15.03.2021 - 10:24 Uhr
AuerbachOberpfalz

Schafriss bei Michelfeld geschah durch Jungwolf

Diesen Artikel lesen Sie mit
Alle Informationen zu OnetzPlus

Dass es ein Wolf war, der am 8. Februar bei Michelfeld (Stadt Auerbach) ein Schaf gerissen hatte, hat das Landesamt für Umwelt (LfU) bereits bestätigt. Jetzt liefert die Genanalyse noch weitere Erkenntnisse zu dem Tier.

Dieser Foto-Nachweis einer Wölfin mit Gesäuge entstand am 5 Mai 2020 im Veldensteiner Forst. Dort ist seit 2018 ein Wolfsrudel beheimatet. Auch 2020 gab es wieder Nachwuchs.
von Markus Müller Kontakt Profil

Als am 8. Februar in der Nähe von Michelfeld-Bahnhof ein totes Schaf aus der Herde von Wanderschäfer Markus Schreiner gefunden wurde, deutete einiges darauf hin, dass ein Wolf es gerissen hatte. Zweifelsfrei stand das allerdings erst fest, nachdem die genetischen Proben, die ein Experte des Netzwerks Große Beutegreifer genommen hatte, ausgewertet waren. Danach konnte das Landesamt für Umwelt bestätigen: Ja, ein Wolf hat das Schaf erlegt. Es hatte sich über Nacht abseits der von Herdenschutzhunden bewachten Herde aufgehalten, nachdem es auf unbekannte Weise den Schutzzaun überwunden hatte.

Die Bestätigung des Wolfsrisses durch das Landesamt für Umwelt

Auerbach

„Eine weitergehende Analyse des gewonnenen Genmaterials soll Aufschluss über Geschlecht und mögliche Herkunft des Tieres bringen“, ergänzte ein Sprecher des Landesamtes in der Pressemitteilung vom 18. Februar.

Hintergründe zum Wolfsriss bei Michelfeld am 8. Februar

Auerbach

Bisher nicht nachgewiesen

Die Auswertung der Genspuren liegt inzwischen vor. Ergebnis: Der Schafsriss erfolgte durch einen bisher nicht anderweitig nachgewiesenen Nachkommen des Rudels aus dem angrenzenden Veldensteiner Forst. Dieser Wolf hat vom Landesamt die individuelle Bezeichnung GW1968f bekommen, wobei „f“ für weiblich steht.

Diese Form der Benennung ist bei Wölfen so üblich. So hat etwa der Wolf, der Ende 2020 mehrfach im Landkreis Tirschenreuth nachgewiesen wurde, die Bezeichnung GW1968m (also ein männliches Tier). Eine Wölfin, deren Losung man Anfang 2021 ebendort fand, konnte als Jährling aus dem Elternrudel im Veldensteiner Forst identifiziert werden und firmiert beim LfU als GW1611f.

Zu den im Landkreis Tirschenreuth nachgewiesenen Wölfen

Mitterteich

Ob das weibliche Tier GW1968f, das bei Michelfeld unterwegs war, allerdings aus dem Wurf des Jahres 2020 stammt oder aus dem von 2019, das ist aus der genetischen Analyse nicht herauszulesen.

Erster Nutztierriss

Das getötete Schaf war der erste gesicherte Riss eines Nutztieres durch einen Wolf im Landkreis Amberg-Sulzbach, seit die Wölfe nach Bayern zurückgekehrt sind. Mitte Februar fand zudem ein Landwirt auf einer Weide im oberen Pegnitztal in der Nähe von Velden (Landkreis Nürnberger Land) ein erst in der Nacht zuvor geborenes totes Kalb, das deutliche Rissspuren aufwies. Auch hier galt zunächst ein Wolf als möglicher Verursacher. Die DNA-Proben erhärteten den Verdacht allerdings nicht. Vom LfU heißt es, dass „die Begutachtung keine Hinweise auf die Beteiligung eines großen Beutegreifers“ lieferte. Wer stattdessen beteiligt war, kann die Behörde aber auch nicht sagen: „Die genaue Todesursache des Kalbes aus dem Fall vom 14. Februar 2021 wurde nicht ermittelt. Das Tier wurde nicht zur pathologischen Untersuchung freigegeben.“

Michelfeld und Velden galten zunächst als „die ersten Fälle dieser Art, die dem LfU für diese Region gemeldet wurden“. Ein Sprecher des Amtes wollte auf dieser Basis noch keine Tendenz herauslesen.

Wölfe dringen in Gehege ein

Inzwischen haben sich jedoch zwei weitere Vorfälle ereignet, bei denen es aufgrund der Spurenlage als ziemlich sicher gilt, dass Wölfe Nutztiere erlegt haben. Beide Male waren Orte am Rand des Veldensteiner Forts betroffen. Und auch hier wären es für den Landkreis Bayreuth die ersten belegten Nutztierrisse durch Wölfe.

Am 27. Februar entdeckte ein Wildtierhalter in Riegelstein (Stadt Betzenstein/Landkreis Bayreuth) in seinem mit 26 Tieren besetzten Wildgehege, dass drei der Rothirsche und vier Mufflons tot waren. Die sichtbaren Spuren deuteten auch nach Auffassung des LfU darauf hin, dass in der Nacht ein Wolf in das umzäunte Gelände eingedrungen war und die Tiere gerissen hatte.

