01.12.2020 - 13:06 Uhr
BärnauOberpfalz

Vulkan bei Bärnau: Geologen analysieren Bohrkerne

Die Forschungsbohrungen am vermuteten Vulkan beim Moorweiher bei Bärnau sind seit Mitte November beendet. 150 Meter ging es in die Tiefe. In den kommenden Monaten folgt eine detaillierte Bohrkernaufnahme.

Fünf Wochen lang bohrten Geologen bei Bärnau in das Zentrum des möglichen Vulkans beim Moorweiher (im Vordergrund). Die Bohrungen wurden links vom Gewässer am Waldrand Richtung Naab vorgenommen. Die Analyse der Sedimentproben wird mehrere Monate dauern. Dieses Bild entstand Ende Oktober.
von Lena Schulze Kontakt Profil

Geologen des Landesamt für Umwelt (LfU) sind südlich von Bärnau, unweit des Geschichtsparks, einem Vulkan auf der Spur. Forschungsbohrungen sollten genauere Erkenntnisse bringen. Von Mitte Oktober bis Mitte November bohrte ein dreiköpfiges Team der Bohrbaugesellschaft Anger aus Hessen unter Leitung des Geologen Johann Rohrmüller vom LfU in das Zentrum des Vulkans.

Bisher kein Vulkangestein

Die Forschungsbohrung am Moorweiher bei Bärnau wurde nach insgesamt fünf Wochen bei 150 Meter Bohrtiefe beendet, teilt das Landesamt für Umwelt auf Nachfrage von Oberpfalz-Medien mit. Zu Beginn war noch nicht klar, wie tief die Bohrung geht oder wie lange diese andauert. Eigentlich wollten die Geologen um Johann Rohrmüller solange in die Tiefe, bis sie auf Vulkangestein treffen, hieß es bei einem Pressetermin an der Bohrstelle im Oktober. Die Forschungsbohrung wurde am 12. November beendet. "Bisher wurde kein Vulkangestein nachgewiesen", erklärt eine LfU-Sprecherin.

Meter für Meter bohrten die Experten in die Tiefe. Bereits nach der ersten Wochen förderten sie aus 37 Metern Tiefe Sedimentgestein zutage. Das bestätigte bereits die Vermutung der Forscher, dass unter der Erde ein ehemaliger Kratersee liegt. In dem wasserreichen und deswegen sauerstoffarmen Milieu blieben Pollen erhalten, anhand derer die Wissenschaftler das Alter des Vulkans bestimmen können. Außerdem erhofft sich das Forschungsteam, durch die Analyse der Sedimentproben Aussagen über die Klimaentwicklung in der Region machen zu können.

Auswirkung auf Endlager-Suche?

Die Frage, wie lange der Vulkanausbruch zurückliegt, könnte sich auf die Suche nach einem Standort für ein Atommüllendlager auswirken. Grundsätzlich gilt die nördliche Oberpfalz als potenzieller Kandidat für ein Endlager. Regionen mit aktivem Vulkanismus seien laut Vorgaben der Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) von der Endlagersuche aber auszuschließen. "Aktiv" bedeutet in diesem Zusammenhang, dass es im Quartär-Zeitalter - also in den vergangenen 2,6 Millionen Jahren - einen Vulkanausbruch gab. Dann also würde die Region nicht mehr für ein Endlager infrage kommen. "Ob in der Region um Bärnau in der Quartär-Zeit ein Vulkanausbruch stattgefunden hat, werden die Untersuchungen zeigen", so die LfU-Sprecherin.

Analyse dauert mehrere Monate

Die Bearbeitung der Bohrkerne - etwa die sedimentologische und paläoklimatische Analyse - sowie Pollenuntersuchungen, die Altersbestimmung und die bohrlochgeophysikalischen Untersuchungen werden mehrere Monate in Anspruch nehmen, heißt es vonseiten des LfU. "Je nach Thematik suchen wir die Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern und Experten aus der Praxis", erklärt die Sprecherin der Behörde. Sie nennt etwa die TU Berlin (Sedimentologie, Paläoklimatologie), das Senckenberg Institut Frankfurt (Pollenuntersuchungen) und das LIAG-Institut Hannover (bohrlochgeophysikalische Untersuchungen).

Eine solche Forschungsbohrung in der steinigen und felsigen nördlichen Oberpfalz sei eine absolute Seltenheit. Anfang 2020 bestätigten Voruntersuchungen die Vermutung, dass es dort einen bislang unbekannten Vulkan gibt. Geophysikalischen Messungen zufolge entstand wohl durch einen Vulkanausbruch ein Krater mit etwa 1000 Metern Durchmesser und 200 Metern Tiefe. Dieses sogenannte Maar füllte sich zunächst mit Wasser zu einem Maarsee und wurde im Laufe der Jahrtausende zugeschüttet. Heute ist dieser Krater mit bloßen Auge nicht mehr zu erkennen.

Die Geologen entnehmen einen Bohrkern

Welche Erkenntnisse sich die Geologen von den Bohrungen bei Bärnau erhoffen, lesen Sie hier

Bärnau
Die Bohrbaugesellschaft Anger aus Hessen bohrte im Oktober unter Anleitung des Geologen Johann Rohrmüller in das Zentrum des Vulkans. Die Geologen erhoffen sich nach der Untersuchung der Erdschichten Aussagen über den Vulkanismus und die Klimaentwicklung in der Region machen zu können.
Fünf Wochen lang bohrten Geologen des LfU in das Zentrum des möglichen Vulkans. Die detaillierte Bohrkernaufnahme erfolgt in den kommenden Monaten.
Von den Bohrungen am Moorweiher nahe Bärnau ist bis auf ein schlammiges Feld nichts mehr zu erkennen. Die Forschungsbohrung wurde am 12. November beendet, gibt das LfU bekannt.

 

 

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