16.07.2019 - 15:38 Uhr
Oberpfalz

Von der Bahntrasse zum Rad- und Wanderweg

Die ehemalige Bahnlinie zwischen Amberg und Schmidmühlen ist inzwischen ein beliebter Rad- und Wanderweg. Auf dem ersten Abschnitt bis Ensdorf begegnen den Wanderern und Radlern bedeutende Gebäude und schöne Landschaften.

Beim Bahnhof Drahthammer zweigte damals die Vilstalbahn ab. Heute ist das Gebäude in Privatbesitz.
von Externer BeitragProfil

75 Jahre, nachdem in Deutschland 1835 das Eisenbahnzeitalter begann, fuhr ausgehend von Amberg der erste Zug in das Vilstal Richtung Schmidmühlen. Züge sind hier schon lange nicht mehr unterwegs, aber die ehemalige Bahnlinie der Lokalbahn Amberg - Schmidmühlen wird noch immer gerne mit dem Fahrrad befahren oder bewandert.

Die Eröffnung der Teilstrecke Amberg - Ensdorf, erfolgte am 1. Mai 1910. Der Eröffnungszug, die Lok mit Girlanden und Blumen geschmückt, dahinter neun Wagen, startete um 11 Uhr in Amberg.

Die Zeitung schrieb: "Alle Stationen waren mit Ehrenpforten geschmückt, die Vereine mit Fahnenabordnungen vor Ort, die Jugend - Mädchen mit Blumen in den Haaren, Knaben mit Fähnchen in den Händen - schlossen sich an. Böllerschüsse begrüßten den Zug." Die Fahrzeit für diese Teilstrecke betrug 44 Minuten. Alle Züge waren nur mit der dritten Klasse, der sogenannten Holzklasse ausgestattet. Werktags verkehrten im ersten Jahrzehnt drei, an Sonntagen vier Zugpaare. Die gesamte Trassenlänge betrug 23,7 Kilometer und wurde am 12. Dezember komplett fertiggestellt.

Strecke wird festgelegt

Vor der Eröffnung gestaltete sich ein Wettbewerb, welche Trassenführung infrage komme. So gab es eine "Schwandorf - Schmidmühlen - Hohenburg"-Variante sowie den Amberger Anschluss. Die königliche Staatsregierung sprach sich nach Prüfung verschiedener Entscheidungskriterien mit Gesetz vom 10. August 1904 für die Linienführung Amberg - Schmidmühlen aus.

Von Vorteil waren die bevölkerten Landstriche im Vilstal sowie die vorhandenen landwirtschaftlichen Betriebe mit fünf Kunstmühlen, mehreren Mahlmühlen sowie kleineren Brauereien.

Industriell sind das Stanz- und Emaillwerk in Haselmühl, die Glasschleif- und Polierwerke, Ziegeleien, Kalköfen und Kalksteinbrüche sowie Ton- und Sandsteinbrüche an der Strecke erwähnenswert. Die Fortführung der Bahn weiter bis Hohenburg wurde jedoch nie realisiert.

Zugverkehr eingestellt

Wie bei vielen Nebenbahnen musste auch bei der Vilstalbahn der Zugverkehr aus wirtschaftlichen Gründen sowie der Konkurrenz durch Pkw, Busse und Lkw eingestellt werden. Den Personenverkehr traf dies bereits am 1. Juli 1966 und den Güterverkehr am 28. Mai 1988.

Über Jahrzehnte hinweg nutzen viele Generationen die Vilstalbahn als Transportmittel zur Arbeit, zur Schule oder zum Ausflug in die Naherholungsgebiete der Umgebung. Inzwischen ist es gelungen die Bahntrasse wieder zu aktivieren. Die Strecke wurde vom Landkreis Amberg-Sulzbach erworben und in den Jahren 1991/1992 zum Radwanderweg ausgebaut.

