11.12.2020 - 13:48 Uhr
BärnauOberpfalz

Neues Ziegler-Werk und 40 Wohnhäuser in Bärnau

Es wie ein „Sechser im Lotto“ und Fortuna spielt erneut die Ziegler-Group. Für rund 60 Millionen Euro will das Unternehmen in Bärnau ein Werk für Dämmerfaserplatten errichten. Dazu könnten noch 40 Holzhäuser kommen.

Noch ein Feld, aber bald schon ein weiterer Standort für ein Werk der Ziegler-Group. Im Norden von Bärnau, direkt an der Umgehung Richtung Hermannsreuth, will das Unternehmen für 60 Millionen Euro auf zwölf Hektar einen Betrieb zur Herstellung von Holzfaser-Dämmplatten errichten. Dort könnten rund 75 Personen eine Beschäftigung finden.
von Werner Schirmer Kontakt Profil

Bei der Stadtratssitzung in Bärnau am Donnerstag sprach Bürgermeister Alfred Stier von einem historischen Moment für den Ort und die gesamte Großgemeinde. Als Vertreter der Ziegler-Group durfte erneut Prokurist Andreas Sandner auftreten. Der erläuterte den nächsten Schritt des Unternehmens, auf dem „Weg vom Baum zum Haus“ alle anfallenden Rohstoffe optimal und nachhaltig zu verarbeiten. Bei den notwendigen Investitionen steht jetzt als weitere Etappe der Bau eines Werkes für Holzfaser-Dämmplatten an.

Wertschöpfung in Region halten

Nach den Ausführungen Sandners soll mit der Investition die Philosophie weiter verfolgt werden, die Wertschöpfung in der Region zu halten und auch die Nähe zum Hauptwerk anzustreben. Mit den Dämmplatten aus Holzfasern würde auch ein sehr nachhaltiges Produkt in die Palette aufgenommen, von dem sich die Gruppe eine wachsende Nachfrage erwartet. „Wir wollen rechtzeitig in einen Markt der Zukunft einsteigen“, begründete Sandner die Entscheidung. In der Großgemeinde hätte die Ziegler-Group dann einen aufgeschlossenen Partner gefunden.

Produktionsstart 2022

Entstehen soll das neue Werk auf einer Fläche "Am langen Rain" an der Umgehung. Vor der Abzweigung nach Hermannsreuth soll auf der Nordseite dafür ein rund 12 Hektar großes Gelände, derzeit noch Feldfläche, genutzt werden. Entstehen sollen Produktionshallen sowie weitere Gebäude für alle Betriebszweige. Auch dieses neue Werk würde natürlich zur Gruppe gehören, sich aber selbst verwalten, was sich wiederum in der Gewerbesteuer niederschlägt. Vorgesehen sind insgesamt 75 Beschäftigte. Baubeginn soll schon Mitte nächsten Jahres sein, Produktionsstart wohl 2022.

„Wir wollen rechtzeitig in einen Markt der Zukunft einsteigen.“

Andreas Sandner, Prokurist (Finanzen&Controlling) der Ziegler-Group

Andreas Sandner, Prokurist (Finanzen&Controlling) der Ziegler-Group

Gemeinde hofft auf Zuzug

Als Zugabe konnte Sandner auch den Bau von bis zu 40 hochwertigen Holzhäusern ankündigen. Dafür könnte eine bereits ausgewiesene Fläche nördlich des früheren Bahnhofs (Richtung Kellerweg) genutzt werden. Denn die Stadt hofft laut Bürgermeister Alfred Stier auch darauf, dass das neue Werk mit den neuen Arbeitsplätzen neue Bürger in die Gemeinde bringen wird. Bei der Sitzung versicherte Sandner, dass von dem geplanten Betrieb kaum Lärmbelästigungen ausgehen würden, da sich die Produktion komplett in den Hallen befinde. Die Holzfaserplatten könnten laut Sandner in allen Bereichen des Hausbaus eingesetzt werden. Das Material sei auch zu 100 Prozent recycelbar. Styropor und Steinwolle dagegen hätten schädliche Inhaltsstoffe oder benötigten einen hohen Energieaufwand bei der Herstellung.

In Tirschenreuth plant die Ziegler-Group für 220 Millionen Euro ein Holzbau-Kompetenz-Zentrum

Tirschenreuth

Bürgermeister Stier verwies auf das hohe Tempo von Stadt und Unternehmen bei dem Projekt. Im Flächennutzungsplan seien die Bereiche bereits vorgesehen, jetzt müsste die Aufstellung des Bebauungsplans folgen. Abstimmungsgespräche würden bereits laufen. „Die Chemie stimmt“, blickte Stier auf die Zusammenarbeit mit dem Investor.

