28.10.2020 - 11:24 Uhr
BrandOberpfalz

Heimat auf der Tagesordnung

Hoffnungsvolle Töne erklingen in der Jahreshauptversammlung des Fichtelgebirgsvereins Brand. Die Wiederbelebung der Familien- und Jugendarbeit steht im Mittelpunkt. Das Wandern erlebt einen erstaunlichen Aufschwung.

Wenig Änderung brachte die Neuwahl beim FGV: (von links) Schriftführer Holger Praller, Kassier Peter Philipp, Naturschutzwart Gerald Hoch, Obmann Stefan Jungnickl, stellvertretende Vorsitzende Daniela Müller, Beisitzerin Karin Hain, Beisitzer Markus Sticht
von Bertram NoldProfil

FGV eröffnet Wege durch die Natur

Brand

Aktionen im vergangenen Jahr? Der äußere Eindruck durch die Corona-bedingte Reduzierung der Teilnehmerzahl war nicht unbedingt positiv. Die Berichte zeichneten ein anderes Bild von der Arbeit des Heimatvereins. Neuwahlen standen auf der Tagesordnung. Sie bestätigten im Wesentlichen den Vorstand: Obmann ist weiter Stefan Jungnickl, Vertreterin Daniela Müller. Sie löst Günther Kuhbandner ab. Ums Schriftwesen kümmert sich Holger Praller, die Kasse wird weiter von Peter Philipp geführt. Seine Arbeit hatte Ludwig König unter die Lupe genommen und dem Kassier dafür Lob und Dank ausgesprochen.

Vroni Brunner hat sich 2019 für die Wiederbelebung der Familien- und Jugendarbeit erfolgreich engagiert, berichtete Obmann Stefan Jungnickl. Es wurden neue Aktionen angeboten wie Schatzsuche, Schwammern mit Pilzexperten, Basteln bei der Pflanzentauschbörse und Kürbisschnitzen. Höhepunkt war wieder das Schaffest bei optimalem Wetter. Perfekte Organisation mit ebensolchem Catering hatten zufriedene Aussteller und Besucher zur Folge. Der Kasse und auch dem Zusammenhalt im Verein hat der Erfolg gutgetan. Eine Jahreshauptversammlung sei Gelegenheit zu danken, sagte der Obmann abschließend; der Gemeinde und der Brander Geschäftswelt. Vor allem dem Obst- und Gartenbauverein für eine Spende von 500 Euro für die Geburtenobstwiese. Corona habe das Jahr 2020 anders ablaufen lassen, auch Besuche bei Geburtstagen fanden nicht statt.

Corona hat aber dem Wandern eine Renaissance beschert. Wer sich für ein Wander-Erlebnis in freier Natur entschieden hatte, war in den Wäldern und Fluren um Brand bestens bedient. Dies ist auch einem äußerst engagierten und fleißigen Markierungswart zu verdanken. Markus Newald hat wieder alle sieben Wege kontrolliert: drei Zuwege, drei Wanderwege und einen Durchgangsweg. Zusammen mit seiner Frau Stefanie, der er herzlich dankte, hat er 135 Kilometer zurückgelegt und für Mäharbeiten, Kontrolle, Erneuerung der Pfosten und Markierungen weit über 32 Stunden gebraucht. 18 Nistkästen wurden rund um Brand angebracht, der größte Teil in der Ergotherapie im BKH Bayreuth zum Selbstkostenpreis angefertigt. Die Sitzbankgruppen am Michael-Geier-Brunnen und die Sitzbank an der Geburtenwiese wurden erneuert; beides aus Granit, Lärchenholz und Edelstahl gefertigt. Das Geländer am „Zinnerbrunnen“ wurde neu befestigt. Andreas Brunner, Karsten Rohleder und Stefan Jungnickl haben den Markierungswart tatkräftig unterstützt. Die Forst AG Ebnath spendete 100 Euro für Nistkästen, Auto Brucker übernahm die gesamten Materialkosten in Höhe von 1200 Euro für die Bank am Michael-Geier-Brunnen. Da konnte der Bericht von Markus Newald nur mit einem großen Dank enden. Im kommenden Jahr werden Nistkästen und Ansitzstangen gebaut, neue Markierungswegweiser für die Wanderwege 6 und 7 sind nötig. Über solche Aktivitäten kann sich ein Bürgermeister nur freuen. Bernhard Schindler sprach die Versorgung der Gäste bei der Vorführung des Fichtelgebirgskrimis an und lobte die die Arbeit im Bereich Naturschutz, wo fleißig am „Projekt Erfahrungspfad“ geplant wird. Er wünschte der neuen Vorstandschaft eine glückliche Hand und bat, das Vereinsleben in schwierigen Zeiten nicht untergehen zu lassen. Es wäre schade, wenn das langjährig Aufgebaute durch Corona wieder geschwächt würde.

