11.06.2019 - 16:13 Uhr
Oberpfalz

Der Duft des Sommers

Kindheitserinnerungen von Heimatpfleger Josef Schmaußer an die Heuernte im Juni.

Ein Bild von zirka 1964 aus dem Familienalbum (von links): Vater Franz Xaver Schmaußer, die älteste Schwester Maria (verheiratete Holler), Josef Schmaußers Mutter, Theresia, und die zweitälteste Schwester Gunda (nun Sr. M. Dorothea im Kloster Wemding).
von Josef SchmaußerProfil

Der Juni war und ist der „Heuet“, der Heumonat. Kaum jemand wird sich dem Duft einer würzigen Heuwiese entziehen können. Sie ist der Inbegriff des Sommers. Die längsten Tage des Jahres stehen bevor. Viele Kindheitserinnerungen sind mit dieser Zeit verbunden. Die Landwirtschaft hat aber in den vergangenen sechs Jahrzehnten eine völlige Umgestaltung erfahren. Besonders die ab dem Ende der 50er Jahre einsetzende Technisierung auf den Dörfern hat Strukturen bäuerlichen Lebens verschwinden lassen, die jahrhundertelang fast unverändert ihren Gang genommen hatten. Heute sind der jungen Generation viele Geräte, Handgriffe und Redensarten, die sich auf die bäuerliche Arbeit der Heuernte beziehen, nicht mehr vertraut.

Schon in aller Herrgottsfrühe, oft noch vor Sonnenaufgang, gingen die Mäher hinaus auf die taunassen Wiesen, um das hohe Gras, das schon ausgeblüht hatte, zu mähen. Das feuchte Gras gab dem Sensenschnitt eine bessere Angriffskraft. Außerdem war die schwere Arbeit des Mähens in der Morgenkühle leichter getan, als in der Zeit der hochstehenden heißen Junisonne. Lag das gemähte Gras in langen Schwaden da, kamen die Frauen des Hauses und die Mägde, um es mit den Holzrechen auszubreiten. Die starke Junisonne schaffte es manchmal, dass man das Gras schon am nächsten Abend als gutes Heu heimfahren konnte. War das Heu nun gut trocken, wurde es zu langen Reihen zusammengerecht, damit man beim Aufladen bequem links und rechts laden konnte.

Zum Heueinfahren wurde der normale Leiterwagen zu einem großen, langen Leiterheuwagen umgebaut. Bei den großen Bauern wurde der schwere Wagen von zwei Pferden oder Ochsen gezogen, bei den kleineren Bauern wurden die Milchkühe vorgespannt. Uns Kindern wurde die ungeliebte Arbeit des Küheführens und Fliegen- und Bremsenvertreibens zugewiesen. Damals gab es Bremsen, größer als Bienen, die mit Vorliebe auf die Augen der Kühe losgingen. Mensch und Tier hatten unter der Sonnenglut zu leiden.

Wie gut schmeckte dann bei einer Brotzeit das Brot mit der selbst ausgerührten Butter, aus der noch die Buttermilch perlte. Darauf Schnittlauch und vielleicht auch ein Stück Wurst. Zum Trinken wurde in Flaschen und Krügen der unvergesslich gute, kühle, prickelnde, selbst gemachte „Holundersekt“ mitgeführt.

Nun wurden von links und rechts die Heubüschel auf den Wagen gespießt. Auf dem Wagen stand der Heulader, meist Vater, der die Fuhre kunstgerecht laden musste. Wehe, wenn schief geladen war! Ein umgekippter Heuwagen brachte außer dem Gespött noch unnötige Mehrarbeit, besonders wenn ein Gewitter am Himmel stand und Eile angesagt war. War der Wagen nun genügend hoch aufgestockt, dann wurde der „Wischbaum“, eine kräftige, lange Stange, die am starken vorderen Ende etwas eingekerbt war, über das Heu gelegt und vorne und hinten mit dem „Heuseil“ gut vertäut. Natürlich sollte der Wischbaum schön in der Mitte liegen, um die Ladung gut zu halten. Die Frauen rechten einstweilen das lockere Heu an beiden Seiten des Gefährts ab und mit einem großen, etwa 1,20 Meter breiten Eisenrechen das restliche Heu um den Wagen zusammen. Das letzte Büschel wurde mit der Heugabel an der Rückseite des Heuwagens festgespießt.

Der eingefahrene Heuwagen wurde in der Scheune entleert. Mühsam musste das Heu Gabel für Gabel durch das Zugloch in das Heuviertel gespießt werden. Oben standen die Kinder und gabelten das Heu weiter. Am schlimmsten empfanden wir Kinder das „Heuschoppen“, wenn wir auf den Heustock mussten und Gabel für Gabel unter die Dachschräge schoppen mussten. Das war vielleicht staubig und schweißtreibend.

Bis noch nach dem Zweiten Weltkrieg mussten in der Oberpfalz die Bauern und Knechte auf kleineren Gehöften das Gras mit der Sense mähen. Erst nach 1950 wurden von Kühen, Ochsen oder Pferden gezogene Balkenmäher eingesetzt.

Das Schärfen mit dem Dengelhammer am Dengelstock war eine eigene Kunst. Zwischendurch zog der Mäher den Wetzstein aus dem Kumpf. Früher war dies oft ein Kuhhorn, später war das Material aus Blech oder gar aus Holz. Das stundenlange Mähen erforderte auch die richtige Körperhaltung. Sonst wäre der Mäher zu schnell ermüdet. (schß)

Brautwerbung:

Ein junger Mann hielt bei einem Bauern um die jüngste seiner drei ledigen Töchter an. Der Bauer antwortete auf den Antrag des Werbers: „Zuerst dout ma as Hei houm, dann erst as Grammet!“ (Grummet= zweites oder drittes Heu). (schß)

Oft zeitgleich waren Heuernte und Flurumgang. Das Bild zeigt eine Wallfahrt von Hohenkemnath nach Erlheim. Da heute das meiste Gras siliert wird, sind „richtige“ Heuwiesen heute eher selten.
Ein seltenes Bild: Eine „Traumwiese“ mit vielen Kuckuckslichtnelken vor der „Traumkulisse“ Burg Heimhof im Hausener Tal (Gemeinde Ursensollen).
Ein seltenes Stück: Zwischendurch zog der Mäher den Wetzstein aus dem Kumpf (Bild). Früher war dies oft ein Kuhhorn, später war das Material Blech oder gar Holz (Bild).
Redensarten rund ums Heu:

Des Hei mou am Recha trickern!

Des is fei nu koa g’mahde Wies’!

(wenn eine Sache noch nicht ganz klar ist)

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