23.08.2021 - 12:19 Uhr
BärnauOberpfalz

Mittelalter im Geschichtspark Bärnau als schweißtreibende Arbeit

Die Besucher im Geschichtspark Bärnau-Tachov konnten am Wochenende ins "Lebendige Mittelalter" eintauchen. Unter anderem bauen nun einige Männer einen Brunnen. Lediglich Muskelkraft darf dafür eingesetzt werden.

Während die mittelalterlichen Darsteller fleißig mit Holzarbeiten für den Brunnenbau beschäftigt sind, schauen die Besucher aufmerksam zu und stellen viele Fragen, wie das im Mittelalter gemacht wurde.
von Ulla Britta BaumerProfil

Langeweile kommt im Geschichtspark Bärnau-Tachov nicht auf. Für die Gäste ist der Bummel durchs Mittelalter immer ein neues Erlebnis. Das Gelände verändert sich stets aufs Neue. Das liegt unter anderem auch an den Darstellern, die nicht nur bei Thementagen - wie diesmal das "Lebendige Mittelalter" - fleißig bei der Arbeit sind.

Diese Darsteller kommen teils von weit her. Ihre Funktion ist es nicht allein, die Besucher als "mittelalterliche Bewohner" der Häuser und Hütten zu unterhalten. Jeder, der hier wohnt, ist auch Pate des Gebäudes, in dem er lebt. Manchmal hat dieser Darsteller allein oder mit der Familie die Hütte selbst mitgebaut. Pflicht ist es aber für viele wie selbstverständlich, für den Erhalt ihres Wochenend- und Feriendomizils zu sorgen. Denn natürlich wohnen und leben die Darsteller nur in ihrer Freizeit im Geschichtspark Bärnau-Tachov. Ansonsten gehen sie ganz normalen Alltagstätigkeiten und Berufen nach.

Wasserversorgung verbessern

Oliver Fischer ist PR-Berater für IT. Er kommt mit seiner Frau Miriam extra aus München in den Geschichtspark und wohnt nahezu jedes Wochenende in einer der Hütten. Das sei sein Alltagsausgleich, sagt er lachend auf die Frage, warum er in seiner Freizeit mit einer Axt einen Baumstamm wie wild bearbeitet. Das mache er sehr intensiv, fügt seine Frau Miriam schmunzelnd an. Sie müsse ihm gerade deshalb die Hose nähen, weil diese bei der Arbeit geplatzt sei. Miriam Fischer flickt eine mittelalterliche Leinenhose, mit Nadel und Faden versteht sich.

Was auch immer im Geschichtspark entsteht, ist oder sollte falls möglich authentisch dem nachempfunden werden, was damals war. Deshalb schwitzen Oliver Fischer und sein Kollege, ein Archäologe aus einem Archäologie-Büro in Weiden, ganz schön beim Bearbeiten der groben Bretter lediglich mit der Axt. Während die beiden Männer schuften, lustwandeln die Besucher des Freiland-Museums vorbei. Da bleiben neugierige Fragen nicht aus, die gern beantwortet werden.

Die Gäste erfahren, dass künftig ein Brunnen die Wasserversorgung in den Häusern verbessern soll. Zum Wäschewaschen und Abspülen mussten die Darsteller bisher zum Bach. Diesen Weg können sie sich dann sparen und bequem aus dem Brunnen schöpfen. Wenn er denn mal fertig ist. "Eigentlich sollte er das schon", erklären die Bauherren schwitzend. Aber Corona und das schlechte Wetter im Frühjahr hätten für Zeitverschiebung gesorgt.

Immer an der frischen Luft

Wobei Corona für das Ehepaar aus München in Sachen Geschichtspark eher positive Seiten aufweist. Hier, sagt Oliver Fischer, sei man immer an der frischen Luft. Sonst hätten sie den Lockdown großteils in der Wohnung verbringen müssen. Der Brunnen soll 1,70 Meter in die Tiefe gehen. Auch die dafür notwendigen Grabungen müssen per Hand erledigt werden. Und die groben Bretter für die Wandungen sind längst nicht fertig, sie müssen noch gehobelt und geschliffen werden. Viel Arbeit also für die Brunnenbauer, die sich gern dabei zuschauen lassen.

Viel Arbeit, oder besser gesagt jahrelange Arbeit macht auch noch die Schaubaustelle des Königshofs für Karl IV.. Auf der Baustelle ist am Samstag nichts los. Die mittelalterlichen Handwerker haben frei. Dennoch erfahren die Gäste, was hier ansonsten geschieht. Neu ist eine große Tafel, die in deutscher und tschechischer Sprache erklärt, was hier geschieht. Auf der Tafel ist ausführlich erläutert, wer baut, warum gebaut wird, welche Materialien verwendet werden und es gibt ein Bild von Kaiser Karl IV.. Nun müssen die Besucher und Einheimischen nicht mehr extra das Handy zücken und den Kaiser googeln, um zu sehen, wie denn der hohe mittelalterliche Herr, dem die viele Arbeit im Geschichtspark gewidmet wird, ausgesehen hat.

Zwar war der Thementag um Kaiser Karl IV. an diesem Wochenende abgesagt und verlegt auf den Herbst. Dennoch fanden die Besucher ausreichend Spuren des Mittelalters. Und weil das Wetter am Samstag noch passte, nutzten die Besucher recht zahlreich den schönen Tag zum Abtauchen in die Zeit der Vorfahren.

Mittelalterliches Militärmanöver im Geschichtspark-Bärnau

Bärnau
Service:

Der Geschichtspark Bärnau-Tachov

  • Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr, letzter Einlass 17 Uhr
  • Führungen: Museumsführer geben einen Überblick über die Bauweise und das Leben im 9. bis 14. Jahrhundert. Dauer: etwa 1,5 Stunden. Kontakt: Telefon 09635/9249975 oder E-Mail info[at]geschichtspark[dot]de
  • Eintrittspreise: Erwachsene 7 Euro; Kinder von 6 bis 18 Jahren, Schüler, Studenten, Behinderte: 4,50 Euro; Familien-Tageskarte (Eltern oder Großeltern und minderjährige Kinder): 16 Euro. (Quelle: Homepage Geschichtspark)

 

 

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