28.07.2021 - 11:55 Uhr
Burgtreswitz bei MoosbachOberpfalz

Architektouren 2021: Wie modernes Wohnen in einem Gebäude von 1902 möglich wird

Das Haus der Familie Meiller aus Burgtreswitz gehört zu den Preisträgern der "Architektouren 2021". Der Weg von den Umbauplänen bis hin zum Einzug war nicht einfach. "Doch wir würden es wieder machen", sagen Melanie und Georg Meiller.

Vier Generationen unter einem Dach: Familie Meiller auf der großzügigen Terrasse im komplett sanierten Mehrfamilienhaus in Burgtreswitz.
von Michaela Lowak Kontakt Profil

Den Wunsch nach etwas Eigenem hegen Melanie (35) und Georg (44) Meiller schon lange. "Was machen wir?", stellen sich die beiden die Frage. "Wir haben hin und her überlegt", blickt Georg Meiler zurück. "Haben uns ein Baugebiet in Vohenstrauß angeschaut." Aber so ganz glücklich sind sie mit dieser Vorstellung nicht. Eine Option wäre, in Georgs Elternhaus nach Burgtreswitz zu ziehen, in dem Mutter Monika (63) und Oma Mathilde (90) wohnen. Doch der Platz in dem alten Gebäude entspricht nicht den Vorstellungen des jungen Paars. Nur ein Umbau könnte Abhilfe schaffen.

"Anfangs haben wir gedacht, es reicht, wenn wir nur ein paar Wände rausreißen", blickt Melanie Meiller zurück. Die Meillers merkten jedoch schnell, dass sie alleine nicht weiterkommen und bitten daraufhin den Vohenstraußer Architekten Volker Schwab um Hilfe. Das war im April 2015. Das Konzept steht schnell, die ersten Pläne können im April 2015 eingereicht werden.

Problem Denkmalschutz

Doch da das Haus in unmittelbarer Nachbarschaft zum Burgtreswitzer Schloss steht, hat der Denkmalschutz ein Wörtchen mitzureden. Zuviel Holz vertrage sich nicht mit dem historischen Gebäude, hieß es zunächst. Also wird noch einmal umgeplant. "Die zweite Version haben wir am 15. Dezember 2015 eingereicht", erinnert sich Georg Meiller. Immer noch mit Holz, doch nun habe sich der Denkmalschutz darauf eingelassen. "Die Genehmigung kam dann im April 2016."

Das Anwesen der Meillers stammt aus dem Jahr 1902. Als 1930 das Gebäude abbrennt, baut Georgs Großvater das Haus wieder auf. Der Vater hat vor Jahrzehnten einiges saniert. 2015 wohnen Georg und Melanie Meiller noch in Vohenstrauß. Das Haus in Burgtreswitz teilen sich Oma Mathilde (90) und Mutter Monika (63). Die Großmutter lebt im Obergeschoss, die Mutter unten. Damit die beiden Frauen in der Umbauphase im Haus bleiben können, bedarf es einiges an Organisation.

Dach komplett entkernt

Zuerst kommt das Erdgeschoss an die Reihe. Monika Meiler zieht übergangsweise nach oben zur Oma. Um in Zukunft die beiden Frauen im Erdgeschoss unterbringen zu können, müssen einige Wände versetzt werden. Das Bad wird verlegt, Großmutter Mathilde bekommt ein eigenes kleines Apartment. Es entsteht ein zusätzliches WC. Da künftig im ganz Haus mit Holz geheizt werden soll, muss auch die Heizung umgebaut werden. Anfang Dezember 2016 können die beiden Frauen die neuen Räume beziehen.

Dann geht's ans Eingemachte. Das obere Stockwerk samt Dach wird bis Mai 2017 komplett entkernt. Nur noch die Außenmauern bleiben stehen. "Das war gar nicht so einfach", erinnert sich Georg Meiller. "Zum Glück hat das Wetter weitgehendst mitgespielt." Um auch vor Regen geschützt zu sein, müssen Schweißbahnen verlegt werden. Das Dach wird regelrecht aufgeschnitten und der Dachstuhl weggehoben.

