05.05.2021 - 21:18 Uhr
BärnauOberpfalz

Anwohner lehnen Ziegler-Werk in Bärnau ab

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Mit einer Unterschriftenliste wehren sich die Anwohner vom Kellerberg gegen das geplante Werk der Ziegler-Group in Bärnau. Das Unternehmen bietet in einer Stellungnahme sachliche Informationen.

Links der Umgehung und oben begrenzt durch die Straße nach Hermannsreuth ist das Industriegebiet vorgesehen. Doch die geplante Werksansiedlung der Ziegler-Group findet auch Kritik.
von Werner Schirmer Kontakt Profil

Das Wohngebiet "Am Kellerberg" in Bärnau war von einer ruhigen Lage gekennzeichnet. Eine Beeinträchtigung hat schon die Umgehung ergeben. Den geplanten Bau einer Fabrikanlage der Ziegler-Group wollen die Anwohner nicht mehr hinnehmen.

In einem Schreiben an Bürgermeister Alfred Stier und den Stadtrat haben die Bewohner des Gebiets "Am Kellerberg" ihre Bedenken gegen das geplante Sondergebiet "Am langen Rain" zusammengefasst. Der Brief wurde am Montag im Rathaus abgegeben, unterschrieben von allen 45 Anwohnern.

Dabei verweisen sie, dass schon der Bau der Umgehung zu einer beträchtlichen Erhöhung der Lärmbelästigung in dem "bis dahin sehr idyllischen und ruhigen Wohngebiet" geführt hätte. Mit der geplanten Werksansiedlung werde das Verkehrsaufkommen und damit auch der Lärm zunehmen. Schließlich müssten die Holzfaser-Dämmplatten weitertransportiert werden.

"Dauerbeschallung befürchtet

"Dies wird den Verkehrslärm massiv erhöhen und wir befürchten ähnliche Lkw-Konvois, wie sie von Wiesau Richtung Betzenmühle permanent unterwegs sind", schreiben die Anwohner. Besonders befürchtet wird von den Kellerberg-Anwohnern eine "Dauerbeschallung" durch die Betriebsanlagen. Ein Werk mit Gebäuden mit Bauhöhen von teilweise bis 50 Meter könnte nicht lautlos arbeiten. "Sollte überdies in Schichtbetrieben gearbeitet werden, sei die Lärmbelästigung pausenlos und daher völlig inakzeptabel". Schließlich würde das Vorhaben auch zu einer Wertminderung der "mit großer Liebe, viel Eigenleistung und großen finanziellen Herausforderungen" hergerichteten Häuser führen.

Die Unterschriftenliste der Anwohner haben Franz Bäuml (links) und Josef Fischer am Montag bei der Stadt abgegeben.

Ruhiges Gewerbe Auslegungssache

Ebenso bemängeln die Anwohner eine geplante Veränderung der Fläche zwischen Kellerberg und Umgehungsstraße in einen Bereich, in dem auch "ruhige" Gewebe sich ansiedeln könnten. Gerade dieser Begriff sei "reine Auslegungssache". Einer geplanten Änderung des Flächennutzungsplans in diesem Bereich wollen die Anwohner ebenfalls widersprechen.

In dem Schreiben an die Stadt fragen sie unter anderem: Was ist der Mehrwert für die Bürger? Wer ersetzt uns den Wertverlust? Wie viele der erwarteten 74 neuen Arbeitsplätze werden tatsächlich von Bürgern aus Bärnau besetzt?

Von einigen Bärnauern wurde ein Bürgerbegehren auf den Weg gebracht

Bärnau

Bei ihrer Ablehnung des Sondergebiets listen die Anwohner aber nicht nur persönliche Gründe auf. Gegenüber Oberpfalz-Medien verweisen sie auf die Bekanntmachung auf der Internetseite der Stadt. Bei den Unterlagen zur Flächennutzungsplanänderung wird in der Begründung mit Umweltbericht beim Punkt B.2.2.9 geschrieben, dass die Planung voraussichtlich "zu erheblichen Auswirkungen auf das Schutzgut (Mensch und seine Gesundheit)" führt. Durch das Schmutzwasser in der gemeindlichen Kanalisation fürchten die Anwohner Mehrkosten für alle Bürger. "Wir ersuchen Sie daher eindringlich, sich unsere Bedenken zu Herzen zu nehmen und von diesem Industriegebiet Abstand zu nehmen. Noch ist es nicht zu spät", appellieren die Anlieger an Bürgermeister und Stadtrat.

Reaktion der Ziegler-Group

In der laufenden Diskussion um die Betriebsansiedlung nimmt die Ziegler-Group in einer Pressemeldung Stellung. Dabei verweist das Unternehmen, dass in Gesprächen mit der Stadt eine Industriefläche für eine mögliche Ansiedlung angeboten wurde. Nach internen Abstimmungen hätte man den Entschluss gefasst, ein Holzfaser-Dämmplatten-Werk in Bärnau zu errichten. Absicht sei es, "ein nachhaltiges Produkt in der Region zu produzieren, ganz in Einklang mit den Zielen der Ökomodellregion Stiftland (u.a. Nachhaltigkeit durch kurze Transportwege)". Die jetzt angestrebte Befragung der Bärnauer Bevölkerung werde seitens des Unternehmens unterstützt. "Jedoch sehen wir uns Behauptungen gegenüber, welche wir so nicht stehen lassen können, da ein falsches Bild vermittelt wird", heißt es in der Information.

