, daheim wohnen und hatte meine Familie um mich, was mir viel Kraft und Freude gegeben hat

ONETZ: Wie war der Lockdown für dich?

Für mich war das nicht so viel anders als sonst. Ich war den ganzen Tag beschäftigt, hatte meine Reha, hatte das Ziel, wieder gesund zu werden. Aber natürlich konnte ich auch nicht Essen gehen oder mich mit Freunden treffen. Das hat natürlich schon gefehlt. An sich hatte ich aber den vollen Fokus auf die Reha.

ONETZ: Nach einem Jahr in Frankreich: Was ist der größte Unterschied zwischen dem französischen Frauenfußball und dem deutschen?

Die Zuschauerzahlen bei den Highlight-Spielen. Generell sind die Zahlen ähnlich, aber wenn wir zum Beispiel gegen Lyon spielen, haben wir eine volle Bude. Das ist wirklich unglaublich, da haben wir im Männerstadion gespielt, vor 30 000 Zuschauern. Das sind für uns Frauen schon besondere Spiele, weil wir das leider nicht jedes Wochenende erleben. Schade, dass wir das nicht auch bei den gewöhnlichen Spielen hinbekommen. Was bei uns auch wirklich cool ist, was ich sehr liebe, ist, dass die Männer-Ultras auch immer bei unseren Spielen sind. Das fehlt zurzeit natürlich auch, weil die die Stimmung sehr gut anheizen.

ONETZ: Der Louvre, der Eiffelturm, Versailles - hast du in Paris schon alles angeschaut?

Bei den normalen Touristen-Hotspots war ich natürlich schon. Und jedes Mal, wenn Besuch kommt, muss ich da wieder hinfahren (lacht). Aber das macht nichts. Es ist immer was Besonderes, vor dem Eiffelturm zu stehen. Generell mag ich an Paris am meisten die gemütlichen, kleinen Gassen mit ihren kleinen, schönen Restaurants. Egal wo man sich da reinsetzt, man findet immer etwas Gutes zum Essen. Die Stadt hat so einen Charme, so ein gemütliches Flair.

ONETZ: Bekommst du viel Besuch aus der Heimat?

Ja schon. Jetzt gerade zwar nicht, aber in normalen Zeiten ist schon einiges los. Das ist auch schön. Ich freu mich immer über Besuch von Freunden und Familie.

ONETZ: Und wie läuft's mit dem Französischen? Die Sprache ist ja nicht die leichteste.

Ja doch, ich kann es mittlerweile schon, aber jetzt nicht fließend. Ich kann mich gut verständigen, würde ich sagen. Verstehen ist schon sehr, sehr gut. Es wird immer besser und ich trau mich auch immer mehr zu sprechen. Wir haben normalerweise auch Sprachkurse.

ONETZ: Abgesehen vom Sportlichen - war der Wechsel nach Paris, ins Ausland, in eine andere Kultur, der richtige Schritt?

Ja. Es gibt viele kleine Sachen, die anders sind wie in Deutschland. Daran muss man sich erstmal gewöhnen. Die Franzosen sind gemütlichere Leute als die strukturierten deutschen Kartoffeln (lacht). Alles hat seine Vor- und Nachteile. Mal ist man genervt, aber manchmal denkt man sich: Eigentlich haben die recht, man sollte das auch so entspannt sehen.

ONETZ: Was sind die Ziele in der neuen Saison?

Wir wollen unbedingt Meister werden, wollen es unbedingt schaffen, an Lyon vorbeizuziehen. Das ist unser Top-Ziel.

ONETZ: Kannst du dir vorstellen, länger in Paris zu bleiben?

Ich hab' hier noch zwei Jahre Vertrag. Dann schauen wir mal. Generell ist es schon interessant, wie sich der Frauenfußball entwickelt. Mittlerweile gibt es viele gute Ligen, in die man wechseln könnte. Aber vielleicht geht es dann auch wieder zurück nach Deutschland. Ich kann es ehrlich gesagt noch nicht sagen. Ich bin jetzt erst einmal froh, dass ich noch eine gewisse Zeit in Paris bin, weil es mir da gut gefällt.

Interview mit Däbritz nach dem Olympiasieg 2016

Sara Däbritz:
  • Stationen in der Jugend: SpVgg Ebermannsdorf, JFG Vilstal, SpVgg Weiden
  • Stationen als Profi: SC Freiburg (2012–2015), FC Bayern München (2015–2019), Paris Saint-Germain (seit 2019)
  • Länderspiele: 71 (Debüt am 29. Juni 2013 in der Allianz-Arena)
  • Erfolge: Olympiasiegerin (2016), Europameisterin (2013), deutsche Meisterin (2016), U-20-Weltmeisterin (2014), Fünfte bei der Wahl zur Weltfußballerin (2016)
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