23.11.2020 - 16:29 Uhr
Döllnitz bei LeuchtenbergOberpfalz

Wie wirkt sich Corona aufs Christbaumgeschäft aus? – Anbieter aus dem Kreis Neustadt uneins

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Der Christbaum als "Symbol der Hoffnung und des Lichts": eine Botschaft, die gerade in düsteren Coronazeiten ankommen dürfte. Zwei Anbieter im Landkreis jedenfalls befürchten keine Flaute. Ein dritter dagegen hat große Bedenken.

Mitten im "Wald" von 50.000 Christbäumen messen und etikettieren Andrea, Kerstin und Papa Bernhard Kammerer (von links) ihre Ware.
von Ernst FrischholzProfil

Der Christbaum hat in seiner 500-jährigen Geschichte schon viele Krisen überstanden. Jetzt auch Corona? Es scheint so. Wie berichtet, rechnen die bayerischen Christbaumbauern sogar mit einer stärkeren Nachfrage als in den Vorjahren. Zum einen, weil Familienfeiern bisher oft im erweiterten Kreis stattfanden und da nur ein Baum für alle stand. Zum anderen, weil der Weihnachtsurlaub in fernen Ländern wohl ausfällt. Und zum dritten, weil gerade ein "Symbol der Hoffnung und des Lichts“ gefragt sein dürfte wie nie zuvor. Auf ein gutes Geschäft hoffen nun auch die beiden Christbaumbauern in der Region, die wir dazu befragt haben. Einen aus dem Osten des Landkreises und den anderen aus dem Westen.

50.000 Bäume auf 11 Hektar

Bernhard Kammerer ist in Döllnitz (Markt Leuchtenberg) beheimatet. Der reine Familienbetrieb verfügt auf der ehemaligen Acker- und Wiesenfläche unterhalb des Hofes über 50.000 Christbäume auf 11 Hektar. Ökologie steht für Kammerer ganz oben. Ganz ohne Einsatz von Chemie will er einen hohen Anteil schöner Bäume erzielen. Das bedeutet, das ganze Jahr über in der Pflege aktiv zu sein. Dem Klimawandel trotzt Kammerer mit einer Beregnungsanlage. Jeder der 110 Sprüher kann pro Stunde 1000 Liter Wasser verteilen – sogar während der "Eisheiligen", damit sich die Triebe in Eis hüllen, das sie vor Frost schützt.

Weihnachtsbäume vor den Weidener Rathäusern

Weiden in der Oberpfalz

Unabhängig von Corona stellen die Kammerers ein Umdenken fest: "Viele Leute wollen ihren Plastikbaum nicht mehr aufstellen, weil sie einfach den Christbaum in einem anderen Licht sehen. Der Weihnachtsbaum aus der Region, der nicht 1000 Kilometer hertransportiert wird, hat eine neue Bedeutung erlangt." Bereits seit Oktober sind an den Wochenenden Familien auf dem Areal unterwegs. Die Kinder suchen sich Bäume aus, die dann gekennzeichnet werden. Ein paar Tage vor Weihnachten werden sie geschlagen. Hygieneprobleme gibt es mit Blick auf Corona nicht: Abstand ist leicht einzuhalten.

Viele amerikanische Kunden

Auch in der anderen Ecke des Landkreises wird Ökologie groß geschrieben, wie das Gütesiegel des Naturparks Oberpfälzer Wald bestätigt: Gerhard Hösl bewirtschaftet mehrere Anbauflächen rund um Pressath. Statt eigenhändig zu mähen, lässt der Forstmann aus Parkstein an der Straße in Richtung Grafenwöhr für sich arbeiten: „Shropshire-Schafe“ kümmern sich ums Unkraut. Hösl rechnet ebenfalls mit einer steigenden Nachfrage an Christbäumen. Bei ihm bekommen Familien eine Säge. Sie können sich ihren Baum selbst aussuchen und fällen. Das begeistere besonders die amerikanischen Kunden, berichtet Hösl. Die Nähe zu Grafenwöhr und Netzaberg sei für ihn schon ein Faktor.

Die GI-Familien aus Übersee seien früher dran als die Deutschen, erzählt Hösl. Bereits an "Thanksgiving", den vierten Donnerstag im November, stellten die meisten von ihnen ihren Weihnachtsbaum auf, der sie an "Christmas" heranführt. Danach leeren sie ihn aber ab. Hösl hat die Wahl in den USA mit Blick auf seine Christbäume verfolgt. Ein Abzug der Truppen und damit auch der Familien würde für ihn ein gewaltigen Einschnitt bedeuten. Seine Hoffnungen, dass Joe Biden die Wahl gewinnt, haben sich erfüllt.

Wie viele Kollegen starten auch Kammerer und Hösl eine Woche vor dem ersten Advent mit ihren Christbäumen in die Weihnachtssaison. An den Preisen, so bestätigen beide Händler, ändere sich im Vergleich zu den Vorjahren nichts.

Bei Bernhard Holfelder aus Brünst werden derzeit bestellte Bäume geschnitten und verpackt.

Ein weiterer im Bunde ist Bernhard Holfelder aus Brünst (Georgenberg), der Christbaumkulturen bei Letzau an der Staatsstraße Weiden–Vohenstrauß und in Georgenberg betreibt. Er setzt ausschließlich auf Nordmanntannen. Holfelder äußert jedoch bezüglich der Christbaumsaison erhebliche Bedenken. Derzeit ist er dabei, die Dekobäume für Einkaufszentren, Rathäuser und auch Kirchen sowie die Händlerbestellungen zu schneiden. Holfelder stellt einen Einbruch fest: Der Palmengarten in München und das Hofbräuhaus – zehn Sechsmeterbäume lieferte er bisher in die bayerische Metropole – hätten schon abgesagt. Die Konradskirche in Weiden will statt bisher fünf nun nur einen Baum. Rathäuser seien geschlossen und bestellten keine Bäume. "Also da geht schon mal wenig."

Für den Direktverkauf schneidet Holfelder nicht auf Vorrat. Da rät er den Leuten, sich möglichst schnell zu bedienen: "Was ist, wenn die Maßnahmen zu Corona im Dezember noch verschärft werden? Wenn nichts offen hat außer Lebensmittelgeschäften oder Apotheken wie in Österreich und Tschechien? Dann dürfte es auch keine Weihnachtsbäume geben." Das zeigt das Beispiel Tschechien: Im Nachbarland sind im Lockdown keine Bäume erhältlich. Davon profitiert wiederum Holfelder: Der Bürgermeister von Tachov habe bei ihm angerufen und 50 Bäume für die städtischen Bediensteten bestellt.

Christbaumanbau 2019

Schönficht bei Plößberg

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