04.02.2021 - 15:51 Uhr
Deutschland und die WeltOberpfalz

Faktencheck: WHO hält PCR-Tests weiterhin für "hochverlässlich"

Rund um eine Veröffentlichung der Weltgesundheitsorganisation WHO zu den in der Corona-Pandemie eingesetzten PCR-Tests hat sich im Netz eine ganze Reihe von Behauptungen entsponnen. Was ist an den Behauptungen dran?

Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat am 20. Januar eine Informationsnotiz veröffentlicht, die sich an Nutzer von PCR-Tests richtet - also beispielsweise an Laborpersonal.
von Agentur DPAProfil

Ein Twitter-Nutzer schreibt, die WHO habe ihre Leitlinien für PCR-Tests geändert - ein positives Ergebnis soll demnach kein Hinweis mehr auf eine "COVID19-Infektion" sein. Auf einer Webseite heißt es, die WHO halte die Tests nun immer dann für nutzlos, wenn ein Getesteter keine Symptome zeigt. An anderer Stelle wird behauptet: "WHO warnt vor Unzuverlässigkeit von PCR-Test". Was ist an den Behauptungen dran?

BEWERTUNG:

Wie die WHO auf Anfrage mitteilte, hält sie PCR-Tests nach wie vor für ein "hochverlässliches Instrument zur Diagnose von Covid-19". Dass die Veröffentlichung eine grundlegende Änderung der WHO-Einschätzung zu PCR-Tests darstellt, stimmt nicht. Hintergrund sind einer Sprecherin zufolge zehn Berichte über Probleme mit Tests, die die WHO seit Beginn der Pandemie erreicht haben.

FAKTEN:

Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat am 20. Januar eine Informationsnotiz veröffentlicht, die sich an Nutzer von PCR-Tests richtet - also beispielsweise an Laborpersonal. In der Notiz wird unter anderem angemahnt, die Gebrauchsanweisungen von PCR-Tests sorgfältig zu lesen.

Darüber hinaus macht die WHO auf bekannte Eigenschaften der Tests aufmerksam. Es geht zum Beispiel darum, dass es umso mehr zu falsch-positiven Ergebnissen kommt, je weniger tatsächlich Infizierte es gibt - also bei Menschen ohne Infektion eine solche fälschlicherweise doch festgestellt wird.

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Falsch-positiv, falsch-negativ

Über die Qualität und Verlässlichkeit von Tests sagt das jedoch nichts aus: Hintergrund ist schlicht und einfach, dass dann mehr Menschen ohne Infektion getestet werden und es somit auch mehr falsch-positive Ergebnisse geben kann. Zugleich werden die falsch-negativen Ergebnisse weniger.

Eine Modellrechnung: 200 Personen, von denen 100 nicht infiziert sind, werden getestet. Hat ein PCR-Test eine Spezifität von 97 Prozent, werden von 100 negativen auch 97 als solche erkannt, drei erhalten aber ein falsch-positives Ergebnis. Sind hingegen von 200 Menschen alle negativ, sind es voraussichtlich sechs falsch-positive Ergebnisse - und keines ist richtig-positiv.

Empfohlene Schwellenwerte beachten

Zudem weist die WHO darauf hin, dass der Ct-Wert umgekehrt proportional zur Viruslast ist. Dieser Wert gibt die Zahl der Testzyklen an, die nötig sind, um Virus-RNA zu reproduzieren und damit zu erkennen. Die WHO rät zu sorgfältigen Interpretationen von schwachen Positivergebnissen auf eine Infektion, also von Tests, bei denen viele Zyklen nötig waren. Es müssen der Notiz zufolge die vom Hersteller empfohlenen Schwellenwerte beachtet werden. Im Zusammenhang mit schwachen Positivergebnissen rät die WHO dazu, auf Symptome bei Getesteten zu achten und einen neuen Test durchzuführen - nicht aber allgemein bei positiven Ergebnissen.

Hochverlässliches Instrument zur Diagnose

Auf Nachfrage der Deutschen Presse-Agentur teilte die WHO mit: "Wir möchten bekräftigen, dass wir ordnungsgemäß verwendete PCR-Tests für ein hochverlässliches Instrument zur Diagnose von Covid-19 halten". Gänzlich falsch ist also die Behauptung, die WHO halte ein positives Ergebnis nun nicht länger für einen Hinweis auf eine Infektion.

Hintergrund der Notiz sind der WHO zufolge zehn Berichte an die Organisation seit dem Jahresanfang 2020, in denen es um Probleme mit PCR-Tests ging. Dabei ging es sowohl um falsch-positive als auch falsch-negative Ergebnisse, wie eine Sprecherin auf dpa-Anfrage schrieb. Untersuchungen hätten ergeben, dass in den konkreten Fällen nicht die von den Herstellern angegebenen Ct-Schwellenwerte beachtet worden seien. Auf diese Vorgaben mache die Notiz aufmerksam, die in einer ersten Version bereits im Dezember 2020 veröffentlicht worden war.

PCR-Tests als "Hilfsmittel für die Diagnose"

Die Behauptung, die WHO halte PCR-Tests bei Personen ohne Symptome für nutzlos, lässt sich aus der Notiz ebenfalls nicht ableiten - ebensowenig wie Aussagen über eine angeblich umfassende Kehrtwende in der Beurteilung der Tests oder eine nun angeblich festgestellte Unzuverlässigkeit. Viel zitiert wird nun die Formulierung, dass PCR-Tests ein "Hilfsmittel für die Diagnose" ("aid for diagnosis") seien. Ganz ähnlich hat sich die WHO aber auch schon früher geäußert, etwa im März 2020 - und dabei auch auf weitere zu berücksichtigende Faktoren bei Labordiagnosen hingewiesen.

"Goldstandard für die Diagnostik".

In der neuen Informationsnotiz ist von weiteren bei der Diagnose zu berücksichtigenden Faktoren zudem ausdrücklich im Kontext von "Gesundheitsdiensten" ("health care providers") die Rede. Wie die einzelnen Staaten PCR-Tests wiederum zur Ermittlung von Fallzahlen einsetzen, schreibt die WHO nicht vor. In Deutschland ist dem Infektionsschutzgesetz gemäß das Robert Koch-Institut dafür zuständig, Maßnahmen zur Überwachung von übertragbaren Krankheiten festzulegen. Dieses bezeichnet die PCR-Methode dabei im Zusammenhang mit dem Coronavirus als "Goldstandard für die Diagnostik".

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