09.07.2021 - 14:37 Uhr
BruckOberpfalz

Oberpfälzer Unternehmer schreibt über Wein, Kapital und Krieg

Unternehmer Ludwig Aumüller hat ein außergewöhnliches Buch geschrieben. Es handelt von einem der ältesten Kulturgüter der Menschheit und von dessen Beitrag zum europäischen Gedanken.

Die besten Geschichten aus den Weinkellern der Welt hat der Autor ausgegraben.
von Paul Zrenner Kontakt Profil
Das Cover des Buches von Ludwig Aumüller.

Ludwig Aumüller wurde zu Beginn der Corona-Zeit ausgebremst. Der bekannte Unternehmer aus Bruck in der Oberpfalz hatte quasi über Nacht "das erste Mal in meinem Leben so richtig viel Zeit", wie er sagt. Die nutzte Aumüller und schrieb über seine mehr als 30-jährige Erfahrung als Weinimporteur ein Buch: „Négociant“ – so der Titel (erschienen im Pustet-Verlag Regensburg, 29,90 €).

Négociant kommt aus dem Französischen, bedeutet Kaufmann, Händler, Handelshaus und ist vor allem für Weinhändler gebräuchlich. Tradition, Qualitätsbewusstsein und großes Fachwissen – all diese Eigenschaften stehen für den Négociant. Die Kanäle zum Wein sind ebenfalls traditionell, seriös, kommerziell, aber auch kriegerisch.

Die Geschichte zeigt, dass das Kapital „Wein“ durch Kriege beeinflusst, vernichtet, gerettet und immer wieder neu verteilt wurde. Der Zusammenhang dieser drei Faktoren steht im Zentrum des Buches. Der Autor nimmt den Leser mit auf eine Reise zu Weingütern in italienische, französische, österreichische und deutsche Weinbauregionen, die im direkten Einfluss von Kriegen standen. Historisch-politische sowie wirtschaftliche Hintergrundinformationen runden den Inhalt ab.

Geschichten aus erster Hand

Die spannenden Geschichten, die sich bei seinen Geschäftspartnern zugetragen haben, hat der Autor aus erster Hand erfahren: "Weinabende in Burgund, Bordeaux oder in der Champagne können lange sein und Wein ist bekanntlich ein probates Mittel zur Kommunikation", sagt Aumüller gegenüber Oberpfalz-Medien.

"Es dauerte nicht sehr lange, den Inhalt zu Papier zu bringen", erzählt der Autor. "Die Informationen habe ich in mehr als 30 Jahren Unternehmertum im Weinbusiness gesammelt." An Stoff hat es Ludwig Aumüller für sein Buch also nicht gefehlt. Eher sei es eine besondere Herausforderung gewesen, Allgemeinwissen über Wein, die wirtschaftlichen Zusammenhänge von Wein als Kapital und die persönlichen Erfahrungen für den Leser gut verständlich rüberzubringen.

Anekdoten als heitere Zugabe

Diesen Anspruch erfüllt die Lektüre: Sie wird zur unterhaltsamen und spannenden Reise durch die Geschichte und wirft interessante Schlaglichter auf eines der ältesten Kulturgüter der Menschheit. Ganz nebenbei liefert der Autor im lockeren Erzählstil Informationen zu den jeweiligen Weinregionen, über die dort angebauten Reben sowie über die klimatischen Bedingungen und die Bodenverhältnisse in den Anbaugebieten.

Als heitere Zugabe gibt's kleine Anekdoten. Dazu gehört auch eine Klarstellung, warum der Autor während seiner Zeit als Chef de Partie in der Küche von Eckhard Witzigmanns Restaurant "Aubergine" in München als "Schampus-Lucky" bekannt war.

Aumüller kommt in seinem Buch zur Erkenntnis, dass die Weinbranche mehr für den europäischen Gedanken geleistet hat, als die meisten vermuten würden. "Paris wäre 1944 sicherlich zerstört worden, hätten sich von Choltitz und Taittinger nicht so gut verstanden", so der Autor über das Verhältnis zwischen dem Militärgouverneur und dem Chef des Champagnerhauses, der zur Zeit der Besetzung der Deutschen Bürgermeister der französischen Hauptstadt gewesen war. „Wir müssen jetzt ein neues Europa bauen!“, erklärte Baron Philippe de Rothschild nach der Währungsreform den Export seiner Weine von Mouton Rothschild nach Deutschland – obwohl seine Frau erst fünf Jahre vorher im Konzentrationslager Ravensbrück ermordet wurde.

Kapital Wein für das Reich

"Die Weinbranche hielt in Kriegszeiten mehr zusammen, als schlichtweg angenommen", so das Fazit von Aumüller. Maßgebliche Protagonisten hätten aber auch Fehler gemacht: Die Nazis etwa hatten Weinimporteure zu sogenannten „Weinführern“ ernannt und damit beauftragt, Weine in den besetzten Gebieten zu beschlagnahmen. Das Kapital Wein sollte dem Reich zugeführt werden.

"Man machte allerdings Böcke zu Gärtnern!", so Aumüller über die Freundschaften, die sich im Laufe einer langen Zusammenarbeit zwischen Winzer und Importeur entwickelten. Daran habe sich bis in die Gegenwart nichts geändert, wie Aumüller an seinem eigenen Beispiel zeigt: "Ich habe sogar ein Patenkind in Italien."

Der Klimawandel wirkt sich auf den Weinanbau in Franken aus

München
Zur Person:

Ludwig Aumüller

  • Ludwig Aumüller (geboren 1966 in Nittenau) ist seit über 30 Jahren selbstständiger Unternehmer und unter anderem Inhaber von drei Weinhandelsgesellschaften (www.weinimport-aumueller.de) sowie Hotelier (www.reinerhof.de) und Wildbretverarbeiter (www.jaegerstandl.de).
  • Seine Liebe zum Wein entdeckte der gelernte Koch während des beruflichen Werdegangs in Frankreich und in Deutschland sowie bei seinem betriebswirtschaftlichen Studium in Heidelberg. Dort sammelte Aumüller erste Erfahrungen im aktiven Weinbau bei einem Nebenerwerbsweinbauern.
  • Aumüller besitzt mehrere weinspezifische Qualifikationen.

"Die Weinbranche hielt in Kriegszeiten mehr zusammen, als schlichtweg angenommen."

Autor Ludwig Aumüller

Autor Ludwig Aumüller

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