24.01.2021 - 12:05 Uhr
BärnauOberpfalz

Geschichtspark Bärnau-Tachov: Brandruine nach zwei Jahren wieder bewohnbar

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Ein Feuer zerstört vor zwei Jahren ein mittelalterliches Haus im Freilandmuseum Bärnau-Tachov. Darsteller Christian Peter aus Nohfelden im Saarland baut es wieder auf - ein zweites Mal.

Das ganze Ausmaß des Feuers im Bärnauer Geschichtspark muss ein Brandgutachter bestimmen. Der komplette Dachstuhl des mittelalterlichen Gebäudes fiel den Flammen zum Opfer.
von Lena Schulze Kontakt Profil

Am 25. Januar 2019 stürzte für Christian Peter eine Welt ein. Der 44-Jährige aus Nohfelden im Saarland ist Mittelalter-Darsteller im Geschichtspark Bärnau-Tachov und bereitete sich mit Gleichgesinnten auf das bevorstehende Winterfest im Park vor. "Wir hatten angefangen, die Bude für den nächsten Tag einzuheizen", sagt der Saarländer. "Theoretisch hätte nichts passieren können." Der Lehmkuppelofen hatte einen gekalkten Rauchfang sowie einen Rauchkasten aus Holz. Doch ein Funke verirrte sich an jenem Samstag vor zwei Jahren, kurz vor 15 Uhr, über den Abzug ins Dachgeschoss und setzte das Reetdach des hochmittelalterlichen Handwerkerhauses in Brand.

Sieben Jahre Arbeit vernichtet

Christian Peter, den im Geschichtspark alle nur Pepe nennen, erinnert sich lebhaft: "Ich stand unter dem brennenden Dach." Die drei Bewohner und Helfer versuchten, so viel Inventar und Möbel zu retten wie möglich. Doch viele Werkzeuge und Geräte fielen dem Feuer zum Opfer. Am Ende konnte der 44-Jährige nur noch zusehen, wie alles, was er in sieben Jahren mühevoll mit eigenen Händen aufgebaut hatte, in Flammen aufging. Mehr als 1000 Arbeitsstunden steckten in dem Gebäude.

Der Wert der persönlichen Ausrüstung beziffert Pepe auf 1000 Euro. Insgesamt liegt der Schaden am Gebäude durch den Brand bei 10.000 Euro. Verletzte gab es keine. Zwar konnten die 60 Einsatzkräfte von fünf verschiedenen Feuerwehren das Feuer schnell unter Kontrolle bringen. Dennoch brannte der Dachstuhl komplett ab. Durch das Löschwasser wurden die Lehmwände arg in Mitleidenschaft gezogen. "Es war furchtbar", sagt der Saarländer. "Ich war mit den Nerven am Ende und kurz davor, alles hinzuschmeißen." Doch Pepe fasste sich ein Herz. "Wir bauen das wieder auf - und zwar besser und schöner als vorher."

Museumskonzept hinterfragt

Die Folge des zweiten Brandes innerhalb von 14 Monaten entfachte zudem eine Diskussion um die Sicherheits- und Brandschutzauflagen in der Mittelaltersiedlung, erinnert sich Stefan Wolters, wissenschaftlicher Leiter der Einrichtung. "Unser komplettes Brandschutzkonzept stand auf dem Prüfstand, die Nutzung der Rekonstruktionen wurde komplett hinterfragt."

Letzten Endes konnte aber in vielen intensiven Gesprächen mit dem Landratsamt eine Lösung gefunden werden. Im neuen Nutzungskonzept gelten nun strenge Regeln. Das neue Gebäude habe etwa anstatt eines Strohdaches ein Holzschindeldach, spricht Wolters von einem Kompromiss. Belebt werden dürfen die 22 Wohnhäuser im Freilandmuseum nur von Haus-Paten und deren Teams. In Häusern mit Strohdach muss das offene Feuer beaufsichtigt und nachts muss es gelöscht werden.

Mit dieser Regelung ist der wissenschaftliche Leiter sehr zufrieden: "Es war eine Menge Erklärarbeit. Aber wir sind aus einer Grauzone herausgekommen und haben nun ein komplett sicheres Konzept für die Nutzung."

Haus wieder bewohnbar

Christian Peter ist gut vernetzt und bekam beim Wiederaufbau Hilfe aus Baden-Württemberg, der Schweiz und aus Tschechien. Vom Fachwerk bis hin zu den Lehmwänden bauten die Darsteller alles selbst. Nur bei der Dachkonstruktion hatten sie Hilfe einer professionellen Firma. Zwei Jahre nach dem Brand ist das Handwerkerhaus, eine von 30 Rekonstruktionen im Freilandmuseum, wieder aufgebaut. "Es fehlen zwar noch viele Details, aber das Haus ist wieder bewohnbar", erklärt er. Es fehlen noch weitere Möbel, der Steinfußboden muss noch überarbeitet werden, vor dem Eingang soll ein Bohlenweg entstehen, der Kamin soll noch bemalt werden, einen Hühnerstall und eine Außenwerkstatt will der Haus-Pate noch bauen.