Eine Radtour mit vielen Sehenswürdigkeiten unterwegs beginnt am besten in Amberg und führt zunächst durch das ehemalige Gelände der Landesgartenschau von 1996. Nach Verlassen des östlichen Ausgangs erreicht man den früheren Bahnhof Drahthammer. Dieser wurde bereits 1903 gemeinsam mit der zweiten Amberger Lokalbahn Richtung Lauterhofen eröffnet. Hier zweigte dann die Vilstalbahn ab. Das efeubewachsene Bahnhofsgebäude ist nun in Privatbesitz und wird als Wohnhaus genutzt.

Die Bahnstrecke Amberg – Schmidmühlen auf einer Ansichtskarte.

Vilsabwärts radeln

Von dort aus beginnt der eigentliche Radweg, der Teil des Fünf-Flüsse-Radwegs ist. Er schlängelt sich wunderschön an der rechten Seite vilsabwärts. Nach rund acht Kilometern Fahrt auf dem mit Splitt befestigten Terrain geht es vorbei an der ehemaligen Haltestelle Haselmühl bei Kilometer vier und Lengenfeld bei Kilometer 5,7. Dann erreicht man den noch gut erhaltenen Bahnhof der Haltestelle Theuern. Dieser schmucke umgebaute Radlerbahnhof lädt zu einer Erfrischung oder zu einer Brotzeit ein. Die Hinweistafeln geben einen Einblick in die vergangenen Jahre der Lokalbahn.

Wer Zeit mitbringt, sollte nicht versäumen, das unweit gelegene Kultur-Schloss Theuern zu besichtigen. Beeindruckend wird die Erforschung, Dokumentation und Darstellung des Bergbaues und der Industrie im ostbayerischen Raumes gezeigt.

Ebenso finden regelmäßig Veranstaltungen, Tagungen und Konzerte in den attraktiven Räumen statt. Öffnungszeiten: dienstags bis samstags 9 bis 17 Uhr, sonn- und feiertags 10 bis 17 Uhr.

Nach Stärkung und Besuch des Museums geht es weiter flussabwärts, vorbei an der früheren Haltestellen Wolfsbach bei Kilometer 11,6. Hier gab es früher eine ansässige Brennerei. Vierteljährlich wurde den Erzählungen zufolge mit der Bahn ein Waggon Schnaps abtransportiert - und teilweise dessen Qualität überprüft, was wohl bei einigen zu Kopfschmerzen führte.

Der Kilometer 13,1 führt den Radler oder Wanderer an Leidersdorf vorbei. Der Ort ist im Volksmund auch als "Brettldorf" bekannt, da hier die umfangreichen Holztransporte aus dem nahen Hirschwald umgesetzt wurden.

Bevor die Gemeinde Ensdorf bei Kilometer 15 erreicht wird, ist die freigelegte Karstquelle Rammertsbrunn einen Abstieg wert. Sie lädt zu einer Erfrischung ein.

In der Nähe befindet sich die Steinbergwand, eine Dolomitfelsgruppe am Westhang fast 15 Meter über der Vils.

Der umgebaute Radlerbahnhof in Theuern lädt zu einer Erfrischung oder Brotzeit ein. Alte Hinweisschilder geben einen Einblick in vergangene Eisenbahn-Zeiten. Von hier aus ist es auch nicht mehr weit bis zum Kultur-Schloss Theuern.

Zwischenstation Ensdorf

In Ensdorf angekommen, erinnert nur noch eine Hinweistafel an das alte Bahnhofsgebäude, die angebracht wurde, nachdem der Bahnverkehr zum Erliegen kam.

In Ensdorf selbst lohnen sich ein Besuch der Jakobskirche und des Klosters in der Ortsmitte. Wolfgang Dientzenhofer hat die barocke Kirche erbaut, die Maler Cosmos Damian und Egid Quirin Asam gestalteten sie.

Das ehemalige Benediktinerkloster nutzen heute die Salesianer Don Boscos.

Regelmäßig finden religiöse, ökologische und musische Veranstaltungen in den Einrichtungen statt. Das Wahrzeichen von Ensdorf ist der Stephansturm, einer der ältesten freistehenden Kirchtürme in Bayern, erbaut um 1075.

Ansicht von Ensdorf auf einer Postkarte aus dem Jahr 1910, dem Eröffnungsjahr der Lokalbahn.
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