01.12.2019 - 11:55 Uhr
BrandOberpfalz

Digitalisierung ersetzt keine Erfahrung

Seit über 40 Jahren lädt die Brander Firma Schiettinger gegen Jahresende zur Jubilarfeier ein. Mitarbeiter mit 25- und 40-jähriger Zugehörigkeit feierten mit den Inhabern Andreas und Christof Bader.

Langjährige Mitarbeiter hatte die Firma Schiettinger in den Gasthof Wiesend in Kulmain eingeladen, um deren Jubiläen zu feiern. Das Bild zeigt sie zusammen mit den Firmeninhabern Andreas und Christof Bader (von rechts) und Betriebsratsvorsitzendem Alois Albersdörfer (links).
von Bertram NoldProfil

Andreas Bader war es im Gasthof Wiesend in Kulmain ein Anliegen, auch den Partnern der Beschäftigten zu danken, da diese doch hin und wieder Verständnis aufbringen müssten, wenn Beruf und Überstunden das Familienleben berührten. Die Ehrenurkunden, das Geldgeschenk sowie Blumen erhalten die Jubilare immer am Tag des Jubiläums oder kurz danach überreicht.

Der Firmenchef dankte für Einsatz und Leistungsbereitschaft während der langen Betriebszugehörigkeit. Derart erfahrene Mitarbeiter seien für ein Unternehmen erforderlich und wertvoll, und trotz zunehmender Digitalisierung durch nichts zu ersetzen. Die Erfahrung helfe, in Zeiten immer stärker werdenden Wettbewerbs am Markt zu bestehen und den guten Ruf bei den Kunden erfolgreich zu verteidigen. Nur mit bewährten Mitarbeitern sei es möglich, eine Firma erfolgreich durch die Zeit zu steuern und verhältnismäßig krisensicher am Markt zu positionieren. Alle hätten großen Anteil daran, dass Schiettinger als stabiles, modernes und leistungsfähiges Unternehmen in der Region und bei den Kunden einen guten Ruf habe.

Petra Geier ist seit 1991, unterbrochen nur durch Erziehungsurlaub, im Bereich der Kleberei tätig. Auch Oliver Pausch gehört seit 25 Jahren dazu, zuerst als Maschinenhelfer und dann im Stanzsatzbau, wo er heute noch ist. Michael Preiß ist seit 25 Jahren als Außendienstmitarbeiter tätig. 1991 ist Ulrike Wagner eingetreten. Nach einer Unterbrechung durch Erziehungsurlaub arbeitet sie seitdem wieder in der Kleberei. Vor 40 Jahren war Albert Ehlich zu Schiettinger gestoßen, wo er seit 1981 Maschinenführer ist. Ebenfalls vor vier Jahrzehnten hatte Bernd Joppich eine Ausbildung zum Betriebsschlosser begonnen und sich danach als Kesselwärter spezialisiert. Bernd Deyerling kam 1994 dazu, begann als Helfer, war dann im Stanzsatzbau tätig und wechselte vor 20 Jahren an eine Druckstanze als Maschinenführer.

Betriebsratsvorsitzender Alois Albersdörfer beglückwünschte die Jubilare und schloss sich Baders Meinung an, dass langjährige, erfahrene Mitarbeiter das größte Kapital einer Firma sind. In Zeiten des Facharbeitermangels seien 40 und 25 Jahre Treue beispielhaft.

Hintergrund:

2020 Stärken noch besser ausspielen

Firmenchef Andreas Bader schloss die Ehrung der Jubilare mit einem kurzen Bericht zur aktuellen Lage und einem Ausblick in das kommende Jahr. Im Großen und Ganzen gebe es keine Klagen, 2019 sei recht ordentlich verlaufen. Als Besonderheit erwähnte er die erstmalige, erfolgreiche BRC-Zertifizierung, die im Lebensmittelbereich sehr hilfreich sei. Diese bestätige höchste Qualitäts- und Hygieneanforderungen.

An der „Papierfront“ sei Ruhe eingetreten, weitere Preiserhöhungen wie 2017/18 seien nicht zu verzeichnen gewesen. Nach einem guten Verlauf des ersten Halbjahres zeichneten sich nun sich nun aufgrund der allgemeinen Konjunktureintrübungen teilweise richtige Preiskriege am Markt ab. „Ich muss mich schon wundern, wie manche Wettbewerber zu einer Preisgestaltung kommen, welche betriebswirtschaftlich auch dort nicht darstellbar sein kann“, meinte Bader.

Dies gehe teilweise mit schwer nachvollziehbaren Kundenforderungen zur Preisreduzierung einher, ohne dass die zum Papier gegenläufige Entwicklung mit Kostenerhöhungen in allen anderen Bereichen berücksichtigt werde. Dieser Erlösrückgang werde für die gesamte Wellpappenbranche 2020 voraussichtlich zu einer großen Herausforderung werden. Es werde nicht einfach sein, hier eine gute Balance zwischen „gerade noch ausreichend beschäftigt“ und auskömmlichen Erträgen zu erzielen.

Für Schiettinger bedeute dies, sich noch stärker auf Spezialitäten zu fokussieren und damit die Stärken des eigenen leistungsfähigen Maschinenparks auszuspielen. Er, Bader, sehe hier insgesamt mehr Chancen als Risiken. Wenn man sich auf die alten Stärken wie Zuverlässigkeit, Flexibilität und gute Qualität besinne, könne man zuversichtlich sein, die Herausforderungen erfolgreich zu meistern.

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