23.10.2020 - 14:21 Uhr
AuerbachOberpfalz

Auerbach setzt auf Kraft der Sonne

Auf die Dächer der beiden städtischen Kläranlagen kommen Photovoltaik-Anlagen. Darüber herrschte im Stadtrat nahezu Begeisterung. Als allerdings eine PV-Anlage bei den Windrädern zur Sprache kam, lief es nicht ganz so reibungslos.

Das Betriebsgebäude (vorne) und das Technikgebäude (hinten) der Kläranlage Auerbach. Beide werden mit einer Photovoltaik-Anlage auf dem Dach ausgestattet
von Markus Müller Kontakt Profil

Die Stadt Auerbach ist Mitglied im Energieeffizienznetzwerk für Kommunen und hat sich dort beraten lassen, wie sie erneuerbare Energien nutzen kann. Ergebnis: Photovoltaikanlagen auf den weitgehend nach Süden ausgerichteten Dächern der Kläranlagen in Auerbach und Michelfeld – das sind die größten Energieverbraucher in städtischer Zuständigkeit – bringen insbesondere über die Eigenstromnutzung Vorteile. Sie amortisieren sich in zwölf bzw. zehn Jahren, bei einer möglichen Nutzungsdauer von weit über 20 Jahren.

In Auerbach stehen auf zwei Gebäuden der Kläranlage 210 Quadratmeter Dachfläche zur Verfügung, in Michelfeld sind es 100. In Auerbach kann der umweltfreundlich erzeugte Strom zu 97 Prozent selbst verbraucht werden, in Michelfeld zu 100 Prozent. „Den Eigenstrom zu nutzen, ist ja am lukrativsten“, sah Stadtbaumeisterin Margit Ebner darin ein gewichtiges Argument. Hier wie dort decken die PV-Anlagen, die der Stadtrat einstimmig guthieß, knapp zehn Prozent des jährlichen Strombedarfs ab. Die Investition für die Anlagen beträgt 32.000 Euro (Auerbach) bzw. 12.000 Euro (Michelfeld), die jährlichen laufenden Kosten liegen bei 500 bzw. 200 Euro.

„Gut, dass wir hier was für das Klima tun“, lobte Herbert Appl (CSU) die Aktion. Bernd Scheller (Grüne) plädierte dafür, aus der Mitgliedschaft im Energieeffizienznetzwerk noch weitere Vorteile für Auerbach rauszuholen.

14.000 Module

Den Bau einer ungleich größeren PV-Freiflächenanlage südöstlich von Hagenohe leitete der Stadtrat mit seiner einmütigen Zustimmung ein. Die Stadt stellt einen Bebauungsplan auf und ändert den Flächennutzungsplan, damit das Unternehmen Voltgrün Energie bei der mittleren Windkraftanlage tätig werden kann. Was die Erneuerbare-Energie-Experten aus Regensburg dort errichten wollen, firmierte in den Unterlagen mal als „Bürger-PV-Anlage bei den Windrädern“, mal als „Solarpark Ortlesbrunn“.

Dort sollen auf einer Fläche von 6,19 Hektar 14.000 Module mit einer Leistung von je 455 Wp für eine Gesamtleistung von 6,3 MWp sorgen und einen mittleren jährlichen Ertrag von 6,7 Millionen kWh „grünen Strom“ produzieren.

Ferner verriet die Sitzungsvorlage: „Die bisherige Nutzung der Flächen ist landwirtschaftlicher Natur. Die derzeitigen landwirtschaftlichen Pächter sind über die geplante Umnutzung der Flächen informiert.“ Und: „Die dauerhafte Einsehbarkeit von Teilen der geplanten PV-Freiflächenanlage ist somit nur aus Ortlesbrunn, der Ortschaft der Verpächter, zu erwarten.“ Näheres werde ein Blendgutachten klären.

Obergrenze bei 78 Hektar

Herbert Appl (CSU) wollte diesen Tagesordnungspunkt zunächst vertagen, weil er befürchtete, der Stadtrat setze sich mit diesem Einzelbeschluss über die Planung für PV-Anlagen aus dem Jahr 2010 hinweg, die einem gültigen Bebauungsplan gleichkomme. Bürgermeister Joachim Neuß und Stadtbaumeisterin Margit Ebner konnten ihn aber überzeugen, dass sich der damalige Beschluss nur auf eine Einzelanlage bezogen habe. Ansonsten sei 2010 lediglich ein Zielplanung mit Empfehlungscharakter erstellt worden. Eine Festlegung darin: Höchstens ein Prozent des Stadtgebiets darf mit PV-Anlagen bestückt werden, also 78 Hektar. Konkret dafür vorgeschlagen wurden laut Neuß aber nur 48 Hektar. Sie liegen vor allem im Bereich Hagenohe, Ranzenthal, Ortlesbrunn.

Mit „Schwarmfinanzierung“

Voltgrün-Geschäftsführer Toni Frank informierte den Stadtrat, wie er sich die Umsetzung der Anlage vorstellt: mit Bürgerbeteiligung („Schwarmfinanzierung“), aber nur für Gemeindebürger, genau wie bei einem ähnlichen Projekt, das derzeit in Vilseck läuft. Die maximale Beteiligungshöhe bezifferte Frank mit 25.000 Euro. Bei einer möglichen Laufzeit für die Investition von 5, 10 oder 15 Jahren gehe man jeweils von 3,5 Prozent Rendite aus. „Wer dort investiert, hat aber ein gewisses unternehmerisches Risiko, das ist kein Sparbuch“, stellte Frank klar. In mehreren Versammlungen in Auerbach werde Voltgrün die genauen Bedingungen erläutern.

Die Familie Gmelch hat bei Ortlesbrunn bereits ein PV-Anlage errichtet

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