Gleiches gilt für das Geschehen in der Nacht auf den 3. März nur etwa einen Kilometer weiter im Betzensteiner Ortsteil Illafeld. Dort steht ein Damwildgehege. Darin fielen 18 von 65 gehaltenen Tieren einer Wolfsattacke zum Opfer. 13 davon waren trächtig. Aufnahmen einer Wildtierkamera lassen nach Angaben der Deutschen Presseagentur auf drei bis vier Wölfe schließen, die ein Loch unter dem Zaun gruben und in das Gehege eindrangen. Auch ein speziell verstärkter Wildgatterzaun konnte sie nicht davon abhalten, da ein Untergrabschutz und eine elektrische Sicherung fehlten.

Zu den Wolfsrissen bei Betzenstein

Deutschland & Welt

"Wolfssichere Zäune"

Seitdem ist bei Landwirten und Wildtierhaltern die Diskussion um wolfssichere Zäune in Gang gekommen. Der geschädigten Familie in Riegelstein hatten Freiwillige und Mitarbeiter des LfU sehr schnell geholfen, einen mobilen Elektrozaun um das 3,5 Hektar große Gehege zu installieren. Das hatte Wirkung, wie das LfU in einer Pressemitteilung einige Tage später bestätigte: „Frische Wolfsspuren am Schutzzaun des Wildgeheges belegen die Wirksamkeit der dort installierten Sofortschutzmaßnahmen.“

Die Diskussion um den Wolf nach den Vorfällen bei Betzenstein

Bayern

Die Territorien standorttreuer Wölfe bzw. Wolfsrudel (plus eine „Pufferzone“ mit 15 Kilometern Radius) gelten in Bayern als "Wolfsgebiete im Sinne des Schadensausgleichs". Also etwa auch die Region um den Veldensteiner Forst sowie die Truppenübungsplätze Grafenwöhr und Hohenfels. Alle drei liegen innerhalb der Förderkulisse der „Förderrichtlinie Investition Herdenschutz Wolf“. Nutztierhalter können hier laut LfU Material- und Montagekosten für die Einrichtung wolfsabweisender Zäune zu 100 Prozent gefördert bekommen. Neben der Förderkulisse für Zäune gibt es auch eine räumlich größere für Herdenschutzhunde (siehe dazu die Grafik).

Appell an Nutztierhalter

Schäden, die Nutztierhaltern durch Wolfsrisse entstehen, können zwar durch den Freistaat Bayern kompensiert werden, wenn es ausreichende Präventionsmaßnahmen gab. Doch das LfU weiß auch, wie deprimierend solche Erfahrungen mit Wolfsrissen für die Betroffenen sind, und appelliert deshalb: „Die Nutztierhalter in der Gegend werden dazu aufgerufen, ihre Tiere im Freiland zu schützen.“

Die Förderrichtlinie "Investition Herdenschutz Wolf" ist auf der Homepage des LfU erläutert

Bleibt vorerst nur die Frage, ob GW1968f, also die Wölfin, die bei Michelfeld das Schaf riss, auch zu den Tieren gehörte, die bei Betzenstein in die Wildgehege eindrangen. Dazu allerdings liegen noch keine gesicherten Erkenntnisse vor. Die „Analyse der genetischen Proben am nationalen Referenzlabor“ läuft laut LfU noch.

Hintergrund:

Das Wolfsrudel im Veldensteiner Forst

  • Ausgangspunkt
    Im Winter 2018 fanden in dem 6000 Hektar großen Waldgebiet im Grenzbereich der Landkreise Amberg-Sulzbach, Nürnberger Land und Bayreuth ein weiblicher und ein männlicher Wolf zusammen.
  • Herkunft
    Der Rüde des Elternpaares stammt aus der zentraleuropäischen Tieflandpopulation und war im Februar 2017 bereits auf dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr nachgewiesen worden, von Juli 2017 bis Januar 2018 auf dem Truppenübungsplatz Hohenfels. Das Weibchen stammt aus einem brandenburgischen Elternrudel.
  • Nachwuchs
    Der erste Wurf 2018 umfasste mindestens fünf Welpen. Aus den Jahren 2018 und 2019 konnten insgesamt elf Welpen genetisch identifiziert werden. Im August 2020 gelangen Fotonachweise von vier Jungwölfen.
  • Verluste
    Das Muttertier kam im September 2019 bei einem Verkehrsunfall ums Leben. Auch für zwei Jungtiere ist diese Todesart belegt: am 15. April 2020 bei Neu-Ulm, am 13. Mai 2020 bei Pressath.
  • Verbreitung
    Ein männlicher Wolf aus dem Veldensteiner Forst hat sich (nachgewiesen seit Januar 2020) im Manteler Forst mit einer Wölfin aus Sachsen zusammengetan. Weitere Individuen aus dem Veldensteiner Elternrudel wurden im Februar 2019 im Landkreis Neustadt/WN nachgewiesen, im Oktober 2020 im Landkreis Eichstätt und im Januar 2021 im Landkreis Tirschenreuth.

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.