17.02.2021 - 10:28 Uhr
BrandOberpfalz

30 Jahre Mehrzwecksaal Brand

"Gute Stube von Brand" nannte der damalige Regierungspräsident Karl Krampol den Mehrzwecksaal bei der Einweihung. Heuer wird er 30 Jahre alt. Zum Geburtstag gibt es eine neue Heizung.

von Bertram NoldProfil

Die Erneuerung der Heizung im Mehrzwecksaal steht auf der Tagesordnung der heutigen Gemeinderatssitzung. Immer wieder gab es Verbesserungen, Schönheitsreparaturen und Maßnahmen, die der Sicherheit dienen. Nun ist die Heizung an der Reihe. 30 Jahre hat sie gehalten, sie ist damit ebenso alt wie der Mehrzwecksaal.

Als sich am 4.Mai 1991 Honoratioren an der ehemaligen Schule versammelten und sich auf dem Parkplatz Dienstwagen aufreihten, war eine schwierige Zeit mit Gesprächen, Verhandlungen und Planungen zu Ende gegangen und die zähe Arbeit von Bürgermeister und Gemeinderat erfuhr ihre Krönung. Nach mehrjähriger Bau- und Planungsphase sah dem alten Gemäuer niemand mehr an, dass es eine bewegte Geschichte hinter sich hatte.

Immer mehr Schüler

In Brand hatte bereits eine Schule bestanden: das heutige Max-Reger-Geburtshaus. Aufgrund wachsender Schülerzahlen war es zu klein geworden und die Gemeinde sah sich gezwungen, einen Neubau zu errichten. 1911/12 entstand der westliche Teil des Gebäudes mit zwei Lehrerwohnungen. Doch war auch dieses bald zu klein und ein behelfsmäßig ausgebauter Raum im Dachgeschoss konnte nur als Zwischenlösung dienen. Eine Erweiterung war unumgänglich. An der Ostseite wurde ein weiterer Trakt mit zwei Räumen angebaut, im Dachgeschoss stand damit ein weiterer Raum zur Verfügung und im Keller fand auch eine Schulküche noch Platz.

Doch nicht nur die Schulkinder sollten davon profitieren. Wannenbäder im Untergeschoss wurden sowohl vom Lehrpersonal als auch von der Bevölkerung genutzt. Samstags war nach Fertigstellung des Anbaus für die Brander Badetag, und weil am Samstag auch Unterricht stattfand, wurde schon gleich am Morgen in allen Klassen die Zahl der „Badegäste“ erfasst und später in einer großen Gemeinschaftsdusche geduscht - erst die Mädchen, dann die Jungen.

1954 war der Neubau fertig und die Schule erfuhr nicht zuletzt durch die Beförderung von Wilhelm Sommer zum Hauptlehrer im Jahre 1955 eine Aufwertung. In den Jahren danach war auch die landwirtschaftliche Berufsschule in dem Gebäude untergebracht. Nach ihrer Auflösung stand dann ein Turnraum zur Verfügung.

1969 wurde die Schule aufgelöst und die Volksschule Ebnath wurde gebildet. Der Turnraum hatte nun auch seine Funktion verloren und es war Platz für andere Zwecke. Von nun an konnte man im ehemaligen Turnraum Tischtennis trainieren.

Doch das Gebäude wurde auf Dauer zum Sorgenkind mitten im Dorf. Niemand wusste so recht, was mit der alten Schule geschehen soll. Die Wende kam 1986. Die Gemeinde beging ein Reger-Jahr zum 70. Todestag des Komponisten. Der damalige Regierungspräsident Karl Krampol war Gast bei einer Veranstaltung. Nach dem Konzert kam er mit Herbert Lehnert, damaliger Vorsitzender des Männergesangvereins, ins Gespräch. Mit der Äußerung, dass sich Brand als Geburtsort Max Regers eigentlich schämen müsse, keinen geeigneten Saal für solche Veranstaltungen zu haben, traf der Vorsitzende mitten ins Schwarze. Krampol stimmte zu und die Idee war geboren: Architekt Christian Drehobel erhielt den Planungsauftrag und fertigte in enger Absprache mit Regierungsbaudirektor Rudolf Deschermeier von der Regierung der Oberpfalz ab 1987 erste Skizzen und Entwürfe.

Finanzielle Hürden

Zunächst wurde der Wohnbereich umgebaut und schon im Frühjahr 1989 konnte mit dem Bau zweier Schulräume begonnen werden, die mit Beginn des Schuljahres im Herbst auch bezogen wurden. Der dritte Schulraum wurde im Herbst 1990 fertiggestellt, im Mai wurde bereits Richtfest gefeiert.

Von den ersten Entwürfen Deschermeiers war da nicht mehr viel übrig. Ursprünglich war die Bühne im ehemaligen Wohntrakt geplant, wurde dann aber doch in einem Anbau an der Ostseite untergebracht. Behindertengerecht sollte gebaut werden, weshalb ein Aufzug eingeplant wurde. Man hoffte, im Oktober 1990 den Mehrzwecksaal einweihen zu können. Doch daraus wurde nichts.

Nicht bauliche, sondern finanzielle Gründe beziehungsweise Hürden gab es zu überwinden: Die Mittel flossen nicht mehr wie erwartet. Kostenberechnungen in Höhe von 1,86 Millionen D-Mark hatte Christian Drehobel vorgelegt - und da sei er erst einmal ruhig geworden, erklärte Bürgermeister Karl Söllner bei der Einweihung. Doch dank der Unterstützung der Regierung konnte der Mehrzwecksaal fertiggestellt werden, auch wenn sich die Kosten bis zur Fertigstellung auf 2,5 Millionen D-Mark erhöht hatten, was der Bausubstanz geschuldet war, die schlechter war als angenommen.

"Da bin ich erst einmal ruhig geworden."

Karl Söllner, 1990 Bürgermeister von Brand, über die veranschlagte Summe zum Bau der Mehrzweckhalle

Waren die Brander im Herbst 1990 enttäuscht, dass im Saal keine Kirwa-Tanz stattfinden konnte und im Frühjahr darauf auch kein Faschingsball, war die Freude im Mai 1991 umso größer, als die „Gute Stube von Brand“, wie Regierungspräsident Karl Krampol den Mehrzwecksaal bei der Einweihung nannte, umso größer.

Eine erste Besichtigung des Saales ließ alle Probleme und Sorgen vergessen. 200 geladene Gäste waren zur Einweihung gekommen und die Brander feierten mit bunten Abenden, mit Konzerten und Theateraufführungen, wobei man sich besonders an den „Brander Kaspar und das ewig Leben“ unter der Regie von Tobias Reiß erinnert. Von diesem Stück aus, mit dem der Regisseur die Messlatte sehr hoch gelegt hatte, ging die überaus erfolgreiche Entwicklung der TGB, der Theatergruppe Brand, aus.

Auch am "Goldenen Hirschen" wird gearbeitet

Brand

Heute wird der Saal mit Bühne, Galerie und Flügel, um den viele umliegende Kommunen die Gemeinde Brand beneiden, vielfach genutzt. Die Gemeinde selbst und Brander Vereine halten hier ihre Veranstaltungen, Hochzeiten auch auswärtiger Paare finden hier statt und Firmen mieten den Saal für Betriebsfeiern, auch weil sich hinter dem Saal ein großer Hof befindet, der sich als Erweiterung des Festgeländes im Sommer in die Feierlichkeiten integrieren lässt.

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