26.04.2020 - 17:03 Uhr
Cham in der OberpfalzOberpfalz

Antikriegsdrama entstand in der Oberpfalz: "Die Brücke" stand in Cham

Das Drama vollzieht sich am 27. April 1945. Junge deutsche Soldaten verteidigen eine Brücke und büßen ihr Leben ein. Diese Tragödie hat Regisseur Bernhard Wicki zu einem weltweit beachteten Film inspiriert. Der entstand in Cham.

Das Archivbild von 1959 zeigt eine Szene aus dem Spielfilm "Die Brücke" mit Volker Lechtenbrink (l) als Klaus Hager und Karl-Michael Balzer (r) als Karl Horber.
von Autor HOUProfil

Bernhard Wicki, vor fast genau 20 Jahren in München gestorben, hatte sich den Drehort sorgfältig ausgesucht. Er brauchte eine Brücke und einen szenisch dazu passenden Hintergrund. Im oberpfälzischen Cham gab es so etwas: Das nicht mehr existierende Biertor und unmittelbar davor den Fluss Regen, den eine Überführung querte. Dieser Anblick ging später über Kinoleinwände in allen Erdteilen.Es dauerte, bis der 1919 in St. Pölten geborene Bernhard Wicki seine Darsteller für das Meisterwerk gefunden hatte.

Von Wepper bis Pfitzmann

Heute liest sich die Auflistung wie ein Almanach deutscher Schauspielkunst: Fritz Wepper, Cordula Trantow, Folker Bohnet, Michael Hinz, Günter Pfitzmann, Vicco von Bühlow (später als "Loriot zum Begriff geworden) und Volker Lechtenbrink.

Bei allen Protagonisten gerieten die 76 Drehtage von Cham nie in Vergessenheit. Als 2005 im Buch- und Kunstverlag Oberpfalz das sich mit dem Kriegende befassende Buch "Sie kommen!" gedruckt wurde, gab es ein Gespräch mit Volker Lechtenbrink. Der damalige Intendant des Ernst-Deutsch-Theaters in Hamburg, 1959 zu Drehbeginn in Cham gerade einmal 15 Jahre alt, sagte: "Cham hat sich für immer einen festen Platz in meinem Herz gesichert. Ich erinnere mich an jede Gasse, an das Hotel, den Fluss, die Menschen und die Brücke."

Ein leuchtendes Zeichen

"Die Brücke": So nannte Bernhard Wicki seinen Film, in dem er ein bis heute leuchtendes Zeichen gegen den Wahnsinn von Kriegen setzte. Cham bot die Kulisse für eine deutsche Kleinstadt, auf die im April 1945 amerikanische Truppenverbände zurollten. Die Erwachsenen hatte man alle ins Feld geschickt. Zurück blieben 15- und 16-Jährige, denen man Wehrmachtsuniformen und Gewehre gab.

Das Originalplakat zu Bernhard Wickis Film "Die Brücke": Es zeigt den Schauspieler Michael Hinz und darunter die Überführung des Flusses Regen im oberpfälzischen Cham.

Auf der Brücke vor dem Biertor kommt es zum Treffen. Die Verteidiger, halbe Kinder noch, schießen einen US-Panzer in Brand. Kein Gedanke an Kapitulation, keine weiße Fahne. Ein Amerikaner sagt: "Go home. We are not in war with a kindergarten." Das Feuer wird trotzdem nicht eingestellt.

Die Amerikaner brechen den Widerstand mit furchtbaren Folgen: Chaos, Fiasko, Zerstörung, Tod. Nur einer von denen, die den Wehrmachtstahlhelm tragen, überlebt. Mit seiner Frau Agnes Fink, einer populären Schauspielerin, war Bernhard Wicki viele Jahre später zu Besuch in Cham. Dabei wurde deutlich: Die Brücke, auf der sich am 27. April 1945 eine Tragödie vollzog, stand irgendwo in Deutschland. Doch die Stadt im Bayerwald ist auch 75 Jahre später noch damit verbunden. Auch schon, weil Wicki dort folgenden Satz sagte: "So etwas darf sich nie wiederholen."

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