So originalgetreu wie möglich

Der 44-Jährige geht diesem Hobby seit 1995 nach und nimmt es dabei akribisch genau. "Wir versuchen, ein möglichst genaues und authentisches Bild der damaligen Realität abzubilden." Das beginnt bei selbst genähter Kleidung, geht über die Nutzung von Werkzeugen von damals bis hin zum Essen. 2012 besuchte Pepe den Geschichtspark das erste Mal. "Ich hatte von dem Projekt in Bärnau gehört", sagt er. Doch der Saarländer war zunächst skeptisch. Er machte viele Erfahrungen, dass der Anspruch an die Authentizität und die Umsetzung oft weit auseinanderklafften. Freunde aus der Pfalz, die in Bärnau die Motte mit belebten, überredeten ihn, ins frühe Mittelalter mitzukommen. "Das Wochenende endete damit, dass wir gleich einen nächsten Besuch ausgemacht haben." Einen Monat später blieb Pepe mit Frau Gertraud und Tochter Karina für eine ganze Woche.

Stefan Wolters, wissenschaftlicher Leiter der Einrichtung, bot dem Darsteller dann eine Patenschaft für das Handwerkerhaus an. "Da musste ich einfach zuschlagen", sagt der heute 44-Jährige. "Das ist eine einmalige Chance, so ein tolles Projekt in dieser genialen Umgebung mitgestalten zu können." Zum fünfköpfigen Team der Bewohner gehören zudem die zwei Knechte Paul und André sowie die Magd Clara.

Im Normalfall versucht der Familienvater, einmal im Monat in die Oberpfalz zu kommen. Ob Sommer oder Winter - das ist ihm egal. "Ich bin kein Schönwetter-Darsteller", sagt Pepe. Dafür nimmt er eine Strecke von 500 Kilometer einfach in Kauf. Auch seinen Urlaub verbringt der Saarländer größtenteils im Mittelalter. Auch der Saarländische Rundfunk wurde vergangenes Jahr auf den 44-Jährigen aufmerksam und drehte im Geschichtspark eine Reportage.

"Lehrreiches Hobby"

An seinem Hobby genießt Pepe "das einfache Leben". Eine Auszeit vom Alltag als kaufmännischer Angestellter, von Fernsehen und Handy. Immer wieder ist er erstaunt, wie wenig man über die alltäglichen Mühen der Menschen, die vor über 700 Jahren lebten, weiß. Wie das ist, erfährt er am eigenen Leib. "Es ist ein sehr lehrreiches Hobby." In Bärnau habe er die Möglichkeit, dieses Hobby auf höchstem Niveau auszuleben. "Was wir da machen, ist experimentelle Archäologie." Besonders in Corona-Zeiten findet es der fachkundige Darsteller schade, wie wenig Unterstützung das größte mittelalterliche Freilandmuseum seiner Art im deutschsprachigen Raum vonseiten des Staates bekomme. "Ja, es ist ein privates Freilichtmuseum. Aber wir fallen hier durch alle Raster."

Video: Wandergesellen packen im Geschichtspark mit an

Im Januar 2019 brannte zum zweiten Mal ein Haus im Geschichtspark

Bärnau

Wie es nach dem Brand weiterging

Bärnau

Zum Filmbeitrag des Saarländischen Fernsehens

Hintergrund:

Betriebsbedingungen angepasst

  • Bis 2019 war aufgrund der Nicht-Einhaltbarkeit heutiger Brandschutzbestimmungen der längere Aufenthalt von Personen in den Hütten - besonders das Übernachten - grundsätzlich verboten.
  • Die Verantwortlichen machten deutlich, dass es für wissenschaftliche Arbeit sehr wichtig ist, dass zumindest einzelne Gebäude über die Museumsöffnungszeiten hinweg bewohnt werden können - mit Übernachtungen in beschränktem Rahmen.
  • Dazu forderte das Landratsamt ein Konzept, das die künftige Nutzung sowie Brandschutzmaßnahmen näher beschreibt.
  • Ende Juni 2019 wurde der Bauantrag des betreibenden Vereins "Via Carolina" zur „Umnutzung von Rekonstruktionen für museale Zwecke in Gebäuden für Forschungszwecke" genehmigt. In einzelnen Gebäuden ist es also einem ausgewählten und begrenzten Nutzerkreis erlaubt, in den Hütten zu übernachten.
  • Grundlage dieser Baugenehmigung war ein Brandschutznachweis, der durch einen Prüfsachverständigen für Brandschutz bescheinigt wurde, teilt das Landratsamt auf Nachfrage mit. Umfassende Nebenbestimmungen regeln, unter welchen Auflagen einzelne Gebäude genutzt werden dürfen.

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