15.07.2020 - 13:47 Uhr
Dießfurt bei PressathOberpfalz

Freizeitsee Dießfurt ein Vogelparadies

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Nicht nur die Badegäste und Spaziergänger fühlen sich am Freizeitsee Dießfurt wohl, mittlerweile sind Gewässer und Kiesstrand auch zum Zuhause vieler Vogelarten geworden - trotz der ständigen Konkurrenz durch den Mensch.

Vögel wie der Karmingimpel sind mittlerweile am Freizeitsee Dießfurt heimisch geworden.
von Anne Wiesnet Kontakt Profil

Flöße für Wasservögel auf dem Freizeitsee Dießfurt ausgebracht

Dießfurt bei Pressath

Erhard Walberer ist froh, dass es die Seenlandschaft zwischen Dießfurt und Grafenwöhr gibt. Durch den Kiesabbau sei dort eine neue Heimat für einige, sonst eher weniger vorkommenden Vogelarten entstanden, sagt der Pressather, der dort immer wieder mal Vogelstimmenwanderungen anbietet.

Bekanntere Bodenbrüter wie der Flussregenpfeifer oder die Heidelerche hätten am Dießfurter Freizeitsee bereits einen neuen Lebensraum für sich entdeckt. Bei seinen Streifzügen durch das Areal habe der 70-Jährige, der von sich sagt, jede Vogelstimme der einheimischen Piepmätze erkennen zu können, nun aber auch schon Gezwitscher wahrgenommen, das er dort noch nicht gehört hatte. "Alles, was neu ist, fällt mir sofort auf. Ich habe gedacht, was singt denn da. Und dann habe ich ihn gesehen: den Karmingimpel." Der Vogel, der aus der Familie der Finken stammt, sei in der Region nur selten vertreten, sagt Walberer. Auch drei Paare des Drosselrohrsängers, "der eine unwahrscheinlich laute, knarrende Stimme hat", habe das Pressather LBV-Ortsgruppen-Mitglied heuer im Schilf am Ufer des Freizeitsees entdeckt. Dazu kommen Wasservögel wie der Haubentaucher, die Schellente oder größere Tiere wie Graureiher, Kraniche, Fischadler und Seeadler. Für diese Vögel sei der Freizeitsee ein Paradies, schwärmt Walberer. Ihn selbst reizt es besonders deshalb, dort seine Freizeit zu verbringen. Einmal pro Woche radelt er zu dem Areal. Immer dabei: sein Fernglas, um die Vögel beobachten zu können. Entdeckt oder hört er doch einmal ein ihm bislang unbekanntes Tier, überprüft er seine Beobachtungen im Internet. "Dort gibt es auch die Möglichkeit, die Stimme der Vögel nochmal zu hören", erzählt der 70-Jährige, der Vogelstimmenwanderungen in der Region schon seit circa 1980 anbietet und auch beim Landesbund für Vogelschutz tätig ist.

Dass nicht alle Gäste am Freizeitsee die Natur so schätzen wie er, ärgert ihn. Dabei ist ihm allerdings nicht unbedingt der Müll ein Dorn im Auge, sondern, dass Badegäste Bodenbrüter von ihren Nestern vertreiben. Der Flussregenpfeifer lege beispielsweise seine Eier in Ufernähe in den Kies. Spaziergänger oder Badegäste, die dem Gelege längere Zeit zu nahe kommen, vertreiben den Vogel, und die Eier werden kalt. Als besonders kritische Zeit für viele brütende Vögel sieht Walberer den Mai an. "Da konkurrieren dann Vögel und Badegäste besonders." Im Frühling und Herbst, zur Zugzeit der Vögel, sei meist noch kein Badebetrieb. "Gott sei Dank", merkt Walberer an. So könnten die Zugvögel wenigstens da das Freizeitsee-Gelände ungestört als Rastplatz nutzen.

Den Drosselrohrsänger hat Erhard Walberer auch schon in der Seenlandschaft nahe Dießfurt entdeckt. Sein Bekannter Günter Klein hat ihn sogar auf einem Foto festgehalten.

Grafenwöhrerin räumt anderen den Müll hinterher

Grafenwöhr
Hintergrund:

Der Drosselrohrsänger und der Karmingimpel

Ein einziges Knarren und Ratschen - so beschreibt Vogelbeobachter Wolfgang Winter, der sich für den Landesbund für Vogelschutz in Weiden (LBV) engagiert, die Laute des Drosselrohrsängers. "Der Drosselrohrsänger ist verbreitet, aber nicht sehr häufig. Es ist in der Tat erstaunlich, dass er am Dießfurter Freizeitsee vorkommt. In einem ganz kurzen Schilfstreifen plärrt er sich die Seele aus dem Leib", weiß auch er. Der Vogel sei optisch sehr unscheinbar, nämlich grau-braun. "Den sieht man selten", sagt Winter.

Den Karmingimpel kennt der Vogelbeobachter aus der freien Natur nicht. "Ich denke, irgendwann werde ich ihn schon mal hören." Winter weiß, dass der osteuropäische Vogel zu der Familie der Finken gehört, einen kurzen kräftigen Schnabel aufweist und an Kopf und Brust rötlich ist. "Deshalb wahrscheinlich Karmin."

Dass beide Vogelarten im Landkreis Neustadt/WN selten sind, bestätigt auch Thomas Rödl, Biologe bei der LBV-Landesgeschäftsstelle in Hilpoltstein. Dass der Karmingimpel am Dießfurter Freizeitsee gehört und gesichtet wurde, sei schon eine besondere Beobachtung. Der Vogel habe eine sehr charakteristische Pfeifreihe, an der man ihn gut erkennen könne, weiß der Biologe. Das Tier komme gerne in Moorflächen mit vielen Büschen oder am Rand von Gewässern vor. Der Drosselrohrsänger dagegen brauche vor allem störungsfreie, dichte Altschilfbestände. Weil die passenden Flächen seit der Flurbereinigung ab 1970 meist verschwunden seien, sei auch das Vorkommen des Vogels stark zurückgegangen.

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