21.09.2020 - 10:09 Uhr
BrandOberpfalz

Fußwallfahrt trotz, wegen und gegen Corona

25 Teilnehmer aus Brand erleben bei optimalem Wanderwetter eine besondere Wallfahrt nach Marienweiher.

Die Brander Fußwallfahrer beim Abmarsch nach dem Mittagessen in Streitau. Johannes Preis (rechts) wäre heuer für 35-malige Teilnahme geehrt worden. Mangels Urkunde muss die Ehrung auf die 40. Wallfahrt im kommenden Jahr verschoben werden.
von Bertram NoldProfil

Was ist anders, wenn eine Fußwallfahrt mit 39-jähriger Tradition in eine so schwierige Zeit wie die Coronakrise fällt, die bei so vielen Veranstaltungen „mitredet“ oder sie sogar platzen lässt? An letztere Lösung dachten die Verantwortlichen in Brand nicht, als die Fußwallfahrt nach Marienweiher geplant wurde. Eine derart lange Tradition sollte nicht unterbrochen werden. Auch um die Teilnehmer, die mittlerweile einen kleinen, aber festen Stamm bilden, nicht zu enttäuschen. Die Entscheidung war richtig: 25 Gläubige waren am Ende froh, dabei gewesen zu sein. Das Mehr an Vorarbeit und die Aufklärung nahmen die Organisatoren gerne in Kauf. Vor allem, um den Wallfahrern die Sicherheit zu geben, dass wirklich für alles gesorgt ist. Das betraf insbesondere den öfter wiederholten, eigentlich nicht notwendigen Hinweis auf Mindestabstand, auf das Laufen in Zweier-Reihen und auf das Tragen der Schutzmasken in besonderen Phasen.

Stand ursprünglich die obligatorische Messe am Ziel zur Disposition, wurde sie bei weiterer Planung doch möglich: mit einer beschränkten Besucherzahl auf markierten Plätzen wie in allen Kirchen. Die Zahl war leicht zu ermitteln, denn zum einen zählt die Erfahrung, zum anderen mussten sich diejenigen Personen, die mit dem Bus hin und nach Hause fahren wollten, im Pfarrbüro anmelden.

Mit dem Läuten der Glocke um 6 Uhr morgens und dem dafür vorgesehenen Gebet „Der Engel des Herrn“ ging es los. Rudi Ernstberger stand mit dem Bus der Feuerwehr Fuhrmannsreuth bereit, beladen mit Getränken und Bänken für die Brotzeit. Ein Begleitbus schafft Sicherheit für jene, die unterwegs aus irgendwelchen Gründen ein Stück gefahren werden müssen. Ganz wichtig auch, dass der Bus mit einem Feuerwehrler mit Signal-Lampe und -Weste an Bord für Sicherheit im Verkehr beim Überqueren von Straßen sorgt. Oder auch, wenn einmal ein längeres Stück, wie jener Kilometer vor Gefrees, auf der Straße gelaufen werden muss. Rudi Ernstberger und Wolfgang Moller bildeten ein perfekt aufeinander eingespieltes Team. Sie ernteten auch Lob von den Teilnehmern. Die Gruppe erhielt Verstärkung in Oberölbühl, wo Pater Joy die Teilnehmer mit dem Wallfahrer-Segen auf den 40 Kilometer langen Marsch schickte. Am Seehaus-Parkplatz wartete eine Gruppe mit 25 Teilnehmern, dann wurde von dort der Marsch in den Wald angetreten.

„Trotz, gegen und wegen Corona“ hieß es auf einem Plakat, und so war dieses Thema eines der Anliegen von Problemen, die die Welt derzeit aus den Fugen geraten lassen: Frieden, die Krise der Kirche, soziale Gerechtigkeit und natürlich auch die Achtung vor der Schöpfung. Entsprechende Texte wurden vorgetragen, dazu auch Fürbitten gebetet.

Wichtigstes Element bei Wallfahrten ist der Rosenkranz: Jenes Gebet, das durch seine häufigen, gleichförmigen Wiederholungen sehr meditativ ist, ablenkt von den Mühen einer solchen Wallfahrt und die Gebetsanliegen in den Mittelpunkt des Nachdenkens rückt. Nach einem Wallfahrer-Heftchen, das bei der Gründung der Wallfahrt durch den damaligen Pfarrer Richard Bauer geschaffen wurde, finden auch alte Texte Verwendung, die schon von der Sprache her mehr der Erinnerung an alte Traditionen dienen als dass man hinter ihnen tiefgründige Aussagen finden würde: „Jesus, verlass uns nicht, wenn das Aug` im Tode bricht.“

Auch 2019 waren die Brander unterwegs nach Marienweiher

Brand

Mit der Aufforderung „Wir kommen uns nicht zu nah“ wurde kurz vor Gefrees Brotzeit gemacht. „Mundschutz auf“ hieß es beim Passieren der Stadt. Fast eine Stunde dauerte es noch, bis das schon von weitem sichtbare Sportheim des TSV Streitau erreicht wurde. Dort hatten sich die Gastgeber bestens auf die Brander vorbereitet: Desinfektionsmittel stand bereit, Speisen und Getränke wurden durchs Fenster gereicht, und die Terrasse bot genügend Raum, um die Abstände einzuhalten.

Zum Aufbruch sangen die Pilger „Wer glaubt, ist nie allein“. Drei große und steile Berge warteten noch, dann sahen die Wallfahrer bald die Türme der Basilika - der wohl schönste Moment der Wallfahrt. In der in Renovierung befindlichen Kirche wurden die Brander von einem Pater begrüßt. Zur Messe waren Pater Joy und Pastoralreferent Maximilian Pravida nach Marienweiher gekommen.

Am Ende des Gottesdienstes dankte Ludwig König allen, die an der Planung und Durchführung der Wallfahrt beteiligt waren. War es der Renovierung oder war es auch dem Virus geschuldet: Für 35-malige Teilnahme wäre Johannes Preis geehrt worden. Doch Urkunden stehen im Moment nicht zur Verfügung. Die Übergabe ist für kommendes Jahr geplant, wenn sich die Brander zum 40. Mal zum zehnstündigen Fußmarsch nach Marienweiher aufmachen.

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