09.08.2021 - 14:46 Uhr
BärnauOberpfalz

Mittelalterliches Militärmanöver im Geschichtspark-Bärnau

In der "Schlacht von Bärnau" im Geschichtspark Bärnau haben gut 40 Ritter mitgewirkt, darunter vier berittene. Was die Männer an diesem Hobby fasziniert und was sie dafür an Zeit und Geld investieren, erzählen zwei der Darsteller.

Nach der „Schlacht von Bärnau“ sind alle gefallenen Ritter wieder putzmunter und das Publikum spendet den Akteuren großen Applaus für die großartige Darbietung.
von Ulla Britta BaumerProfil

Prescht Roderik Bundels mit seinem Pferd über die Wiese hinter der Motte (Wehrturm) im Geschichtspark Bärnau-Tachov, sind nicht nur die zuschauenden Kinder begeistert. Auch die Erwachsenen verfolgen mit großem Interesse das Militärmanöver, für das der 47-jährige Hufschmied als Teilnehmer aus Frankfurt angereist ist. Roderik Bundels gehört zum Verein "FFC 1066 - Das Contingent". Die Mitglieder widmen sich in ihre Freizeit der authentischen Darstellung von mittelalterlichen Militärmanövern. In der lockeren Interessengruppe sind hauptsächlich Männer vertreten, was nicht heißt, dass Frauen damals nicht auch in Kriegen gekämpft hätten.

Heerführer stellt Regeln auf

Im Geschichtspark liefern gut 40 Männer und einige Frauen eine aufregende Schlacht ab. Zahlreiche Zuschauer, darunter viele Familien mit Kindern, stauen nicht schlecht, wie realistisch die Ritter auf dem "Schlachtfeld" in Bärnau kämpfen. Obwohl keine scharfen, sondern stumpfe Waffen verwendet wurden, ist das Manöver trotzdem nicht ganz ungefährlich. Regeln sind notwendig. Wer wann in dieser Schlacht "tot" sein wird, bestimmt im Vorfeld der Heerführer, Maik Elliger. Fuß-Soldaten, die nur einfache Kleidung tragen, sollen bei einem "Stich" mit der Lanze "tot" umfallen, stellt Elliger vor der Darstellung die Regeln auf. Die Garnison ist zäher. Wer ihr angehört, hält zwei Treffer aus. Die Ritter mit Kettenhemden werden erst nach dem dritten Treffer als Gefallene aus dem Kriegsspiel hinaus gekickt.

Die Soldaten liefern drei Schlachten und eine Demonstration mit Pfeil und Bogen. Bei letzterem erlebt das Publikum die Bildung einer sogenannten "Schildkröte". Die Ritter schützen sich vor den Pfeilen der Gegner mit ihren Schildern, die sie eng zusammenstehend vor die Brust und über den Kopf halten. Dass Schilder und Waffen bunt gewürfelt in Form und Art sind, hat einen Grund: In der "Schlacht zu Bärnau" nehmen vom 11. bis zum 15. Jahrhundert Ritter aus unterschiedlichen Zeitepochen zu Demonstrationszwecken teil.

Seit Jahren als Ritter unterwegs

Gerald de Canehan ist der Moderator der Waffenschau, die vor der Schlacht angeboten wurde. Er stellt sich als Adeliger vor. Deshalb ist seine Ausrüstung kostspieliger und auch effektiver als die einfache Kleidung des gemeinen Soldaten. Der edle Ritter aus dem 11. Jahrhundert mit dem französischen Namen ist im wirklichen Leben 55 Jahre alt und wohnt in Weilheim in Oberbayern. Gerald de Canehan ist Hauspate des Wehrturms im Geschichtspark und hat seine ganze Familie dabei. Roderik Bundels hat seine Familie daheim gelassen. Dafür hat der Hufschmied sein geschecktes Pferd dabei, einen fünf Jahre alten Appaloosa.

Beide Männer haben das "Mittelalter" über Freunde vor mehr als zehn Jahren kennengelernt. Der Wunsch, dem Hobby so authentisch als möglich nachzugehen, führte beide in den Verein "FFC1066". Bundels und de Canehan nehmen jedes Jahr mit der ritterlichen Militärtruppe an verschiedenen Shows und Aufführungen in ganz Deutschland teil. "Es holt einen enorm runter aus dem modernen Alltag. Als Ritter lebe ich für eine Weile sehr einfach und bescheiden. Dann weiß ich wieder, dass ich nicht viel brauche zum Leben", erklärt der 55-Jährige seine Faszination für das Mittelalter.

Tod durch Hitzeschlag

Gerald de Canehan ist äußerst prachtvoll ausgestattet. Für die Schlacht trägt der Weilheimer ein 20 Kilogramm schweres Kettenhemd am Leib. Ein enormes Gewicht. "Das ist Muskeltraining", sagt de Canehan und lacht. Kettenhemden kosten einem heutigen Ritter zwischen 200 und ein paar Tausend Euro - je nach Qualität. Ausstatten lässt er sich damit von Bekannten oder befreundeten Handwerkern. De Canehan hat sein schweres Stück etwa von einem Freund fertigen lassen. Diese Rüstung sei früher perfekt gewesen zum Schutz gegen die mittelalterlichen Waffen, erklärt er dem Publikum bei der Waffenschau. "Das ist, als würde jemand mit einer Pistole auf einen Panzer schießen." Vielmehr als an Verletzungen seien die Ritter an Durst oder Hitzeschlag gestorben, wenn sie bei heißem Wetter mit diesen Kettenhemden in die Schlacht gingen. Das Eisen der Hemden konnte richtig heiß werden, erklärt er. De Canehan ist nicht nur ein Ritter, sondern kämpft in der "Schlacht zu Bärnau" später auch ausgesprochen zäh als Bogenschütze.

Vor zehn Jahren wurde der Geschichtspark Bärnau-Tachov eröffnet

Bärnau

„Das ist, als würde jemand mit einer Pistole auf einen Panzer schießen.“

Gerald de Canehan über den Schutz, den sein Kettenhemd bietet

 

 

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