Zwei interessante Punkte bildeten den Abschluss der Versammlung. Das Basshaus, das Zuhause des FGV, soll weiter saniert werden. Da auf der Wiese hinter dem Haus immer wieder Feste abgehalten werden, soll um das Haus herum ein Rundumweg als Zufahrt für Lieferfahrzeuge geschaffen werden. Deshalb muss das Dach an der Ostseite etwas gekürzt werden, weil es für höher aufgebaute Fahrzeuge schon immer ein Hindernis war. Die Nordseite der Scheune soll neu verschlagen werden, und das Gebäude selbst braucht eine neue Dacheindeckung. Graues Trapezblech ist geplant und würde auch im Rahmen des Städtebau-Projektes bezuschusst. Bürgermeister Bernhard Schindler zeigte sich von dieser Lösung nicht begeistert und plädierte für Stehfalz, zumindest auf der Straßenseite. Das wäre erheblich teurer und könnte auch kaum in Eigenleistung erstellt werden. Das Ergebnis des Gesprächs blieb offen. Architektin Judith Kinzl hatte in ihrem Beratungsblatt auch einen Vorschlag für die Fassade erstellt. Für all das ist Eigenleistung gefordert, wenn es im kommenden Jahr angepackt wird.

Eine deutliche Aufwertung würde Brand durch die Schaffung eines Erfahrungspfades auf dem vorhandenen Wegenetz erhalten. Schon vor zwei Jahren stellte Naturschutzwart Gerald Hoch das Projekt im Gemeinderat vor. Dort war es auf sehr positive Resonanz gestoßen.

Das Basshaus, Vereinsheim des FGV, soll weiter saniert werden; neue Bretter an der Nordseite, Kürzung des Daches und ein Rundumweg
So könnte nach einem Vorschlag der Architektin Judith Kinzl die Fassade des Basshauses einmal aussehen.
Angemerkt:

Das neue Brand

Die Pandemie beschert der Welt ein stark reduziertes Leben. Versammlungen von Vereinen entfallen oder wirken durch Beschränkung der Teilnehmerzahlen und das Einhalten der Abstände eher kläglich. Viele Mitglieder haben Angst und bleiben daheim. Da ist der Fichtelgebirgsverein (FGV) in Brand keine Ausnahme, wenn er als Verein mit 350 Mitgliedern seine Jahreshauptversammlung im Mehrzwecksaal abhält, wo sich auch nur wenige Teilnehmer einfinden und nach Eintrag in die Anwesenheitsliste ihre Plätze einnehmen dürfen.

Der Schein trügt! Blickt man etwas tiefer, wie es die Berichte erlauben, entsteht ein Bild von einem Verein, der seine Aktivitäten keineswegs zurückgeschraubt hat und der trotz der Krise in der Führungsgruppe Perspektiven entwickelt, die Bürgermeister Bernhard Schindler überaus freuen müssen, weil sie genau seinen Vorstellungen entsprechen: das Leben nicht lahmlegen, dranbleiben, damit das Vereinsleben in Brand nicht abstirbt, was der Gemeinschaft erheblichen Schaden zufügen würde.

Der Blick in die Zukunft des Vereins ist zugleich ein Blick in die Zukunft der Gemeinde, weil die Ideen und Vorhaben eine wunderbare Ergänzung zum laufenden Städtebau-Projekt darstellen, dessen „schwebendes Schlachthaus“ zum Symbol geworden ist; Leuchtturm-Projekt wurde es bei den Planungen zur verschobenen Sommerlounge immer genannt. Von hier aus soll sich das „neue Brand“ entwickeln. Der FGV hat die Botschaft gehört, „nimmt den Ball“ an und kümmert sich um dieses „neue Brand“. Der „Erfahrungspfad“ in den Fluren rund um Brand kann eine ungeheure Aufwertung bedeuten, der die Gemeinde mit den Nachbargemeinden auf eine ganz besondere Art vernetzt, durch seine Gestaltung Geschichtsbewusstsein für die Heimat entwickelt, über ihre Besonderheiten und Vorzüge informiert und schließlich – ausschlaggebendes Ziel – die Menschen, die sich auf diesem Pfad bewegen, miteinander verbindet. Das sind nicht nur Einheimische; das können Wanderfreunde, Gruppen und Schulklassen sein. Da ist ein zentraler Punkt nötig, an dem die Fäden zusammenlaufen. Mit dem Basshaus hat der FGV einen solchen und auch dieser soll seine Aufwertung erfahren: schöner und freundlicher soll das Basshaus werden und sich harmonisch ins Ortsbild einfügen. All das kostet Geld und bedarf der Mithilfe Freiwilliger. Dazu haben sowohl der wiedergewählte Obmann, Stefan Jungnickl, als auch ein engagierter Naturschutzwart, Gerald Hoch, aufgerufen. Beide verfolgen damit ganz genau die Absicht des Städtebau-Projekts, das nicht nur bauliche Veränderungen, sondern auch die Belebung der Gemeinschaft zum Ziel hat.

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