04.11.2019 - 13:27 Uhr
BrandOberpfalz

Kurzweiliges Orgelkonzert

Ein sehr reizvolles, vielfältiges und auch spannendes Orgelkonzert präsentierten Michael Pfeiffer und Corinna Lüers in Brand.

Corinna Lüers und Michael Pfeiffer spielten auf der Weimbs-Orgel in der Brander Pfarrkirche Werke von Johann Sebastian Bach, Felix Mendelssohn, Franz Schubert, Max Reger und Louis J.A. Lefébure-Wely.
von Bertram NoldProfil

Es ist die Stimmung, die ihren Teil beiträgt zum Gelingen eines Konzerts, das Bertram Nold für den Kulturellen Förderkreis (KFK) am Ende als "abwechslungsreich, vielfältig und auch spannend" bezeichnete: ein nichtbeleuchtetes Kirchenschiff, das das angestrahlte Kreuz umso mehr in den Mittelpunt rückte. Corinna Lüers und Michael Pfeiffer, beide Organisten im Münchener Raum, gastierten in Brand und hatten für das einstündige Konzert ein reizvolles Programm zusammengestellt.

Zehn Stunden waren nötig, um sich in den drei Tagen ihrer Anwesenheit in Brand mit der Orgel vertraut zu machen und eine Fülle von Registereinstellungen zu speichern. Es begann mit einer Fantasie von Johann Sebastian Bach, nachdem Bertram Nold die rund 60 Besucher mit dem Komponisten vertraut gemacht hatte, den man aufgrund seines großen Schaffens für die Kirchenmusik - unter anderem 224 Kantaten und 4 Passionen - auch den "fünften Evangelisten" nennt.

Lockerer Einstieg

Sehr wohlüberlegt hatte sich Michael Pfeiffer die Registrierung für ein barockes Stück auf einer romantisch ausgerichteten Orgel, der die typischen Register dafür eigentlich fehlen. Der lockere und sehr bewegliche Einstieg lieferte jedoch den Beweis dafür, dass es die Mischung macht.

Eindruck machte der plötzliche Bass-Einstieg, der die nötige Schwere laut Satzangabe brachte und in dem auch der 16-füßige Fagott seinen ersten Auftritt bekam; schnarrend und bestimmend. Der wunderbare Auftakt des Programms war gelungen und machte neugierig auf mehr.

Gerne hätte man stellenweise mitgesungen bei einer Bearbeitung von Felix Mendelssohns Lied "O könnt ich fliegen", sehr gefällig dargeboten in hellen, klaren Registern, doch auch die Botschaft des Liedes beachtend, die eher melancholisch geartet ist und als Hinweis auf Mendelssohn und das kurze Leben seiner Schwester Fanny interpretiert werden durfte, zu der er ein ganz enges Verhältnis hatte. Beide starben sehr früh innerhalb eines halben Jahres.

Nun mussten die Künstler eng zusammenrücken. Eine vierhändige Fuge in e-moll von Franz Schubert stand an. Bereits mit Mendelssohn in der Frühromantik angekommen, kam nun der Dynamik mehr Gewicht zu, der die Orgel mächtig entgegenkommt. Die Schweller unterstützten das und kamen häufig, doch noch etwas zurückhaltend, zum Einsatz. Trotz 20 einsetzbarer Finger und 4 Füßen, die phasenweise große, breite und voluminöse Klänge erzeugen, gab es einstimmige, eher leise Stellen, die einmal mehr den Romantiker ausmachen. Da hatte der 16-Fuß-Fagott, der wie eine den Zeigerfinger hebende Männerstimme anmutete, das "letzte Wort", glaubwürdig und überzeugend.

Doch es kam noch dicker und vor allem dichter. Erzromantiker Max Reger kostete alle Möglichkeiten der musikalischen Gestaltung aus und forderte den Organisten bis an seine Grenzen. Nicht eines der drei von Bertram Nold beschriebenen Erscheinungsbilder des Brander Komponisten spiegelten sich im Verlauf der beiden Stücke wider; alle waren sie da und viele fehlten noch. Es ist eine andere Welt, wenn die Musik derart verdichtet wird, wenn sie chromatisch eng durchsetzt ist und deshalb auch dramatischer wird. Diese unausgeglichene Persönlichkeit in all ihrer Widersprüchlichkeit, ihrer unüberschaubaren Zahl an Persönlichkeitsbildern, war in jedem Stück präsent.

Da folgte auf das bedrohliche, dissonante Fortissimo der "Absturz" in ein zartes Pianissimo, möglich durch Generalschweller und Walze, und umgekehrt; da wurde es plötzlich versöhnlich, wo es gerade noch unüberbrückbare Hürden zu geben schien. Ein Spiegelbild der Persönlichkeit Regers entwickelte Michael Pfeiffer in diesen beiden Stücken aus Opus 59 und 129; und die Betätigung der beiden Schweller als eines der Mittel dazu, machte ihm hörbar Freude. Da hatte das Publikum Erholung verdient, und der Organist bot sie.

Positives Echo

Louis J.A. Lefébure-Welys Musik ist eingängig, enthält immer wieder Elemente aus der Unterhaltungs- und sogar aus der Salonmusik. Sein beim Bürgertum von Paris beliebter und bei den Reformern der Kirchenmusik vielfach gescholtener mondäner Stil ist für den Musikfreund heute sehr angenehm und motiviert ihn zum genauen Zuhören und Entdecken bekannter Elemente: Schlüsse, mit denen auch heute noch Lieder enden, finden Verwendung, Sprünge von Dur- in ihre parallelen Moll-Tonarten sind die einfachsten Teile. Als Hommage an den Komponisten zu dessen 150. Todestag wollte Michael Pfeiffer diesen Beitrag verstehen.

Eine Stunde Musik verschiedener Stilrichtungen stieß auf überaus positives Echo, und am Ende durften die Zuhörer mitsingen bei "Lobe den Herren", nachdem sie Pfeiffer musikalisch über eine kurze Improvisation zu einem engagierten und kräftigen Einsatz geführt hatte.

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