17.03.2020 - 17:32 Uhr
BrandOberpfalz

Mit lockeren Lippen blubbern wie ein Pferd

Die Teilnehmer des gut besuchten Didgeridoo-Kurs mit Philipp Gerisch haben Glücks- und Erfolgsgefühle. Anfänger und Fortgeschrittene gleichermaßen. Eine ausgefeilte Atemtechnik ist vonnöten.

Eine große Auswahl an selbstgebauten Didgeridoos hatte Michael Heinl (rechts) zum Workshop in Brand mitgebracht. Mit Philipp Gerisch (Zweiter von rechts) hatte er einen versierten Spieler und überzeugenden Referenten nach Brand geholt.
von Bertram NoldProfil

In Australien nehmen sich Termiten einen Eukalyptusstrauch vor und höhlen ihn aus. Die Aborigines schneiden den Stamm ab, bearbeiten ihn ein bisschen und setzen ihn am Mund an, um mit einer ausgefeilten Blas- und Atemtechnik Effekte zu erzeugen, die etwas zu tun haben mit ihnen selbst, ihrer Gefühlswelt, ihren Lebensgewohnheiten und auch ihrem Brauchtum. Michael Heindl aus Mehlmeisel züchtet keine Termitenvölker, um sie an Hölzern arbeiten zu lassen mit dem Ziel, einen ausgehöhlten Stamm zu erhalten. Er macht das selbst, nimmt Säge, Raspel, Schleifpapier und viele andere passende Werkzeuge, um aus heimischen Hölzern Didgeridoos zu bauen. Das Ergebnis ist das gleiche wie bei dem Urvolk in Australien. Mit dem der Natur entnommenen Instrument ist der Spieler zurück am Ursprung der Musik; mit Holz und dem, was sich dem Menschen ohne weitere Hilfe an Möglichkeiten bietet, wird Musik erzeugt, die weit mehr ist als aneinandergereihte Töne. Es entsteht ein Spiegelbild der menschlichen Empfindungen. Doch das verlangt Können und Fleiß und davor haben die Götter nun einmal den Schweiß gesetzt. Der Kreis um Michael Heindl möchte gerne, dass sich viele Menschen mit Hilfe des in der Natur gewachsenen Instruments ausdrücken können und haben einen Workshop organisiert, der im Pfarrheim in Brand stattfand. Referent und Kursleiter war Philipp Gerisch aus Fürth, der das Instrument virtuos beherrscht, bereits mehrere CDs eingespielt hat und auch die Gabe hat, sein Können verständlich und nachvollziehbar weiterzugeben. Immerhin acht Teilnehmer hatten sich für den Anfänger-Workshop angemeldet, - der Fortgeschrittenen-Kurs mit sechs Teilnehmern war vorher abgelaufen - plagten sich zweieinhalb Stunden nach Philipp Gerischs Anweisungen herum und gingen in dem Bewusstsein nach Hause, die Theorie verstanden zu haben mit der damit verbundenen Selbstverpflichtung, das Gelernte in häuslicher Übung zu festigen und zu erweitern. So einfach ist die Sache aber nicht! „Lippen locker! Völlig entspannt und blubbern wie ein Pferd!“ Das ist schon ohne Instrument nicht so einfach, wenn dann noch die Veränderung des Mundraum-Volumens eingebaut werden soll und Laute wie „t“ und „p“ oder gar die Verbindung daraus mit „ta-ka“ die Rhythmisierung des entstehenden Tones bringen soll, hat der Anfänger seine Probleme. Man muss es üben und nach zahllosen Versuchen klappt es: "Der Grundton ist da! Er ist immer da!" Rund und voll steht er im Raum und hüllt Spieler und Zuhörer ein. Der Ansatz muss passen, die Spannung muss stimmen, wenn es was werden soll; und schon löst der sonor, füllig und den Spieler einhüllende Grundton ein sehr motivierendes Ergebnis aus: „Es klappt! Wir wollen mehr!“ Es bleibt aber auch weiterhin nicht so einfach! Das „t“ bringt man noch unter, aber wo ist Luft für das im Rachen weiter hinten sitzende „k“, wenn das nasale „wa–u–wa“ schon einen Großteil davon verbraucht? Das Spielen des Didgerdidoos ist das Eine, die Atemtechnik das Andere! Die ist aber ein sehr wichtiger Teil des Spiels und eine Kunst für sich. Der erfahrene Didgeridoo-Spieler und Referent nennt dieses richtige Schnaufen „Zirkulationsatmung“, macht es in allen Tempi „trocken“ und mit Instrument zum Staunen aller Beobachter vor. Während sich die Lungen füllen, strömt auch Luft durch den Mund aus und erzeugt die Töne. Ein Bild hilft da weiter: „Das ist wie beim Dudelsack! Man muss den Balg immer gefüllt halten und drücken, um Luft durch die Pfeifen strömen zu lassen!“ Ein Satz, der es in sich hat, der logisch ist und der motiviert!“ Man muss es halt üben, üben und nochmal üben!“

Geschafft! Nach zweieinhalb Stunden mehr oder weniger erfolgreichen Probierens freut man sich auf eine Pause. Die wurde genutzt, um sich auf ein abendliches Konzert mit Philipp Gerisch vorzubereiten, das eine große Zahl an Besuchern aus nah und fern anlockte. Im Pfarrheim blieb kein Platz frei!

Didgeridoo-Kurs:

Es muss nicht Eukalyptus sein!

Der Klang eines Didgeridoos hängt nicht vom Holz ab, wie Philipp Gerisch erklärte. Und es muss sicher keines aus einem termiten-zerfressenen Eukalyptus-Stamm aus Australien sein. Die „Heindl-Didges“ sind mindestens genauso und auch Plastik tut es! Ein HD-Rohr funktioniert genauso, wenn man ein aus Holz gedrechseltes Mundstück draufsteckt. Philipp Gerisch führte es vor. Und noch einen Tipp gab er den Teilnehmern. Ein aus Wachs geformtes Mundstück lässt sich – kurz mit einem Fön angeblasen – optimal verändern und dem Mund anpassen. Denn zwischen Lippen und Mundstück muss es absolut dicht sein! Nichts, aber schon gar nichts ersetzt ein im Wald gewachsenes, passendes Stück Holz, um daraus ein Instrument zu bauen! Musik zurück an ihrem Ursprung!

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