25.10.2021 - 11:35 Uhr
BärnauOberpfalz

Wolf an der Grenze bei Bärnau reißt mindestens vier Hirsche und Rehe

Das Video eines Landwirts in Voitenthan bei Wiesau, das einen Wolf zeigt, der um den Traktor des Mannes schleicht, sorgte vor einigen Wochen für Aufsehen. Jetzt gibt es neue Bilder und Videos von einem Wolf. Diesmal in der Nähe von Bärnau.

In den Morgenstunden des 25. Septembers war bei Bärnau ein Wolf unterwegs. Das Bild hat die Wildkamera des Jagdpächters Gerhard Beer aufgenommen.
von Armin Eger Kontakt Profil

Der Wolf hat sich zwar im Landkreis Tirschenreuth noch nicht fest angesiedelt, aber immer wieder werden die Beutegreifer gesichtet. Für Gerhard Beer aus Wendern bei Bärnau längst nicht mehr ungewöhnlich. Seit zwei Jahren wird der Jagdpächter in regelmäßigen Abständen immer wieder mit dem Wolf konfrontiert. "Er ist eine Woche da, dann wieder weg", sagt Beer.

Zuletzt von einer Wildkamera festgehalten wurde der Wolf am Samstag, 25. September, im Revier des Bärnauers. Ein Passant hatte in einer Wiese einen gerissenen Hirschen entdeckt. "Wir haben uns entschlossen, überprüfen zu lassen, ob es ein Wolf ist", erläutert Beer. Eine Hautprobe des Risses sei an das Bayerische Landesamt für Umwelt (LfU) geschickt worden. Die Genanalyse bestätigte: Es war ein Wolf, Herkunft Alpenpopulation. "Vermutlich aus Italien", nimmt der Jagdpächter an, der sein Revier im Bereich Ellenfeld und Hermannsreuth hat. Schon vor drei Jahren war in der Gegend einer der Beutegreifer unterwegs, damals wurde als Herkunft nordeuropäische Tieflandpopulation angegeben, erinnert sich Beer.

Wolf nimmt Fährte auf

Er hat Bilder und Videos aus seiner Wildkamera, die den Wolf am 25. September in seinem Revier zeigen. "Zuerst sieht man den Hirschen, eine Minute später, nimmt der Wolf die Fährte auf", beschreibt er die Videosequenzen. Das Tier hätte in der vergangenen Zeit öfters zugeschlagen und mehrere Tiere gerissen. Beer ist sicher, dass es immer wieder derselbe Wolf ist.

Wie kraftvoll der Beutegreifer ist, beschreibt der Jäger damit, dass der Wolf ein 60 bis 70 Kilo schweres Wild aus einem Maisfeld rausgezogen habe. Der Wolf sei auch nicht scheu. Nur 200 Meter von einem Bauernhof entfernt sei er aktiv geworden, weiß Beer. Die Stalltiere des Landwirtes hätten dies gemerkt und darauf reagiert.

Die letzten vier Wildtierrisse (ein Rothirsch, ein Damhirsch, zwei Rehe) im Zeitraum vom 25. bis 30 September hätten sich alle nur wenigen Hundert Meter zu Ortschaften oder Gehöften, wie Beierfeld und Wendern ereignet. Weitere Risse hätte es in den umliegenden Revieren gegeben, so Beer. "Man muss sich darüber im Klaren sein, dass auf jede gemeldete Beobachtung oder jeden gemeldeten Riss zehn weitere kommen, die nicht gemeldet werden. Das finde ich vollkommen falsch, weil es die reale Situation verzerrt." Der "günstige Erhaltungszustand" beim Wolf sei schon längst erreicht, nur nicht durch Meldungen dokumentiert.

Im Staatswald nichts bekannt

Die Forstbetriebe der bayerischen Staatsforsten, die im Raum Bärnau entlang der Grenze für den Staatswald verantwortlich sind, wissen nichts davon, dass ein Wolf dort unterwegs sei. Dies erklären Florian Fischer, stellvertretender Forstbetriebsleiter in Waldsassen und Forstbetriebsleiter Stefan Bösl in Flossenbürg. "Im Bereich Waidhaus und Eslarn ist der Wolf ständig unterwegs. Im Raum Bärnau ist uns nichts bekannt", sagt Bösl.

Das LfU bestätigt, dass am 25. und 26. September ein Rotwild und ein wildlebendes Damtier im östlichen Landkreis Tirschenreuth von einem Revierpächter tot aufgefunden wurden. Eine engere örtliche Eingrenzung gibt die Behörde nicht an, um damit eine Nachstellung zu vermeiden. Ein Mitglied des Netzwerks „große Beutegreifer“ habe die Tiere begutachtet und genetische Proben genommen. "Die Ergebnisse der Genanalysen belegen einen männlichen Wolf (in beiden Fällen das gleiche Individuum) mit der Abstammung aus der Alpenpopulation", schreibt das LfU auf Anfrage.

"Auf der Suche nach einem geeigneten Territorium können gerade junge Rüden sehr weite Strecken wandern und so jederzeit überall in Bayern auftauchen. Wanderungen von Wölfen aus der Alpenpopulation nach Norden sind selten, aber nicht ungewöhnlich", teilt das LfU weiter mit.

Schon am 26. Juni und 6. Juli führt das LfU auf seiner Seite Wolfsnachweise im Landkreis Tirschenreuth auf. Die Nachweise würden auf Wildtierkameraaufnahmen basieren, erklärt das Landesamt. "Ob es sich bei den beiden Fotos um das gleiche Individuum wie das durch den genetischen Nachweis identifizierte handelt, kann nicht ermittelt werden", so das LfU. Anhand von Fotos ließen sich Wolfsindividuen nur äußerst schwer unterscheiden. Dies gelinge nur bei Vorhandensein markanter Erkennungsmerkmale, wie zum Beispiel einem fehlenden Ohr oder einer unverwechselbaren Zeichnung.

Nicht standorttreu

Deshalb sei nicht klar, ob es sich um einen "standorttreuen Wolf" handelt. Ein Wolf gilt als standorttreu, wenn dieser über einen Zeitraum von mehr als sechs Monaten nachgewiesen wird oder eine Reproduktion belegt ist. Dies treffe für den Landkreis Tirschenreuth jedoch nicht zu.

Das Wolfsvideo eines Landwirts sorgte für viel Aufsehen

Friedenfels

„Zuerst sieht man den Hirschen, eine Minute später nimmt der Wolf die Fährte auf.“

Jagdpächter Gerhard Beer beschreibt, was das Video auf seiner Wildkamera zeigt

Wolf bei Friedenfels gesichtet: Traktorfahrer dreht Video

Hintergrund:

Was tun bei einer Wolfssichtung?

  • Wer glaubt, einen Wolf gesehen zu haben, kann sich ans Landesamt für Umwelt, ans Landratsamt oder die Polizei wenden.
  • Ein guter Ansprechpartner ist das Referat Landschaftspflege, Wildtiermanagement, beim Landesamt für Umwelt in Hof.
  • Die Fachleute nehmen hier täglich (auch am Wochenende) von 10 bis 16 Uhr Meldungen entgegen.
  • Kontakt per Telefon: 0 92 81 / 18 00-46 40 oder per E-Mail: fachstelle-gb[at]lfu.bayern[dot]de.

 

 

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