25.07.2021 - 10:55 Uhr
Bad NeualbenreuthOberpfalz

Erbitterter Streit um besten Nutzwald bei Bad Neualbenreuth

Das frühere Schutzhaus am Tillenberg wird wohl vorerst nicht mehr aufgebaut. Dies inspirierte Rektor a. D. und Heimatforscher Meinhard Köstler zum tiefen Blick in die Historie. Dabei kommen spannende Geschichten und Fakten ans Licht.

Vom früheren Tillenberghaus sind nur mehr die Grundmauern übrig geblieben. Rektor a. D. und Heimatforscher Meinhard Köstler hat im Zusammenhang mit dem einige Zeit geplanten Wiederaufbau interessante Geschichten ausgegraben.
von Externer BeitragProfil

Meinhard Köstler findet es sehr schade, dass die Arbeit der Egerer Bürgerinitiative „Život na Dylen“ nicht erfolgreich war und der Plan zum Wiederaufbau des ehemaligen Schutzhauses am Tillenberg zunächst auf Eis gelegt ist. "Aber dieses Eis wird spätestens dann schmelzen, wenn die derzeit betonartigen Politstrukturen in Tschechien so nicht mehr sind", schreibt der Geschichtsforscher und Kenner des Geschehens bayerisch-böhmischen Grenzregion.

"Keine Kommune und kein Politiker wird sich auf Dauer jenen Voraussetzungen versagen, wie sie der Tillenberg mit seinem historisch und touristisch außergewöhnlichen Potential zu bieten vermag", so Köstler und fügt hinzu: "Momentan ist halt die Zeit dafür noch nicht reif." Köstler bezieht sich auf einen Beitrag in Oberpfalz-Medien: Darin war über den Verzicht auf den Wiederaufbau durch die Bürgerinitiative berichtet worden.

Erbitterter Streit um Nutzwald

Nach Einschätzung von Köstler hätte es größte Schwierigkeiten gegeben, wenn der Kauf des „Rindelwiesen“-Areals 1925 durch den Deutschen Alpenverein Eger 80 Jahre früher beabsichtigt gewesen wäre. "An der äußersten Ostecke des Gemeindegebiets Bad Neualbenreuth im Umkreis von etwa 400 Metern des heutigen Hauptgrenzsteins 8 tobte nämlich schon seit fünf Generationen ein erbitterter Streit um etwa 7 Hektar besten Nutzwald."

Die Kampfhähne waren laut Köstler vier bayerische Neualbenreuther Waldbauern und die österreichische Fürst-Metter-nich’sche Forstverwaltung in Königswart. Letztere beanspruchte als Nordgrenze bergab die Linie „Hauptstein 8/9 am Sauweg“, die Bauern jene bergauf von der Rinnlquelle bis zum Königsstein. Diese ungelöste „Irrung“ war im Zuge der Fraisch-Purifikation die härteste Nuss des gesamten Staatsvertrags.

Das Machtwort des Königs

König Max II. von Bayern, durch die zu schaffende lineare Nationalstaatsgrenze im Zugzwang, musste ein Machtwort sprechen. Dessen Ergebnis bekam im Staatsvertrag von Wien mit Artikel 7 angesichts der Wichtigkeit seinen eigenen Platz: „Durch diese Grenzbestimmung erledigt sich zugleich jene Irrung, welche bisher am Dillenberge bezüglich des Laufes der Landesgrenze vom sogenannten Rinnelbrunnen bis zum Königsstein nach Angabe des gemeinschaftlichen Commissionsprotokolls vom 13. Januar 1844 bestanden hatte und nun in der Art verglichen ist, dass die Landesgrenze in der von Böhmen angesprochenen Richtung königlich bayerischer Seits vorbehaltlich der bestehenden Privatrechtsverhältnisse, anerkannt und durch die Grenzmarken vom Hauptstein N° 48 (heute 8) bis zum Läuferstein N° 225 (Königsstein) bezeichnet worden ist.“

Dieser internationale Schlussstrich fiel zugunsten Österreichs aus. Die Neualbenreuther Bauern Wolf Strizl (Flurnummer 1179; 2,9 Hektar, teilweise an das Egerer Kloster St. Klara verkauft), Thoma Frank ( Flurnummer 1178; 2,2 Hektar), Lorenz Petterhänsl (Flurnummer 1179/2; 0,25 Hektar) und Mathias Planer (Flurnummer 1182; 1,6 Hektar) hatten das Nachsehen. 15 Tagwerk bestens gepflegter Wald waren für immer verloren. Ob eine Entschädigung erfolgte, könnte in den alten Hofakten der derzeitigen Besitzer der jeweiligen Flurnummern oder in den Liquidationsprotokollen von 1850 stehen.

Wasser über die Staatsgrenze

Die Information, wonach das Tillenschutzhaus sein Wasser aus der Quelle des Granatbrunnens bezogen habe, hält Köstler „für unwahrscheinlich, weil technisch fast unmöglich“, wie er schreibt. „Das Höhenniveau zwischen Quelle und Verbraucher ist gleichbleibend, manchmal sogar ansteigend.“ Nach Einschätzung von Köstler wäre auch eine Quellenfassung am Granatbrunnen und eine 1100 Meter lange Wasserleitung nötig gewesen, die zur Wahrung wenigstens des Null-Niveaus ständig die Staatsgrenze hätte überspringen müssen. „Weder in den Grenzakten noch in der Landschaft bin ich darauf gestoßen“, so der frühere Rektor und Heimatforscher.

Überzeugender ist jedoch, dass die Rinnlquelle samt einiger Nebenquellen um den ehemaligen „Kammerwagenstein“ angezapft worden war. Das „Rinnl- Bächl“ 160 Meter bergauf konnte sicheres Wasser mit wenigstens 20 Prozent Gefälle für ordentlichen Brauchwasserdruck liefern, erläutert Köstler und fügt hinzu: „Und – es blieb immer auf böhmischem Grund.“

Tillenschutzhaus als Modell

Wenn das Tillenschutzhaus in nächster Zeit schon nicht im Original besichtigt werden kann, so ist es derzeit im Gelände des Grenzlandturmes zu sehen. Im Rahmen des Geschichts- und Sagenwanderweges hatte auf Meinhard Köstlers Initiative hin Schreinermeister Willy Zintl 1989/90 nach alten Fotos ein Holzmodell im Maßstab 1 : 6 erstellt. Die Miniatur-Maurerarbeiten waren vom damaligen Turmpächter Josef Becker, von Waldemar Köstler, Ludwig Zeitler und Franz Weber vom OWV ausgeführt worden.

Für die Behauptung, bei dem Rinnsal am Ringelstein hinter Ottengrün handle es sich um den Rinnlbrunnen im zitierten Staatsvertrag, konnten keine Belege gefunden werden. Der in den „historischen Wanderrouten“ dort propagierte Sachverhalt habe mit der Bereinigung der bayerisch-österreichischen Grenze 1844/45 in 7 Kilometer Entfernung nichts zu tun, ist Köstler überzeugt.

Am Ringelfelsen habe es nichts zu bereinigen gegeben, erklärt Köstler und liefert folgende Erläuterung: „,Ringel-‘/,Rinnel-‘ kommt von ,Gerenne‘. Das sind alle durch Bergbaumaßnahmen ober- und unterirdisch verursachten Wasserführungen. Und Bergbau hatte es im Schachtener Holz zu Hauf gegeben.“

Bad Neualbenreuth

"Momentan ist halt die Zeit dafür noch nicht reif."

Meinhard Köstler über den Wiederaufbau des Tillenschutzhauses

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