20.05.2020 - 16:41 Uhr
BärnauOberpfalz

Käfer nagt auch an der Bärnauer Waldbilanz

Borkenkäfer, Trockenheit und vor allem der schlechte Holzpreis machen die Waldwirtschaft nicht einfach. In Bärnau steht für den Stadtwald sowie den Wald der Kommunal-GmbH gerade noch ein Plus von rund 12.00 Euro in der Bilanz.

Bei der "Holzernte" war Förster Stefan Gradl eher zurückhaltend. Das Überangebot hat den Holzpreis in den Keller getrieben. So wurden nur 12.000 Euro Überschuss erzielt.Und die auch nur durch Fördermittel.
von Werner Schirmer Kontakt Profil

Für den neuen Stadtförster Stefan Gradl war der Jahresbetriebsnachweis 2019 kein idealer Einstand. Immerhin hatte sein Vorgänger Günter Mayr deutlich bessere Zahlen vorlegen können. Doch das waren andere Zeiten, begründete auch Bürgermeister Alfred Stier die Ertragsrechnung und bescheinigte dem neuen Stadtförster eine ebenso ordentliche Arbeit wie die seines Vorgängers.

Keine Entspannung in Sicht

Auch Stier wusste um die schwierige Holzpreislage, die gerade mal 40 Euro für den Festmeter eingebracht hätte. "Das ist Brennholzniveau", verdeutlichte Gradl das momentane Preistief. Und eine Entspannung der Situation, vor allem des Holzüberangebotes, sei nicht in Sicht. So endete die Bilanz für die Bewirtschaftung des Stadtwalds im vergangenen Jahr mit einem Minus von rund 5000 Euro. Zusammen mit dem Wald der "Bärnau Kommunal-GmbH" errechnete sich dann ein Überschuss von 11 972 Euro, was auf die 580 Hektar Waldfläche bezogen rund 21 Euro je Hektar ergibt.

Harvester im Einsatz

Revierleiter Stefan Gradl hat das erste Jahr als gemeinsamer Förster der Stadt Tirschenreuth und der Stadt Bärnau absolviert und dabei keine leichte Aufgabe gehabt. Hohe Temperaturen, Trockenheit und Borkenkäferbefall hätten den Wäldern zugesetzt und im Laufe des Jahres zu einem Sinken des Stammholzpreises auf Brennholzniveau geführt. Damit sei auch in Bärnau kein regulärer Holzeinschlag mehr erfolgt, sondern nur noch eine Aufarbeitung des Schadholzes. Erstmalig sei dafür auch der Harvester zum Einsatz gekommen, schilderte Gradl. Insgesamt seien im vergangenen Jahr rund 2000 Festmeter eingeschlagen worden, der Hiebsatz liege jedoch bei rund 4000 Festmetern. Damit hätte die Stadt nur die Hälfte der erlaubten Holzmenge "geerntet".

Bei den Einnahmen errechnete Gradl rund 110 000 Euro. Darin enthalten sind aber auch Fördermittel in Höhe von rund 42 000 Euro. Die Ausgaben summierten sich auf rund 98 000 Euro, so dass am Schluss 12 000 Euro als Überschuss in der Bilanz stehen. Bei den Besonderheiten nannte Gradl ein deutlich höheres Schadholz-Aufkommen als in den vergangenen Jahren. Allerdings hätten andere Gebiete im Landkreis noch mehr Schadholz zu verzeichnen. Ein kleiner "Vorteil": Wegen der Trockenheit sei kaum eine Wegepflege erforderlich gewesen.

Schadholzaufarbeitung

Im laufenden Jahr will der Stadtförster weiter auf einen Frischholzeinschlag verzichten und nur die Schadholzaufarbeitung fortsetzen. Unbedenkliches Holz sollte als Totholz im Wald verbleiben. In Plan steht laut Gradl die Jungbestandspflege auf einer Fläche von 7,5 Hektar sowie die Wiederaufforstung von Freiflächen aus dem Borkenkäferbefall.

Dabei sollten auch heimische Laub- und Nadelbaumarten wie Eiche, Ahorn, Walnuss oder Lärche zum Einsatz kommen. In kleinerem Umfang könnten auch fremdländische Baumarten wie Douglasie oder Ess-Kastanie verwendet werden. Aktuell verzeichnet der Bärnauer Stadt auf 84 Prozent der Flächen nur Fichtenbestände.

Weitere Berichte von der Stadtratssitzung

Bärnau

Weitere Berichte von der Stadtratssitzung

Bärnau

In einem weiten Ausblick will Gradl einen Umbau zu einem stabilen, multifunktionalen Wald verwirklichen. Wichtigstes Ziel sei dabei die nachhaltige Waldwirtschaft, bei der auch Naturschutzprojekte und die Erholungsfunktion eine besondere Rolle einnehmen würden.

Bürgermeister Alfred Stier gab sich beim Ausblick durchaus realistisch. "Es wird spannend mit den Erträgen aus dem Wald", blickte das Stadtoberhaupt nach vorne. Deshalb müssten auch neue Einkommensarten für den Wald überlegt werden. Einstimmig billigte der Stadtrat den Jahresbetriebsnachweis für 2019 sowie den Jahresbetriebsplan für 2020.

Multifunktionaler Wald

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.