Im nächsten Bauabschnitt ab Juni 2017 kommt die Holzbaufirma ins Spiel, die in das bestehende Grundgerüst ein Holzhaus hineinbaut. Auch bei der Wahl der Dachform gibt es zunächst mit dem Denkmalschutz Diskussionen. Vor dem Umbau hatte das Haus ein Walmdach, die Meilers wünschen sich jedoch ein Satteldach. Nachdem das Ehepaar im Archiv in Amberg recherchiert und herausfindet, dass das ursprüngliche Gebäude von 1902 ebenfalls ein Satteldach hatte, gibt auch der Denkmalschutz grünes Licht. Ende September 2017 ist das Haus im Haus fertig, alle Außenarbeiten sind beendet. Lediglich der Anbau der großen Terrasse erfolgt erst im Mai 2018.

Endlich einziehen!

"Zu diesem Zeitpunkt haben wir gedacht, dass wir das Schlimmste überstanden haben", erzählt Melanie Meiller. Doch der Innenausbau zieht sich. Als im Dezember 2018 der Boden verlegt wird, atmen die Meillers auf. Im März 2019 können sie endlich einziehen. Georg Meiller versucht soviel wie möglich selbst zu machen und kommt auf rund 3000 Stunden an Eigenleistung. Obwohl er als Disponent bei der Firma Gollwitzer nicht aus der Baubranche kommt, weiß er sich zu helfen. "Ich hatte auch Unterstützung von vielen Freunden", berichtet er. Während sich Mutter und Großmutter 60 Quadratmeter Wohnfläche teilen, verfügt die junge Familie über rund 170 Quadratmeter auf zwei Ebenen. Inzwischen haben Melanie und Georg Nachwuchs bekommen. Die Zwillinge Finn und Noah sind mittlerweile 7 Monate alt.

Wer vor dem Schloss in Burgtreswitz steht, entdeckt das sanierte Haus sofort. Ein richtiger Blickfang ist vor allem die große Terrasse aus Holz, die eine komplette Giebelseite einnimmt. Eine breite Metalltreppe führt von der Nordseite hinauf auf die Terrasse, über die auch der Eingang zur Familienwohnung zu erreichen ist. Mutter und Großmutter gelangen an der Südseite im Hof in ihre Wohnungen.

"Das war es uns wert"

Auch im Inneren dominiert der Werkstoff Holz. Über einen kleinen Flur mit begehbarer Garderobe kommt man ins Haus. Das Esszimmer, das sich an die Terrasse anschließt, geht in die Küche und das Wohnzimmer über. Die offenen Räume sind hell und freundlich mit großen Fenstern gestaltet. Ein kleines Büro, ein Gäste-WC und ein Abstellraum machen das erste Obergeschoss komplett.

Unterm Dach befindet sich das Elternschlafzimmer und die beiden Kinderzimmer. In den Dachschrägen links und rechts sind ein begehbarer Kleiderschrank und ein großzügiges Bad untergebracht. Der Clou sind die Oberlichter im Giebel, die für Helligkeit im Flur sowie im Bad und Kleiderschrank sorgen.

Vor sechs Jahren hätten sich Georg und Melanie Meiller nie vorstellen können, wohin die Reise führt, auch im Hinblick auf die Kosten. "Für das Geld hätten wir uns locker ein neues Einfamilienhaus leisten können", resümiert der Familienvater. "Wahrscheinlich wäre sogar ein Zweifamilienhaus dringewesen", schätzt er. "Doch das war es uns wert."

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Info:

Zahlen und Daten

  • Im April reicht Familie Meiller die ersten Pläne ein, die dem Denkmalschutz nicht zusagen
  • Die zweite Version im Dezember 2015 wird eine zweite Version nachgereicht
  • Die Genehmigung für den Umbau kommt im April 2016
  • Zunächst ist die Sanierung des Erdgeschoss an der Reihe
  • Dann wird das Obergeschoss entkernt, der Dachstuhl wird abgehoben
  • Eine Holzbaufirma baut ab Juni 2017 ein Holzhaus ins bestehende Gerüst hinein
  • Der Innenausbau kann ab Herbst 2017 erfolgen
  • Im März 2019 zieht die Familie Meiller ein.

 

 

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