03.12.2021 - 15:26 Uhr
Boxdorf bei ErbendorfOberpfalz

Wachtel-Eier - so winzig wie ein Männer-Daumennagel

Martin Faltenbacher hält auf seinem Bio-Hühnerhof seit ein paar Jahren auch Wachteln. Die kleinen Hühnervögel machen ihm viel Freude. Mit den Eiern der Wachteln gelingt der Kuchen ebenso gut - man braucht nur viel mehr davon.

Wie niedlich ist das denn? Winziger kann ein Küken kaum sein. Die kleine Wachtel hat eben erst das Licht der Welt erblickt.
von Ulla Britta BaumerProfil

Huschhusch. Ganz schnell geht das. Ein wenig Geflattere und sehr leises Getrappel, schon sind alle Wachteln im Stall von Martin Faltenbacher verschwunden. 60 an der Zahl hat der Biohühner-Bauer von Boxdorf.

Lachend erzählt der 40-jährige Landwirt, der Bioeier von glücklichen Hühnern im Nebenerwerb produziert, dass Wachteln Fluchttiere sind. Deshalb lege er ihnen in den Stall Gegenstände wie Äste oder kleine Verstecke, wo sie immer rasch verschwinden können, wenn sie sich nicht wohlfühlen sollten. Martin Faltenbacher ist eigentlich Eierspezialist. Er hat gut 250 Hennen, die ihm wunderschöne Bio-Eier legen. Vor gut sieben oder acht Jahren, erzählt Faltenbacher, habe er seine Liebe zu den Wachteln entdeckt.

Ursprung im asiatischen Raum

Die winzigen Hühnervögel gehörten, wie der Fachmann weiß, gar nicht in die Oberpfalz. Zu finden sind sie im asiatischen Raum wie Japan oder Thailand. Ihr zartes Fleisch und ihre leckeren, aromatischen Eier haben aber auch Europa begeistert. Deshalb gibt es immer wieder Züchter und Halter, die sich für die winzigen Hühnchen begeistern können. Faltenbacher hat mit sieben oder acht Stück begonnen. "Jetzt sind es 60", sagt er stolz.

Der Boxdorfer betreibt aber keine Wachtelzucht. Da die kleinen Tierchen nicht sehr alt werden und auch nur ein Jahr lang richtig fleißig Eier legen wollen, braucht er immer wieder Nachwuchs. Deshalb gehören in seine Herde auch drei stolze Gockel. Allerdings wird der Laie kaum im Stall einen Unterschied zwischen Männlein und Weiblein feststellen. "Man kennt sie kaum auseinander", sagt Faltenbacher, der natürlich den Kennerblick hat.

Ausgefallene Gourmet-Mahlzeit

Muss er auch, denn wenn die kleinen Küken zur Welt kommen, braucht er nur die Weibchen zum Eierlegen. Die Männchen kann er dann zum Essen verkaufen. Zwar ist an solch einer Wachtel, liegt sie erst einmal gerupft in der Bratpfanne, sehr wenig dran. Aber als Vorspeise oder als eine ausgefallene Gourmet-Mahlzeit kann sie Faltenbacher nur empfehlen.

Die lustigen, kleinen Eier - ungefähr so groß wie ein Männer-Daumennagel - packt Faltenbacher in Eierschachteln, extra für Wachteleier. Zwölf Stück passen rein. "Ein Wachtelei hat das Gewicht von einem Fünftel eines Hühnereis", erklärt der Biobauer. Das weiß er unter anderem auch, weil ihm einmal die Eier für den Kuchen nicht gereicht haben. Aber Wachteleier seien noch da gewesen. "Wir mussten halt dann pro normales Ei fünf Wachteleier abzählen."

"Suppen-Wachteln"

Mit der drei- oder vierjährigen Henne kann man küchentechnisch allerdings nicht mehr viel anfangen. Sie wird zur "Suppenwachtel" in Anlehnung ans legendäre "Suppenhuhn". "Wenn sie älter sind, koche ich sie halt immer vor dem Braten. Dann werden sie zarter", hat Faltenbacher einen Tipp, wie auch beim älteren Tier die Verwertung noch gut funktionieren kann.

Wachteln sind völlig problemlose Tierchen und können leicht gehalten werden. Man müsse nur aufpassen, dass sie nicht plötzlich verschwinden, sagt Faltenbacher. Denn Wachteln können im Gegensatz zu Hühner richtig fliegen. Eine Voliere muss es also schon sein als Außenkäfig im Freien. Oder zumindest ein offener Stall mit Gitterdrahtabdeckung.

Nur im Winter im Stall

Die niedlichen Wachteln von Boxdorf sind ein halbes Jahr über draußen im Freien. Nur in der kalten Winterzeit bleiben sie im Stall. Faltenbacher lässt sie nicht raus. Und natürlich müssen sie abends wie alle anderen Hühner auch ebenfalls im Stall übernachten. Fuchs und Marder sind in Boxdorf, das mitten im Steinwald liegt, stets in der Nähe und finden immer ein Loch, um sich ihre Opfer zu holen.

Auch zum Thema Füttern hat der Biobauer nur gute Nachrichten. Wer Wachteln halten möchte, braucht keine Sorge haben, dass ihm die Winzlinge "die Haare vom Kopf fressen". Obwohl sie aus Asien kommen, fressen sie leidenschaftlich gern das Gras aus der Oberpfalz, picken alles auf, was sie bekommen. "Auch Nudeln", erklärt Faltenbacher lachend. Ein bisschen Spezialfutter kriegen seine Wachteln natürlich auch. Das halte sich aber in Grenzen.

Wachteln verstecken sich gern

Wegen Schlafen und Wohnen darf sich ein Wachtelbesitzer gern an der "Lebensart" normaler Hühner orientieren. Der Stall wird mit Stroh oder Sägespäne ausgelegt. Wie bereits erwähnt mögen die Vögelchen Verstecke, fertig.

Immerhin legt eine Wachtelhenne ein bis zwei Eier täglich in ihrem besten Legealter. Unabhängig davon, dass es nette Tierchen sind, hat man also auch was davon. Und Wachteln brauchen zudem keinen Gockel, um Eier zu legen. Sie legen einfach immer welche, mit oder ohne männliche Begleitung.

Weihnachtsengel selbst gebastelt

Sulzbach-Rosenberg

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.