09.04.2021 - 14:42 Uhr
EbermannsdorfOberpfalz

Hausärztin Michaela Schrödl zur Impfung: „Es ist eine Katastrophe!“

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Die Hausärzte dürfen nun gegen Corona impfen. Eigentlich. In vielen Arztpraxen herrscht aber großer Frust, weil die Impfstoffe ausbleiben. Dr. Michaela Schrödl aus Ebermannsdorf erklärt, warum sie stocksauer ist.

Dr. Michaela Schrödl, Allgemein- und Sportärztin in der Gemeinde Ebermannsdorf.
von Gerd SpiesProfil

„Wir müssen impfen, was das Zeug hält“, sagte in diesen Tagen Bayerns Ministerpräsident Markus Söder. Seit der vergangenen Woche sind deshalb auch die Hausärzte in die Impfkampagne eingebunden, endlich, aus ihrer Sicht. In vielen Arztpraxen herrscht aber bereits großer Frust, weil die Impfstoffe ausbleiben. Dr. Michaela Schrödl, Allgemein- und Sportärztin in der Gemeinde Ebermannsdorf, ist stocksauer wegen der Lieferpannen schon in der ersten Woche, wie sie im Interview mit der AZ schildert.

ONETZ: Frau Dr. Schrödl, wie ist die Impfkampagne in Ihrer Praxis angelaufen?

Dr. Michaela Schrödl: Schlecht. Es ist eine Katastrophe! Wir haben keine offiziellen Vorgaben. Vieles müssen wir uns selbst aus dem Internet holen, seien es die Aufklärungsbögen oder die Unterlagen für die Ersatz-Impfpässe. Und jetzt fehlt es auch noch an den versprochenen Impfdosen. In dieser Woche habe ich 18 erhalten, ebenso nächste Woche, obwohl 30 zugesagt waren. Wir haben einfach keine Planungssicherheit.

ONETZ: Kann Ihnen das Verteilerzentrum keine Auskunft geben?

Dr. Schrödl: Die wissen auch nichts. Wir geben unsere Mengenanforderungen per Rezept an die Apotheke, die das weiterleitet. Wer letztendlich bestimmt, wie viele Impfungen die einzelnen Praxen erhalten, ist gar nicht nachvollziehbar!

ONETZ: Haben Sie Kenntnis darüber, ob es regionale Unterschiede bei der Verteilung der Impfdosen gibt?

Dr. Schrödl: Ich habe den Eindruck, dass die Landärzte weniger gut mit Impfstoffen versorgt werden. Prinzipiell sollten aber gerade diese Ärzte ausreichend mit Impfstoffen beliefert werden, weil es für viele Menschen auf dem Land schwierig ist, in die Impfzentren zu kommen. Für Amberger ist das Impfzentrum um die Ecke. Manche meiner Patienten hier in Ebermannsdorf aber haben niemanden, der sie mit dem Auto nach Amberg fahren kann. Wir warteten sehnlichst darauf, endlich impfen zu dürfen. Und jetzt haben wir keine Impfstoffe.

ONETZ: Geht es anderen Praxen ähnlich?

Dr. Schrödl: Ich weiß von meiner Kollegin in Schmidmühlen, dass sie in der nächsten Woche 18 Impfdosen bekommt, obwohl sie 48 bestellt hat.

ONETZ: Gab es bisher Probleme wegen der Art des Impfstoffes?

Dr. Schrödl: Nein. Momentan sind alle glücklich, weil wir bisher nur Biontech erhalten haben. Astrazeneca wurde uns bisher noch nicht angeboten. Damit kommt es zurzeit zu keinen Diskussionen mit den Patienten.

ONETZ: Wie hoch ist der bürokratische Aufwand?

Dr. Schrödl: Sehr hoch, die Prioritätenliste aufzustellen ist da noch das kleinere Übel. Nach dieser gehen wir bei den Terminvereinbarungen vor. Heute mussten wir zum Beispiel Patienten anrufen und ihren Impftermin absagen, weil nicht genügend Impfstoff geliefert wird. Dass dann die Stimmung bei den Patienten ungut ist, ist für jeden sicher nachvollziehbar.

ONETZ: Ab 14. April soll es zwei weitere Impfstationen für Amberg und Amberg-Sulzbach geben.

Dr. Schrödl: Diese Entscheidung erschließt sich mir gar nicht. Viel sinnvoller wäre es, uns Hausärzte mit maximaler Menge an Impfdosen zu versorgen. Wir Hausärzte wären bereit. Ich kenne Kollegen, die für die Impfkampagne sogar ihren freien Nachmittag opfern. Dabei ist die Vergütung, die die impfenden Ärzte erhalten deutlich geringer als die Kosten, die ein Impfzentrum verursacht.

ONETZ: Wie viele Patienten könnten Sie maximal pro Woche impfen?

Dr. Schrödl: Ohne großen Stress könnte ich in meiner Praxis neben der normalen Tagesroutine 50 Personen oder mehr pro Woche impfen. Solange die maximalen Möglichkeiten der niedergelassenen Ärzte nicht ausgeschöpft sind, finde ich es einen Blödsinn, zusätzliche Impfstationen mit Steuergeldern zu errichten.

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ONETZ: Sind Sie optimistisch, dass die Impfkampagne besser wird?

Dr. Schrödl: Ich hoffe auf weitere Impfstoffe, wie zum Beispiel auf den von Johnson & Johnson. Wenn die Möglichkeit bestünde, würde ich auch Sputnik verimpfen. Ich glaube, dass es in Russland genauso gute Forscher gibt wie in anderen Ländern und deswegen der Impfstoff auch nicht schlechter ist.

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