04.08.2021 - 18:33 Uhr
BayernOberpfalz

Tote und Verletzte nach Zugunglück in Tschechien - Hotline für Angehörige

Ein Alex-Zug, der aus München über Schwandorf nach Prag unterwegs war, und ein RegioShark-Zug sind bei Domazlice (Taus) im Südwesten Tschechiens nahe der bayerischen Grenze zusammengestoßen. Es gab Tote und Verletzte.

Am Mittwochmorgen sind in der Nähe des Dorfes Milavèe zwischen den Bahnhöfen Domalice und Blíejov in Tschechien zwei Züge zusammengestoßen.
von Agentur DPAProfil

Ein aus München kommender Expresszug ist in Tschechien mit einem entgegenkommenden Personenzug frontal zusammengestoßen. Drei Menschen seien bei dem Unglück im Südwesten des Landes ums Leben gekommen, teilte die Polizei am Mittwoch mit. Darunter seien die beiden Lokführer, beide tschechische Staatsangehörige, sowie eine Frau aus dem Regionaltriebwagen.

Zehn Menschen seien mit schweren bis lebensgefährlichen Verletzungen in tschechische Krankenhäuser gebracht worden, sagte eine Sprecherin des Rettungsdienstes. Mehr als 30 Personen erlitten leichtere Verletzungen wie Schürfwunden und Prellungen.

Auch aus Deutschland kam medizinische Hilfe. Vier Deutsche wurden zur weiteren Behandlung nach Bayern gebracht. Der tschechische Verkehrsminister Karel Havlicek eilte an die Unglücksstelle. "Die Situation ist ernst", sagte er im Fernsehen. Er lobte die Reaktion der Rettungskräfte, die schnell mit Dutzenden Helfern und vier Rettungshubschraubern vor Ort gewesen seien.

Führerstände der Lokomotive völlig zerstört

Bilder machten die Wucht des Aufpralls deutlich. Die Führerstände der Lokomotive und des Triebwagens wurden völlig zerstört und tief eingedrückt. Nach ersten Erkenntnissen habe der Expresszug München-Prag zunächst ein Langsamfahrt- und dann ein Haltesignal missachtet, erläuterte Havlicek. Er sei dann auf der eingleisigen Strecke mit dem entgegenkommenden Triebwagenzug kollidiert. Der sogenannte Regioshark war auf dem Weg von der Industriestadt Pilsen (Plzen) nach Domazlice an der deutschen Grenze.

Die tschechische Eisenbahninspektion hat Ermittlungen aufgenommen, die Monate in Anspruch nehmen dürften. Zu dem Zusammenstoß kam es bei dem Dorf Milavce zwischen den Stationen Blizejov und Domazlice. Viele der Fahrgäste standen unter Schock und mussten psychologisch betreut werden. Sie kamen vorübergehend in einem Gemeindehaus unter, bevor ihre Weiterreise organisiert werden konnte.

Auf tschechischen Eisenbahnstrecken kommt es immer wieder zu Unfällen. Die Sicherungstechnik gilt vielerorts als veraltet. Erst vor einem Jahr waren im Erzgebirge nahe der deutschen Grenze zwei Züge frontal zusammengestoßen. Dabei waren zwei Menschen gestorben, darunter ein Deutscher.

Schaden in Millionenhöhe

Die Regierung in Prag hatte daraufhin ein Modernisierungsprogramm für die Signaltechnik angekündigt. Das moderne europäische Zugsicherungssystem ETCS ist bisher erst auf rund 200 Kilometern des Streckennetzes installiert. Bis 2025 soll es zumindest auf allen Hauptkorridorstrecken vorhanden sein.

Der Sachschaden geht nach ersten Schätzungen in die Millionen. Die Strecke muss voraussichtlich längere Zeit gesperrt bleiben. Seit Jahren wird über einen Ausbau der Bahnverbindung zwischen München und Prag gesprochen. Derzeit beträgt die Fahrzeit zwischen den beiden Städten, die nur knapp 300 Kilometer Luftlinie voneinander entfernt sind, noch fast sechs Stunden.

„Die Situation ist ernst, ich bin auf dem Weg zum Unglücksort“, teilte der tschechische Verkehrsminister Karel Havlicek mit. Der Expresszug München-Prag, der über Schwandorf fährt, des privaten deutschen Anbieters Länderbahn (alex) habe nach ersten Erkenntnissen bei Domazlice (Taus) nahe der deutschen Grenze ein Haltesignal überfahren. Er sei dann mit dem Nahverkehrszug, einem sogenannten RegioShark, kollidiert. Letzterer verkehrt auf der Strecke Pilsen (Plzen)-Domazlice.

Sicherheitstechnik vielerorts veraltet

Die Länderbahn habe mehrere deutsche und tschechische Notfallmanager zur Unfallstelle entsandt. Weitere Infos zu dem Unglück teilte das Unternehmen zunächst nicht mit.

Auf tschechischen Eisenbahnstrecken kommt es immer wieder zu Unfällen. Die Sicherheitstechnik gilt vielerorts als veraltet. Die Regierung hat ein Modernisierungsprogramm auf den Weg gebracht. Erst vor einem Jahr waren im Erzgebirge nahe der deutschen Grenze zwei Züge frontal zusammengestoßen. Dabei waren zwei Menschen gestorben, darunter ein Deutscher.

Zur Unterstützung der tschechischen Behörden hat auch die Kriminalpolizeiinspektion in Weiden eine Hotline für Angehörige aus Deutschland geschaltet. Hier können laut Pressebericht Angehörige im Zusammenhang mit dem Unglück als vermisst gemeldet und Auskünfte angefordert werden.

Regensburger Rettungskräfte im Einsatz

Die Integrierte Leitstelle Regensburg wurde ebenfalls alarmiert. In einer Mitteilung des Bayerischen Roten Kreuzes heißt es, dass die ersten bayerischen Rettungskräfte bereits 25 Minuten nach dem Unglück um Unfallort eingetroffen seien. Unter ihnen auch der BRK-Einsatzleiter Tobias Muhr, der den Einsatz der bayerischen Kräfte am Einsatzort koordiniert. „Eine solche Einsatzlage ist zu Beginn immer unübersichtlich und chaotisch. Die Zusammenarbeit mit den tschechischen Kolleginnen und Kollegen ist bereits seit Jahren im Rahmen des grenzüberschreitenden Rettungsdienstes routiniert. Trotz der emotional sehr ergreifenden Dimension dieses Einsatzes, wirken die Helferinnen und Helfer der zwei Staaten reibungslos und sehr gut zusammen", wird dieser zitiert. Das Bayerische Rote Kreuz hat mit sechs Rettungswagen, vier Krankentransportwagen, zwei Notärzten und einer Schnelleinsatzgruppe Behandlung und der Sanitätseinsatzleitung unterstützt. Zudem haben die Helfer Behandlungsplätze für Verletzte errichtet.

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Oberpfalz
Info:

Hotline für Angehörige

Wegen des Zugunglücks in Tschechien hat die Länderbahn eine Hotline für Angehörige eingerichtet. Sie sei unter der Nummer 0341 9135 4040 zu erreichen, teilte das Unternehmen mit. Die polizeiliche Hotline für Angehörige ist ab sofort unter der Telefonnummer 0961/401-5500 erreichbar.

Tweet der Polizei, auf Tschechisch

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