11.05.2021 - 12:29 Uhr
BärnauOberpfalz

Mit Kraft und Grips zur Kaiserburg: Bauen wie im Mittelalter im Geschichtspark Bärnau

Das historische Handwerk ist eine Kunst, die viel Kraft und Können fordert. Das lernten die Teilnehmer im Geschichtspark Bärnau-Tachov bei einem Workshop in Theorie und vor allem Praxis.

Robert Mois zeigte Nadine Griesing, wie ein Granitblock gespalten wird.
von Ulla Britta BaumerProfil

Theoretisch könnten Stefan, Barbara, Dirk, Nadine und die anderen Teilnehmer des Workshops „Historisches Handwerk“ nun eine echte Burg bauen. Die Betonung liegt allerdings auf „theoretisch“, denn ein eintägiger Kurs im Geschichtspark Bärnau-Tachov macht aus einem Laien noch lange keinen Burgbauer. Aber das ist auch nicht das Ziel des Workshops, der im Freilandmuseum nun schon zum vierten Mal angeboten wurde.

„Die Leute wissen danach, wie schwer es früher war, ein Gebäude oder gar ein Schloss oder eine Burg zu bauen“, erklärt Robert Mois den Sinn der Sache. Wie viel Spaß Burgbauen macht, das wissen er und Armin Troppmann, beide Steinmetze, auch erst seit wenigen Jahren, als sie diese Aufgabe im Geschichtspark übernommen haben. Inzwischen sind Troppmann und Mois Fachleute im historischen Bauen und geben ihr Wissen als Lehrmeister mit einer Leidenschaft weiter, die ansteckend ist.

„Die Leute wissen danach, wie schwer es früher war, ein Gebäude oder gar ein Schloss oder eine Burg zu bauen.“

Steinmetz Robert Mois

Ihre Meisterschüler kommen aus allen Alters- und Berufsschichten: Die 26-jährige Nadine Griesing aus Bamberg hat ihren Master in Denkmalpflege hinter sich und arbeitet für ein Vermessungs- und Bauforschungsbüro. Sie will für ihre Arbeit historisches Handwerk verstehen. „Es ist sehr spannend, die Ursprünge der Baukunst zu erfahren“, schwärmt sie.

Zu dieser Zeit steht die Sonne hoch über dem Freilandmuseum. Und während die Teilnehmer das erste Mal in ihrem Leben einen Granitbrocken per Handarbeit in zwei Teile klopfen, wärmt sich langsam die eisige Morgenluft auf. Vor der Burg liegen Granitblöcke bereit. Jetzt heißt es Muskelkraft beweisen. Die Referenten zeigen, wie’s geht. Frauen wie Männer üben sich mit Hammer und Eisen am harten Oberpfälzer Gestein.

Handbetriebener Kran

Sechs Leute haben sich diesmal eingefunden. Ein 75-jähriger Schweinfurter ist absolut begeistert. „Ich habe den Workshop von meinen Töchtern zum Geburtstag bekommen“, erzählt er. Die seien vom Fach und ihn interessiere historisches Bauen schon immer, schwärmt Klaus-Ulrich Köhler. Wenig später werden die zu kleineren Gebinden zurechtgeklopften Granitblöcke per handbetriebenem Kran hochgehievt. „Ein Männerspielzeug“, sagt Nadine Griesing lachend mit Blick auf die skurrile Mittelaltermaschine. Troppmann erzählt vom Alltag auf der Baustelle, wo dieser Kran teils bis zum Anschlag genutzt wird, immer darauf bedacht, dass er nicht kippt oder bricht. „Bis 600 Kilo Gewicht sind drin. Dann hängen aber sechs Leute zum Bedienen dran.“

Nach der Schwerarbeit gibt es Theorie in Holzkunde. Robert Mois erklärt an Beispielen das Behauen der rohen Baumstämme. Balken per Hand richtig bearbeiten, sagt er, werde oft als Teilnahmegrund genannt. „Manche Leute wollen beim Restaurieren alter Gebäude authentisch arbeiten.“ Ein solches Haus haben Barbara Rashiti und Dirk Petri im Visier. Deshalb sind sie hier. Die beiden Münchener wollen ein denkmalgeschütztes Gebäude aus dem Jahr 1702 herrichten. „Ganz so alt wie die Burg ist es nicht. Aber wir können vieles mitnehmen und lernen“, sagt das Paar.

Alles authentisch

Mois und Troppmann betonten mehrmals, dass alles authentisch sei beim Aufbau der Reisestation von Kaiser Karl IV. Nur in wenigen Fällen müsse man moderne Sicherheitsvorkehrungen treffen, etwa beim Seil des Krans. Viel Gelächter gibt es am Brennofen. „Armin schürt ihn nicht mehr an. Das muss ich tun. Seine Nerven halten das nicht aus“, erzählt Mois schmunzelnd. Der Ziegelbrand wird ausführlich durchdiskutiert. Tatsächlich seien die fertigen Ziegel jedes Mal ein neuer Glücksfall, berichten die Handwerker. „Das ist nicht einfach. Wir sind froh, den Ofen überhaupt derart funktionstüchtig hinbekommen zu haben“, so Mois.

Wenige Meter neben dem Ofen schiebt er ein Brett am Boden zur Seite, greift in eine Grube und hat eine weiße Masse in Händen. „Das ist der Stoff, aus dem Schlösser gebaut werden“, setzt der Steinmetz den Sumpfkalk eindrucksvoll in Szene. Immer feucht gehalten, könne der wichtige Baustoff jahrelang aufbewahrt werden.

Jetzt kommt der Part der Museumsgaststätte „Brot & Zeit“. Es gibt Mittagessen „to go“ draußen in der Sonne. Nach der Pause geht es zügig weiter. Mois und Troppmann üben mit der Gruppe das Herstellen von Schindeln, im Labor werden Edelputze gefertigt. Der Workshop bietet nachhaltige Erlebnisse. Weil auch Mauern zum Lehrinhalt gehört, können die Teilnehmer nach getaner Arbeit nicht nur ihr Wissen für eigene Projekte nutzen. Sie können ein Leben lang von sich sagen, dass sie ein Stück Kaiserburg mitgebaut haben.

Schon das Brennen der Ziegel ist eine Wissenschaft für sich

Steinmetzmeister Armin Troppmann und Steinmetz Robert Mois (v. li.) haben rund um die Uhr zwei Tage lang gearbeitet, um den großen Brandofen zum Ziegelbrennen am Laufen zu halten.

 

 

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