24.05.2020 - 15:24 Uhr
BärnauOberpfalz

Grünes Band als Ort des Lernens für deutsche und tschechische Kinder

Geschichts- und Umweltbildung sind dem Verein "Via Carolina - Goldene Straße" Herzensanliegen. Ein grenzüberschreitendes Projekt befasst sich mit der Natur. Geleitet wird es von Michael Winkler, der seit einem Jahr zur Mannschaft gehört.

BU
von Norbert Grüner Kontakt Profil

"Green Belt - Wir lernen das Grüne Band kennen": So lautet der offizielle Titel des Projekts. Führender Partner auf tschechischer Seite ist das Regionale Bildungs- und Informationszentrum in Tachau (Tachov). Die Projektleitung dort hat Kateřina Zajíčková.

Das Grüne Band verläuft auf dem Gebiet des ehemaligen "Eisernen Vorhangs" und erstreckt sich vom Balkan bis Norwegen auf rund 12 500 Kilometer Länge. Es bildet ein einzigartiges Biotopnetzwerk aus verschiedensten Ökosystemen und stellt damit Rückzugsort für viele gefährdete Tier- und Pflanzenarten dar. Das Gebiet des Grünen Bandes solle mittels neuer Außengelände in Bärnau und Tachov den Besuchern zugänglich gemacht werden, so Winkler. Dabei vermittelten diese Areale auf eine populärwissenschaftliche Art und Weise unterschiedliche Informationen über das Grüne Band.

Unterrichtsmaterialien entwickeln

Der Verein "Via Carolina – Goldene Straße" präsentiert seine Ziele im Internet:

Außerdem sollen Unterrichtsmaterialien zum Zweck eines gemeinsamen bayerisch-tschechischen Kennenlernens der grenzüberschreitenden Region entwickelt und gleichzeitig die Ergebnisse in verschiedenen Schulen verteilt werden. Es werde je zehn Vor-Ort-Programme für Schulen aus Bayern und aus Tschechien geben. Zudem seien zwei gemeinsame Aktionen geplant. Als Ziel nennt Winkler die Konzentration auf einen langfristigen Beitrag für die Region, mit Fokus insbesondere auf die Aufrechterhaltung seiner Naturwerte für unsere und künftige Generationen. Es solle die Erkenntnis über die Notwendigkeit des Erhalts und des Schutzes des Grünen Bandes durch Einwohner der Region gefördert werden.

Sechs Kapitel

Der Projektinhalt umfasst sechs Kapitel. Punkt eins befasst sich mit der Geschichte der Entstehung des Grünen Bandes am ehemaligen "Eisernen Vorhang" und dem Untergang der ehemaligen Grenzdörfer. In Punkt zwei geht es um die Entwicklung von Ökosystemen.

Im dritten und vierten Kapitel werden Tiere und Pflanzen in Verbindung mit Biotopen sowie Biokorridore erklärt. Punkt fünf zeigt menschliche Konflikte mit der Natur auf, zum Beispiel Bergbau, Bebauung und andere von Menschen geprägte Zonen. In Punkt sechs geht es um Naturschutz und dessen Bedeutung früher und heute.

Die Planungen für konkrete Maßnahmen seien bereits weit vorangeschritten, erklären der Vorsitzende des Vereins Via Carolina - Goldene Straße, Alfred Wolf, und Ilona Hunsperger, Geschäftsführerin für Personal und Projekte.

So werde eine vereinseigene Fläche durch die Wiederanbindung an die durch das Gebiet fließende Waldnaab wieder vernässt. Die Wiederanbindung zum Gewässer werde als Altarm mit Mündung in einen Teich gestaltet. Der Altarm werde bei Hochwasser gespeist und falle bei Niedrigwasser trocken, wodurch ein dynamisches Ökosystem mit seinen charakteristischen Wechselwirkungen entstehe. Um die dauerhafte Wasserversorgung des Teiches sicherzustellen, wird ein Zulauf zur Waldnaab verlegt.

Frei zugänglicher Lehrpfad

Der Zugang in das Gebiet erfolge über einen Bohlenweg, welcher an einem Holzdeck am Teich mündet. Rund um das Deck werden Informationstafeln aufgestellt. Das Gebiet wird zu einem Teil aus einem Wall, der mit Wildheckengehölzen bepflanzt wird, eingefriedet. Außerdem soll auch ein Bereich geschaffen werden, der die Sukzession auf Industriebrachflächen näher beschreibt. Realisiert werde dieser durch Betonbruchelemente, welche am Randbereich platziert werden. Weidentunnel, Fernrohre zum Erkunden des Gebietes und eine Hängebrücke soll es ebenfalls geben. An diesem Ort wird das umweltpädagogische Programm durchgeführt und dort entsteht auch ein frei zugänglicher Lehrpfad.

Das Gesamtbudget des Projekts umfasst nahezu 239 000 Euro. Für Bärnau stehen davon 145 700 zur Verfügung. Gefördert wird das Projekt durch den Europäischen Fonds zur regionalen Entwicklung. Michael Winkler ist seit 1. April mit dem Projekt, das bis Ende 2022 läuft, betraut.

Der 29-jährige Neustädter hat Garten- und Landschaftsbau gelernt, bevor er Umweltsicherung studierte. Seine Schwerpunkte dabei waren Umweltplanung sowie Sanierung und Renaturierung von Gewässern und Biomonitoring. Seit etwa einem Jahr kümmert er sich um "die grünen Fragen im Geschichtspark", wo er als Fachkraft für Archäotechnik und ökologische Landschaftsgestaltung angestellt ist. Sein Ziel ist eine nachhaltigere Gestaltung, um dadurch die Attraktivität des Parks zu erhöhen. So blieben jetzt zum Beispiel die Wiesen länger stehen und würden nur noch zwei Mal im Jahr gemäht. Bei seiner Arbeit setzt er vor allem auf Extensivierung.

Mittelalterspielplatz

Alfred Wolf sagt, dass die Verantwortlichen auch deshalb vor allem auf Kinder und Jugendliche setzten, um sie spielerisch an die Thematik heranzuführen, die im Geschichtspark unter wissenschaftlichen Gesichtspunkten passiert. In dieses Konzept passe auch der neue Mittelalterspielplatz, der den bisherigen konventionellen vor dem Bistro "Brot & Zeit" ersetzt.

Ich kümmere mich um die grünen Fragen im Geschichtspark.

Projektleiter Michael Winkler

Projektleiter Michael Winkler

Projektleiterin in Tschechien ist Kateřina Zajíčková (links). Alexandra Hrušková ist Leiterin des Bildungszentrums.

Rückblick auf 10 Jahre Geschichtspark:

Bärnau

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