Drei Millionen Euro Gewerbesteuer

Erneute Investitionen hätten auch keine direkte Auswirkung auf die Gewerbesteuer, stellt das Unternehmen heraus. "Die Stadt wird durch unser Werk von jährlich rund drei Millionen Euro Gewerbesteuereinnahmen profitieren", versichert die Ziegler-Group.

Ein weiterer Punkt sei der Wasserverbrauch und eine mögliche Belastung der Kanalisation. Im Zuge eines nachhaltigen Produktionsprozesses werde der Wasserverbrauch zum größten Teil durch aufbereitetes Regenwasser sowie durch Aufbereitung der Produktionsabwässer gedeckt. Der Investitionsanteil für die Wasseraufbereitung liege bei rund sechs Millionen Euro. Durch diese Maßnahme würden sich die Abwässer auf die sanitären Anlagen beschränken.

Zum Landschaftsbild sei es unstreitig, dass es sich um einen Industriebetrieb handelt, der dementsprechend sichtbar ist. Im Laufe des Planungsprozesses seien zur besseren Einbindung in die Landschaft die Höhen signifikant reduziert worden. Darüber hinaus würden Maßnahmen zur Fassadengestaltung, die Anbringung von PV-Anlagen sowie eine mit heimischen Gehölzen abgestimmte Eingrünung erfolgen, um eine bestmögliche Integration ins Landschaftsbild zu realisieren.

Kaum Geräuschaufkommen

Zur Lärmbelastung erläutert das Unternehmen, dass am Standort Holz-Hackschnitzel verarbeitet würden, die gleich zu Beginn des Produktionsprozesses mit Wasserdampf aufgeweicht und aufgefasert werden. Aufgrund des Materials sei das Geräuschaufkommen kaum erwähnenswert. Als zusätzlicher Lärmfilter fungiere die längsseits der Straße ausgerichtete Lagerhalle. Da der Ladeverkehr nur zur Tagzeit auf dem Gelände stattfindet, sei auch die Lichtverschmutzung sehr gering. Während der Nacht werde es auf dem Betriebsgelände lediglich eine Notbeleuchtung zur Sicherheit geben. Das Verkehrsaufkommen beschreibt die Ziegler-Group mit fünf bis sechs Lastwagen pro Stunde, die nur tagsüber fahren.

Zu den geplanten Arbeitsplätzen stellt das Unternehmen heraus, dass für eine Produktion mit modernstem Maschinenpark qualifizierte Mitarbeiter auf allen Ebenen benötigt würden. Insgesamt rechnet der Betrieb mit 80 bis 100 neuen Arbeitsplätzen. "Neben unternehmerischem Engagement sind wir an unseren Standorten auch gesellschaftlich engagiert, wie zum Beispiel aktuell beim Neubau eines Kindergartens in Wiesau", teilt die Ziegler-Group weiter mit.

Entscheidung wird akzeptiert

Und weiter: "Einem Bürgerentscheid stehen wir daher positiv gegenüber, da uns die Zustimmung der Bevölkerung wichtig ist. Sofern unser Vorhaben keine Zustimmung findet, so wird dies von uns auch akzeptiert und wir werden uns zeitnah nach Alternativen umsehen." Entwürfe und umweltrelevante Informationen seien öffentlich zugänglich und könnten auf der stadteigenen Internetseite jederzeit abgerufen werden.

Hintergrund:

Bürgermeister bietet Ratsbegehren und Anwohner-Information

Bei der "Informationspolitik" zum Thema Betriebsansiedlung durch die Ziegler-Group versichert Bürgermeister Alfred Stier große Transparenz.

  • So hat der Bürgermeister sofort auf die Unterschriftenliste der Anwohner am Kellerberg (eigener Bericht) reagiert. Den Oberpfalz-Medien teilte Stier mit, dass eine eigene Anwohner-Informationsveranstaltung am Freitag, 7. Mai, um 18 Uhr auf der Freilichtbühne stattfinden soll. Dabei will sich auch ein Vertreter des Unternehmens den Fragen der Bürger stellen.
  • Einen ungewöhnlichen Weg schlägt die Stadt beim geplanten Bürgerbegehren zu dem Industrieprojekt ein. Laut Alfred Stier hat die Stadt den Initiatoren angeboten, anstelle des Bürgerbegehrens ein sogenanntes Ratsbegehren durchzuführen. Dabei soll sogar die Fragestellung übernommen werden: „Sind Sie dafür, dass das laufende Bebauungsplan- und Flächennutzungsplanverfahren der Stadt Bärnau für das geplante Sondergebiet ‚Am langen Rain‘ mit der Zweckbestimmung ‚Holzverarbeitende Betriebe‘ unverzüglich eingestellt wird?“ Vorteil eines Ratsbegehrens sei, dass sich die Stadt um die Durchführung kümmert. Mit dem Angebot überrascht der Bürgermeister nicht nur die Initiatoren. „Mehr Demokratie geht nicht“, beschreibt Stier die Absicht seines Angebotes.

 

 

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