Produktion im Trockenverfahren

Für Anna Toman (Grüne) hatte die positive Ankündigung mit Blick auf den Flächenbedarf auch eine kleine Schattenseite. Und beim Häuserbau fürchtete Toman ein weiteres Ausbluten der Altstadt. Sie appellierte deshalb an das Unternehmen, auch bei der Sanierung im Ortskern aktiv zu werden. „Der Betrieb passt zu uns“, begrüßte Hubert Häring (Christliche Freie Wählergemeinschaft) das Vorhaben. Rudolf Schmid (CFWG) sorgte der Wasserverbrauch des Betriebs. Sandner konnte hier beruhigen, da die Plattenproduktion im Trockenverfahren erfolgen wird. Dafür soll ein eigenes Heizwerk gebaut werden. Zum Genehmigungsverfahren erklärte Stier, dass Gebäudehöhen bis 50 Meter beschrieben würden. Allerdings würde nur ein Produktionsbereich etwas höher aufragen. Über Ausgleichsflächen würde die Stadt verfügen, versicherte der Bürgermeister weiter. Engelbert Träger begrüßte das Vorhaben, und die Steuereinnahmen. Dadurch könnte man vielleicht weitere Einrichtungen in der Stadt erhalten. Marco Donhauser (Junge Wählergemeinschaft) bewertete das Vorhaben schlicht als „Sechser im Lotto“. „Das ist ein maximaler Gewinn für die gesamte Gemeinde“, urteilte Michael Schedl (CSU).

Ökologische Siedlung

Auf Nachfrage von Oberpfalz-Medien zum Hausprojekt erklärte Andreas Sandner, dass die 40 Häuser „definitiv als grüne ökologische Siedlung geplant sind, um Mitarbeitern sowie Bürgern ein attraktives Wohnangebot in nachhaltiger Bauweise anbieten zu können“. Einstimmung befürwortete das Gremium eine weitere Planung, um die Betriebsansiedlung zu ermöglichen.

Der Lageplan zeigt die vorgesehene, zwölf Hektar große Fläche für den Werksneubau an der Umgehungsstraße (rot umrandet). Der Bereich 2 wäre eine im Flächennutzungsplan bereits markierte Gewerbefläche, die aber mit der Ziegler-Investition nichts zu tun hat.
Ein hochwertiger "Beifang" für die Stadt: Die Ziegler-Group will nahe der Stadt in einem Baugebiet 40 Wohnhäuser errichten und damit eine "grüne ökologische Siedlung" bauen.
Hintergrund:

Vom Baum zum Hausbau

Bei der Unternehmensentwicklung legt die Ziegler-Group ein rasantes Tempo vor, das die Gründungstage als Sägewerk auf der Betzenmühle weit hinter sich gelassen hat. Ziel ist die komplette Wertschöpfung auf dem Weg vom Baum zum Haus. Maßgeblich ist hier Stefan Ziegler mit seiner Vision des Hausbaus.

  • 2007/2008: Firmenübergabe an Stefan Ziegler
  • 2011: Logistikzentrum am Bahnhof Wiesau
  • 2017: Übernahme der Dippel Holzwerke in Pressath (damals 30, heute 90 Mitarbeiter) als Standort für Schnittholzveredelung für Baumärkte
  • 2018: Gründung Zimmerei für die Weiterverarbeitung
  • 2018 und 2019: Beteiligung an Fertighaushersteller „Engelhardt&Geissbauer" in Burgbernheim sowie einer Produktion von Brettsperr- und Brettschichtholz in Thüringen
  • Oktober 2020: Ankündigung Bau Holzbau-Kompetenz-Zentrum in Tirschenreuth (erwarteter Baubeginn 2022, Investition 220 Millionen Euro, Kapazität 3000 Fertighäuser im Jahr, 1000 Arbeitsplätze)
  • Dezember 2020: Ankündigung Bau Werk für Holzfaser-Dämmplatten in Bärnau (Investition 60 Millionen Euro, 75 Arbeitsplätze)

Derzeit beschäftigt die Ziegler-Group rund 1500 Mitarbeiter und schneidet rund 2,2 Millionen Festmeter Holz im Jahr. Gesamtsatz sind derzeit rund 550 Millionen Euro, angestrebt ist eine Milliarde Euro.

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