26.04.2020 - 15:41 Uhr
DieterskirchenOberpfalz

Sternstunden eines Bürgermeisters

Nach den Sternen greifen wollte er nie, aber in einem Fall standen die Himmelskörper besonders günstig für Bürgermeister Hans Graßl. Mit Erinnerungen an "gute und sehr gute Jahre" nimmt er Abschied vom Chefsessel in Dieterskirchen.

Bürgermeister Hans Graßl hat sich zum Ende seiner Amtszeit als Bürgermeister schon mit der Gartenarbeit angefreundet.
von Monika Bugl Kontakt Profil

Mit einem verschmitzten Lächeln reagiert Noch-Bürgermeister Hand Graßl auf die Frage nach seinen Anfangsjahren als Bürgermeister, damals vor 24 Jahren. Da hatte er immerhin schon sechs Jahre als Gemeinderat hinter sich. Wegen der Ansteckungsgefahr in Zeiten von Corona zieht er auf Anfrage von Oberpfalz-Medien nicht im Rathaus, sondern auf der Terrasse seines Wohnhauses in Weislitz Bilanz über deine Amtszeit, von der er die ersten vier bis fünf Jahre "in guter, die übrigen als sehr gut" in Erinnerung hat.

"Die Anfangsjahre, das waren die einzigen, in denen um der politischen Gruppierung willen gearbeitet wurde", bedauert er und spielt auf einen "nicht unproblematischen Mitbewerber" um den Chefsessel im Rathaus an. Jetzt ist er froh, dass schließlich Sachargumente den Vorrang vor Parteizugehörigkeit hatten.

Mehr als ein Hirngespinst

"Wir haben dann immer hinterfragt, was es der Gemeinde bringt und gemeinsam viel erreicht", bekundet er seinen Respekt vor einem Gemeinderat, bei dem das Miteinander zählte. Wer ihn nach dem absoluten Höhepunkt seiner Amtszeit fragt, der muss nicht lange auf die Antwort warten: die Sternwarte. "Das war kein Hirngespinst, wir haben das auf den Weg gebracht", staunt er noch heute. Von solchen Erlebnissen könne man zehren, meint er und beschreibt den Effekt auf eine Gemeinde, die ansonsten touristisch "eher schwach aufgestellt" ist. Dieterskirchen hat demnach inzwischen einen Ruf auf Spezialisten-Ebene, so mancher Bürger outet sich als Astronom, und die Gastronomie am Ort setzt mit dem Sternwarte-Schnaps noch eins drauf. Dazu gibt es auch noch viel zu sehen für den Nachwuchs, während beim Kanalbau nach der Planung die Rolle der Politiker recht begrenzt ist.

Gleich an zweiter Stelle kommen Hochzeiten und Geburtstage. Wie viele Trauungen er in 24 Jahren vorgenommen, der Bürgermeister hat sie nicht gezählt - bis jetzt. "Ich habe die Verwaltung gebeten, mal eine Liste zu erstellen, es dürften schon so 150 bis 200 sein", schätzt er. So maches "Schmankerl" brachte er aber auch von runden Geburtstagen mit nach Hause. Die Erzählungen einer Hebamme von einer Geburt, die in der Nachkriegszeit mangels Strom im Schein ihrer Motoradlampe erfolgte, ist bei ihm genauso gut aufgehoben wie ein strittiger Geburtstermin.

"Manchmal bin ich einen Tag zu früh zum Gratulieren gekommen, ein anderes Mal zu spät", erinnert sich Graßl an Geburtstagskinder, deren Termin nicht unbedingt deckungsgleich mit den Daten im Standesamt war, weil man es früher eben nicht so genau genommen habe. Dann solle er eben zu dem Termin kommen, der "drin steht", lautete so manches Mal die einvernehmliche Lösung. Was da so manches Unikat zu erzählen wusste, "da hat ma mit de Luser g'schnalzt".

Doch ganz ohne Streit und Missstimmung kam der Dieterskirchener Bürgermeister in seiner Amtszeit nicht davon. Dafür sorgte das von der Firma "Ostwind" geplante Windrad in Niesaß. "Ich bin nicht böse, dass daraus nichts geworden ist", erinnert er sich an Zeiten, als selbst der Pfarrer unter Druck gesetzt wurde, und an zahlreiche Fehlinformationen. "Ich habe immer versucht, jedem gerecht zu werden", betont Graßl und nennt als Beispiel Grundstücksverhandlungen beim Straßenbau.

Stark im Miteinander

Jetzt abzutreten, fällt ihm nicht schwer. "Am Schluss merkt man schon, dass man nicht mehr so viel Elan und so viele Ideen hat", gesteht der 65-Jährige, der im August auch als Lehrer an der Neunburger Mittelschule in Pension geht. "Gut, dass es jetzt viele neue, junge Köpfe gibt im Gemeinderat", stellt er klar und wünscht seiner Nachfolgerin "das gleiche gute Miteinander" im neuen Gremium, das er als "absolute Stärke" der Dieterskirchener sieht.

Weil in den letzten Wochen wegen der Corona-Pandemie auch die Schule geschlossen war, hat Hans Graßl den ersten Testlauf für den Ruhestand mit seiner Frau Anita schon hinter sich.

"Ganz gut hing'haut" habe das bis jetzt: "Ich mach', was sie anschafft, und sie akzeptiert's, wenn ich zwischendurch maunz'", beschreibt der 65-Jährige das Miteinander jenseits von Schule und Rathaus und ohne Termindruck. "Die Probezeit ist noch nicht ganz vorbei, aber es lässt sich gut an", kontert Ehefrau Anita und zeigt sich optimistisch für die Freizeitgestaltung mit viel Lesen und hoffentlich bald wieder Kontakt zu den sechs Enkeln: "Das kriegen wir hin."

Am Schluss merkt man schon, dass man nicht mehr so viel Elan und so viele Ideen hat.

Bürgermeister Hans Graßl

Bürgermeister Hans Graßl

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