28.08.2020 - 12:17 Uhr
Dürnast bei WeiherhammerOberpfalz

Schlossermeister und Laienbruder schildert sein Leben "Hinter Klostermauern"

Sein 65-jähriges Professjubiläum feierte der salesianische Laienbruder Georg Schieder aus Dürnast im Kloster Benediktbeuern. Über sein abwechslungsreiches Leben "Hinter Klostermauern" erzählt er im gleichnamigen Buch.

800 Meter Rohrleitung mit 80 Zentimeter Durchmesser mussten zum Stauweiher unter einer Straße und Bahngleis verlegt werden. "Drei Monate lagen wir in den Rohren. An der Schweißstelle war es warm, aber im Rücken saukalt", erinnert sich Laienbruder Georg Schieder (vorne, rechts), der Schlosser gelernt hat. Im Hintergrund zu sehen das Kloster Benediktbeuern.
von Siegfried BockProfil

Georg Schieder, langjähriger Schlossermeister und Musiklehrer aus Dürnast, schildert in seinem 2015 in zweiter Auflage erschienenen Werk Erlebnisse und Begebenheiten aus seinem Leben im Kloster. Dabei war für ihn ursprünglich ein ganz anderer Lebensweg vorgesehen.

Als 14-Jähriger sollte er als sechstes von sieben Kindern der Eheleute Christof und Margarete Schieder eigentlich wie der Vater zum Staatsforst und die Landwirtschaft übernehmen. Da er aber unbedingt Schlosser werden wollte, 1950 jedoch keine Aussicht auf eine Lehrstelle hatte, musste er von zu Hause fort. Das Kloster Ensdorf hatte zwar eine Schlosserei, aber keinen Ausbilder (Meister). So fuhr er auf Vorschlag des Direktors vom Waldlerdorf Dürnast im Zug mit seiner Mutter zum Studieren nach Benediktbeuern ins riesige uralte Benediktiner-Kloster, das die Salesianer Don Boscos 1930 vom Staat übernommen hatten. "Die älteren Studenten und vor allem Pater Menzel, der aus Weiden stammte, kümmerten sich gleich um mich, zeigten mir den Schlafsaal, nicht beheizbar und deshalb Eisbärenschlafsaal genannt, in dem ich mit über 50 Studenten schlafen durfte. Zum Waschen mit kaltem Wasser und Klo 60-Meter-Sprint." So begann sein erster Tag und die erste Nacht am 2. September 1950 hinter Klostermauern.

Keine Freude am Studium

Am Studieren hatte Schieder überhaupt keine Freude. "Bua, wennst net studiern willst, dann lernst halt a Handwerk", sagte Direktor Pater Niedermeier zu ihm und schickte ihn in die Schlosserei zum Meister. Sein erster Auftrag: alte, verrostete Nägel ausrichten. In Waldwinkel bei Mühldorf/Inn folgte die richtige, fast dreieinhalb Jahre lange Lehrzeit. Jeden Morgen vor der Arbeit ging es in die Heilige Messe, oft auch als Ministrant. "Alle Lehrlinge, außer mir, durften, weil sie aus der Gegend waren, am Samstagnachmittag mit dem Fahrrad heimfahren. Ich hatte die Ehre, die Kapelle zu putzen und zu schmücken. Alles durfte ich herrichten, nur den Messwein nicht", erinnert er sich im Buch. "So ging ich auf die Suche und fand hinterm Altar ganz versteckt in einer Nische die Flasche mit dem Messweinetikett. Jetzt, Schorsch, trinkst einmal richtig. Ja von wegen, hat doch der hinterhältige Pater in die Messweinflasche Öl fürs ewige Licht eingefüllt. Schnell zum Wasserhahn, aber übel war mir den ganzen Tag."

Ein vergessenes Bügeleisen ruft die Feuerwehr auf den Plan

Weiden in der Oberpfalz

Im Juli 1954 legte Schieder die Gesellenprüfung in München mit Erfolg ab. Es folgte das Noviziat von 1954 bis 1955 in Ensdorf. "Der 15.August war dann mit der ersten Profess der höchste Tag, wir legten unsere ersten Gelübde für drei Jahre ab – mündliches Versprechen auf Armut, Gehorsam und Ehelosigkeit." Noch 1955 ging es zurück nach Benediktbeuern in die Schlosserei. Dort war Schieder auch für den Bau des Bihu (biologischer Humus)-Gaswerks und dessen 12-jährige Betreuung bis zur Aufgabe der großen Landwirtschaft 1978 zuständig.

Aposteluhr als Meisterstück

Erst 1967 war der Besuch der Meisterschule in München möglich. "Da wird sich der Herr Abt freuen, wenn Sie so ein schönes Stück ins Kloster bringen", sagte der Prüfungsmeister, nachdem der Laienbruder eine Aposteluhr als Meisterstück gefertigt hatte. Schieders Antwort: "Im Kloster beginnt eine neue Zeitrechnung. Man darf nicht mehr halb zwölf oder zehn nach 1 Uhr sagen, sondern drei nach Petrus oder fünf vor Judas."

Der Schlossermeister und Kunstschmied – handwerkliche Kunstarbeiten geben davon Zeugnis – war im Kloster mit pädagogischer Fachhochschule, theologischer Hochschule, Aktionszentrum, Zentrum für Umwelt und Kultur sowie Jugendherberge fortan für alle Reparaturen der landwirtschaftlichen Fahrzeuge, für das eigene E-Werk mit zwei Turbinen, Heizung und Trinkwasserversorgung aus eigenen Wasserquellen auf den Bergen verantwortlich. Wochenlang suchte er oft nach einer kaputten Wasserleitung. Die schwere Arbeit hat ihre Spuren hinterlassen. Nach drei Rückenoperationen kann sich der 84-Jährige seit zwei Jahren nur noch im Rollstuhl fortbewegen.

Hintergrund:

Verdienstmedaille für besonderes Engagement

30 Jahre lang, bis zu seinem 77. Lebensjahr, hat der "Kloster-Schorsch", wie Georg Schieder im Loisachtal genannt wird, über 250 Kindern Musikunterricht auf Zither, Hackbrett, Gitarre, Harfe und Akkordeon erteilt – ohne einen Pfennig dafür zu verlangen. "Das haben meine Oberen geduldet. Mit verschiedenen Gruppen waren wir 15 Mal im Advent in Berlin. Im Kloster selbst gab es seit 1988 mit allen Gruppen im Festsaal ein adventliches Musizieren", erinnert sich Schieder. Dieses außerordentliche ehrenamtliche Engagement wurde vom zuständigen Landrat mit der Bundesverdienstmedaille gewürdigt.

Der "Schieder-Schorsch" (im Rollstuhl) freut sich anlässlich seines Ordensjubiläums über den Besuch seiner Schwester Pauline Schönberger sowie der Nichten mit Partnern und eines seiner Neffen, denn die Brüder Sigmund und Hans sowie Schwester Emma (Buffalo/USA) sind heuer innerhalb weniger Monate verstorben.
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