05.07.2020 - 07:51 Uhr
BärnauOberpfalz

Historischer Pfad am Böttgerweg

Die gemeinsame deutsch-tschechische Geschichte ist dem „Arbeitskreis Paulusbrunn“ ein Anliegen. Für das Projekt „Historischer Pfad“ will man rund 4000 Euro ausgeben. Der Bezirk will für dieses Vorhaben rund 1000 Euro beisteuern.

Wie war die Situation am Eisernen Vorhang? Aus der Sicht von Rudolf Tomšu aus Tachov und Rudolf Braunschläger Bärnau (von links), zweier ehemaliger Grenzschützer, bekamen Schüler aus Tachov und dem Gymnasium Neustadt Informationen aus erster Hand. Diese fließen in die Tafel 5 ein.
von Rainer ChristophProfil

Die Durchführung lag in Händen der Arbeitsgruppe Paulusbrunn im Verein „Via Carolina – Goldene Straße e.V. Bärnau“. Projektidee ist die Gestaltung eines „Historischen Pfads am Böttgerweg“ mit einer Dokumentation der deutsch-tschechischen Geschichte des ehemaligen Ortes Paulusbrunn. Eingebunden auf der deutschen Seite ist der Grenzweg von Hermannreuth bis zum Schmuckerhof. Es wird kein neuer Weg, dieser historische Pfad orientiert sich an bereits vorhandenen Wegen mit einer Gesamtlänge von rund 16 bis 18 Kilometern.

Sieben Ansiedlungen

Im Böhmischen Wald (Cesky les), der auf bayerischer Seite Oberpfälzer Wald heißt, lag bis 1945 die Streusiedlung Paulusbrunn. Bereits vor 650 Jahren führte die Goldene Straße Kaiser Karl IV. von Prag nach Nürnberg durch die Orte Bärnau und Tachov. Auf einer Länge von rund acht Kilometern entstanden nach 1680 sieben einzelne Ansiedlungen, die zum Gemeindegebiet und der Pfarrei Paulusbrunn gehörten. Die Bevölkerung mit rund 1500 Einwohnern war fast zu 100 Prozent deutschstämmig.

Durch die Siedlung führte von Nord nach Süd der sogenannte „Böttgerweg“, in der Zeit des „Kalten Krieges“ von den CZ-Grenzorganen genutzt. Der Name ist verbunden mit der klassizistischen „Böttgersäule“. Das Denkmal überlebte die Jahre 1945 bis 1999 und wurde 2017 renoviert. Benannt wurde die Säule nach Dr. Josef Carl Böttger, Bezirksobmann in Tachau, später Zentraldirektor des Fürsten Alfred III. zu Windisch-Graetz in Wien.

Zeitsprung ins Jahr 1945.

Zeitsprung ins Jahr 1945

Entsetzlich waren die menschlichen Schicksale, die sich hier im Rahmen der Vertreibung abspielten. Hinzu kamen am Rande des Weges Todesmärsche von KZ-Häftlingen von und nach Flossenbürg. Nach der tschechischen Sperrgebietsverkündung 1945 wurden in den Jahren bis 1970 alle von deutscher Seite einsehbaren Orte geschliffen. Häuser, Schulen und Kirchen wurden dem Erdboden gleichgemacht. Heute bedecken Moos und Strauchwerk die Überreste der Häuser, viele der Keller und Brunnen sind aber noch versteckt erhalten. Die Natur hat sich einen Großteil zurückgeholt.

Projektdurchführung

Mit Unterstützung der tschechischen Gemeinden Obora und Halže, der Stadt Bärnau, dem Naturpark Nördlicher Oberpfälzer Wald, dem Wasserwirtschaftsamt Weiden und privater Sponsoren wird das Projekt „Historischer Pfad“ voraussichtlich bis Mitte August 2020 abgeschlossen werden. Etwa 16 zweisprachige Infotafeln werden mit Bildern und knappen Texten dann den Pfad bereichern.

Die Erarbeitung der Tafelinhalte erfolgte mit noch lebenden Zeitzeugen auf beiden Seiten der Grenze. Mit Unterlagen aus deutschen Archiven und der tschechischen Grenzpolizei wird so die Geschichte der Nachbarländer aufgearbeitet und präsentiert. Zwei Themen sind besonders hervorzuheben, die den Deutschen, aber auch der Mehrzahl der Tschechen unbekannt sind: „Was passierte, als die Deutschen weg waren?“ und „Wiederbesiedlung der Sudetengebiete 1945 bis 1952.“

Aufarbeiten der Geschichte

Mit dieser Thematik will die AG Gruppe der im Grenzraum lebenden tschechischen Bevölkerung zeigen, dass sie ernst genommen wird. Bei ersten Gesprächen merkten die Mitglieder der Arbeitsgruppe, dass es auf beiden Seiten der Grenze gewaltige Defizite gibt. So wird zwischen Bärnau und Tachov in der Region eine außergewöhnliche europäisch-historische Aufarbeitung erfolgen. Die Zweisprachigkeit der geplanten Infotafeln dokumentiert und wirbt gleichzeitig um Verständnis.

Hier geht es um ein weiteres Projekt der deutsch-tschechischen Verständigung:

Bärnau

Mit Hilfe der Ergebnisse von Befragungen deutscher und tschechischer Zeitzeugen durch deutsche und tschechische Schüler aus Tachov, Neustadt/WN und Altenstadt sowie der Sichtung einschlägiger Literatur und aufgezeichneter Geschichten entstand ein umfassendes Buch für Führungen, aber auch als Grundlage für eine nachhaltige Weiterarbeit. Um qualifizierte Führungen zu garantieren, wurden in einem Fortbildungsseminar interessierte Personen ausgebildet, die Besucher bei ihrem Weg über den „Historischen Pfad“ führen.

Bei Grenzbegehungen mit Jugend- und Schülergruppen soll die Aufarbeitung der gemeinsamen 1000-jährigen Geschichte von Deutschen und Tschechen erfolgen, die durch den Bazillus Nationalismus ihr brutales Ende fand. Nach entsprechenden Einführungen in die Thematik geht es auf den historischen Böttgerpfad. Die Initiatoren erwarten dabei Gruppen mit 100 bis 150 Schülern beider Länder. Termine waren schon vereinbart, doch dann musste durch die Corona-Epidemie alles abgeblasen werden. Die Organisatoren befürchten, dass vor dem Frühjahr 2021 keine Exkursionen möglich sein werden.

Thementafeln

Vom Bezirk gefördert werden mehrere deutsch-tschechische Thementafeln. Die erste Tafel beschäftigt sich mit „Tod statt Freiheit“ und erinnert an drei erschossene Männer. Weitere Themen sind „Friedhof Paulusbrunn“, „Vertreibung am Beispiel des Schmuckerhofes“, „Wallfahrt und Schaafeier in Paulusbrunn“.

Das Logo für den Weg und alle Tafeln entwarf Peter Müller aus Obora. Es wurde durch Rudolf Ehstand aus Tirschenreuth ergänzt.

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