22.09.2020 - 12:21 Uhr
BärnauOberpfalz

Geschichtspark ist Ausrichter des deutschen Jan-Hus-Fernwanderwegs

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Als Jan Hus von Prag nach Konstanz zum Konzil reiste, kam er vor dem Passieren der Grenze durch Bärnau. Ein Fernwanderweg soll an seinen schweren Weg ohne Rückkehr erinnern.

Vielleicht ist Jan Hus hier vorbeigekommen, wo heute Ilona Hunsberger und Charles Herold gerade durch den Geschichtspark laufen. Sicher ist, sein Weg führte auch durch Bärnau.
von Ulla Britta BaumerProfil

Dreimal in unterschiedlichen Auslegungen hat die Theatergruppe Bärnau-Tachov auf der Freilichtbühne Bärnau das Leben und Wirken des großen tschechischen Reformators Jan Hus inszeniert. Eine Nebenrolle spielte immer auch die politische Geschichte von Jan Hus, der von seiner Reise von Prag nach Konstanz nie mehr heimkehrte. Im Juli 1415 wurde der Reformator in Konstanz als Ketzer verbrannt. In Tschechien gilt er seither als Nationalheiliger, aber seine Spuren haben sich auch in Deutschland bis heute nicht verloren.

Von Bärnau bis Konstanz

Damit auch weiterhin an Jan Hus gedacht wird, soll ein Fernwanderweg an die Reise des Reformators erinnern. 250 Kilometer lang ist die Strecke auf tschechischer Seite, auf deutscher Seite folgen 150 Kilometer. Der Jan-Huns-Wanderweg gehört zum europäischen Netzwerk "Routes of Reformation", einer aus acht europäischen Ländern bestehenden Partnerschaft. Auf tschechischer Seite, erklärt Ilona Hunsperger, Mitarbeiterin im Geschichtspark, seien die Planungen weit fortgeschritten. Ausgegangen von der "deutsch-tschechischen Vereinigung der Städte mit hussitischer Geschichte und Tradition" folge aktuell die Wegweiterführung in Deutschland. "Die Verantwortlichen dieser Vereinigung suchten Partner in Deutschland und haben sich an uns gewandt", so Hunsperger. Gemeinsam mit Projektleiter Charles Herold rekonstruierte sie den Weg von Jan Hus ab Bärnau bis Konstanz.

Reise auf der Goldenen Straße

Beide betonen ausdrücklich: Die Reiseroute des Reformators auf deutscher Seite gibt es längst als Fernwanderweg. "Jan Hus ist auf der Goldenen Straße gereist. Der mittelalterliche Handelsweg ist eine Fernwanderroute", so Hunsperger. Schwieriger gestalte sich auf tschechischem Boden die Spurensuche. "Auf tschechischem Weg musste sich Jan Hus vor Verfolgern verstecken. Seine Wege waren geheim." Für die Projektkollegen aus Tschechien sei es deshalb weit komplizierter, die Jan-Hus-Reise nachzuvollziehen.

Auf deutscher Seite bleibt Jan Hus' Route die Goldene Straße, es wird kein extra Logo für den neuen Wanderweg installiert, so die Geschichtspark-Mitarbeiterin. Jan Hus habe seinen Fuß auch auf Teilbereiche der berühmten Pilgerstrecke Jakobsweg gen Spanien gesetzt, wusste Hunsperger. "Es soll aber kein Pilgerweg werden", betont sie zum neuen Fernwanderweg.

Die Hauptaufgabe für die Geschichtspark-Mitarbeiterin und den Projektleiter besteht in der Öffentlichkeitsarbeit und Vermarktung des neuen Wanderwegs. "Fürs geschichtliche haben den Historiker Rainer Christoph an Bord. Er kennt sich mit Jan Hus hervorragend aus", freut sich Hunsperger über die fachkundige Unterstützung.

Testwanderung abgesagt

Auch der Austausch über den Jan-Hus-Fernwanderweg mit den Organisatoren aus Tschechien sei für die Beiden wichtig. Wegen der Corona-Pandemie musste eine geplante Wanderung mit den tschechischen Projektpartnern abgesagt werden. Die Verantwortlichen wollten die Infrastruktur entlang des Wanderwegs testen. "Der letzte Weg des Reformators wird von zahlreichen Kirchenbauten gesäumt, was neben dem Naturerlebnis auch die spirituelle Seite beim Wandern auf den Spuren von Jan Hus anspricht", sagt Herold.

Auch für Einheimische

Hunsperger und Herold arbeiten an Workshops und mehrtägigen Wanderungen zum Thema Jan Hus. So hätten auch Einheimische einen Anreiz, auf Teilstrecken mehr über die Gesichte ihrer Heimat zu erfahren. Das Projekt soll bis 2022 verwirklicht werden. Eine Markierung für den gesamten Weg sei bereits in Arbeit. An markanten Stellen werden auch Stationen, die auch mit der Lehre des Reformators im Kontext stehen, zu finden sein. Auch die sogenannten Meilensteine sollen darauf fortgeführt werden. Derzeit existieren 35 davon. Im Gespräch sind die Projektmitarbeiter mit weiteren Gemeinden über Amberg-Sulzbach bis zur mittelfränkischen Grenze, um noch weitere Meilensteine im Sinne des Gedenkens an Jan Hus zu installieren. Ein zweisprachiger Kultur- und Wanderführer liefert Erklärungen zu den künstlerisch gestalteten "Meilenstein"-Skulpturen.

Zu Fuß von Prag nach Konstanz auf einem durchgehenden ausgeschilderten Wanderweg

Bärnau
Mit einem Prospekt kann bereits die Wegstrecke des Reformators von Bärnau aus nach Prag verfolgt und erwandert werden. Natürlich werden die Wegführungen noch komplett in beiden Ländern ausführlich beschrieben.
Die Aussicht, die Ilona Hunsperger und Charles Herold vom Seminarraum des Verwaltungsgebäudes im Geschichtspark Bärnau-Tachov genießen, hatte wahrscheinlich auch der tschechische Reformator Jan Hus auf seinem Weg nach Konstanz. Sicher ist, dass er in Bärnau vorbei gekommen ist. Deshalb führt der Jan-Hus-Fernwanderweg auch hier vorbei.

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