05.06.2020 - 11:30 Uhr
AuerbachOberpfalz

„Flucht in Farben“: Amirs gefährlicher Weg nach Auerbach

Er hat dramatische Situationen durchlebt, war in der Gewalt von Entführern und musste sich in einem Sarg verstecken. Jetzt lebt Amir in Sicherheit, und doch fehlt ihm etwas ganz Wichtiges. Das alles verarbeitet er beim Malen.

Amir hat die Auerbacherin Marianne Mimler-Hofmann in einem Bild verewigt und ihm den Namen "Die Macherin" gegeben.
von Autor SCKProfil

Im Museum 34 eröffnete Bürgermeister Joachim Neuß im kleinen Rahmen die Sonderausstellung „Flucht in Farben“ mit Malereien und Gemälden von Amir. Der Neu-Auerbacher wurde 1969 in Basra im Irak geboren. Dort wuchs er mit vier Schwestern und zwei Brüdern auf.

2013 floh der Muslim Ahmed Mohammed Yowad Abud Aljazaari vor der Verfolgung in seinem Land. Über Georgien und Griechenland kam er auf einer zweieinhalb Monate währenden Odyssee nach Deutschland. Auf dem Weg dorthin wurde er immer wieder von Islamisten aufgespürt, die ihn bedrohten. Mal entkam er verborgen in einem Sarg, mal übers Wasser nur mit der Hilfe einer Schwimmweste. Immer wieder halfen ihm Christen weiter. Aus Dankbarkeit für ihre Unterstützung konvertierte er zum christlichen Glauben und hört seither auf den Namen Amir.

Nach dem Schulbesuch in Basra arbeitete er mehrere Jahre lang als Elektriker in einer größeren Firma. 1995 wurde er von einer islamischen Bewegung in den Iran entführt. Als er wieder frei kam, kehrte er in seine Heimat zurück und arbeitete erneut über Jahre in den Diensten der Stadt Basra als Elektriker. 2003 machte er sich als verheirateter Familienvater mit vier Kindern selbständig. Er hat drei Söhne und eine Tochter. In seinem Familienbetrieb erledigte er so ziemlich alle anfallenden Arbeiten rund um Wohnhäuser, ob Farbanstriche innen und außen oder Elektrik. Er war sozusagen Maler und Installateur.

Eine erste Station auf seiner Flucht war Georgien, wo er für ein Jahr und zwei Monate lebte. Auf einem Boot kam er nach Griechenland. Mit Zwischenstopps war er von dort insgesamt zweieinhalb Monate unterwegs, bevor er schließlich in Deutschland ankam.

Bei der Eröffnung der Sonderausstellung fungierte Verdi Akdemir als Dolmetscherin, während sich Amir der arabischen Sprache bediente. In Auerbach lebt der 51-Jährige jetzt in einem Ein-Zimmer-Appartement im Caritas-Hochhaus. Seine Familie fehlt ihm sehr. Um auf andere Gedanken zu kommen, hat er vor eineinhalb Jahren die Kznst für sich entdeckt. Wenn er nachts nicht schlafen kann, steht er auf, geht in seine Küche und malt. Dabei verarbeitet er Fluchterlebnisse und gegenwärtige Gefühle. Er vergisst dabei Raum, Ort und Zeit.

In einem Jahr entstanden etwa 250 Bilder. Bei der Sonderausstellung erzählte er über neue Pläne, die er in dieser Zeit gefasst hat: „Meine Ziele für die Zukunft sind bessere Deutschkenntnisse, ein guter Arbeitsplatz und dass ich ein erfolgreicher Maler werde.“

Museumsleiterin Marion Ringl hat aus dem Schaffen Amirs 41 Werke ausgewählt. Obwohl sie Erlebnisse wie seine Entführung, Verfolgung und Flucht, das Alleinsein, die Sehnsucht nach der Familie und das Bangen vor einer ungewissen Zukunft behandeln, zeigen sie eine erstaunliche Farbenfreude in unterschiedlichen Techniken. Sie schmücken den Treppenaufgang ebenso wie ein orientalisch dekoriertes Zimmer. Die Ausstellung „Amir – Flucht in Farben“ kann jeweils zu den Öffnungszeiten der Stadtbücherei besucht werden.

Museumsleiterin Marion Ringl, Dolmetscherin Verdi Akdemir, Bürgermeister Joachim Neuß und Amir im orientalischen Zimmer der Ausstellung.
Das orientalische Zimmer.

Das Museum 34 besitzt auch Hingucker mit Lokalkolorit: Zum Beispiel ein außergewöhnliches Modell des Auerbacher Bahnhofs

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