16.07.2021 - 10:30 Uhr
AmmerthalOberpfalz

Streit um Kneippanlage in Unterammerthal

Wieder gibt es Meinungsverschiedenheiten in Ammerthal. Dieses Mal ist die Errichtung eines Kneippbeckens der Grund für den Streit.

Landschaftsarchitekt Christopher Trepesch (Vordergrund) erklärte vor Ort den Anwohnern und Vertretern der UWG die Pläne für ein Kneippbecken in Unterammerthal .
von Gerd SpiesProfil

Wieder ist die Ammerthaler Bürgerschaft bei einem Thema in zwei Lager gespalten. Dieses Mal geht es um die Errichtung eines Kneippbeckens in Unterammerthal. Bei einem Ortstermin ließen besonders die Anwohner ihrem Unmut freien Lauf.

Der Ammerbach soll eine Strukturverbesserung erfahren. Der einst fisch- und wasserreiche Bach fließt nur noch als kümmerliches Rinnsal durch Ammerthal Richtung Vils. Ein bereits im Jahr 2015 erstellter Gewässerentwicklungsplan beinhaltet zahlreiche Maßnahmen, wie dem Bach wieder auf die Sprünge geholfen werden kann. Dieses Thema stand auch bei der letzten Gemeinderatssitzung auf der Tagesordnung.

Mit Unterstützung des Amberger Landschaftsarchitekten Christopher Trepesch plant nun die Gemeinde als erste Maßnahme, den Bach in Unterammerthal auf einem wenige Meter großen Teilstück zu renaturieren, zugleich dort mit Hilfe reichlich fließender Fördermittel ein Kneippbecken zu errichten. Davon sind aber besonders die Anwohner in Unterammerthal gar nicht begeistert. Sie befürchten in ihrem beschaulichen Ortsteil große Verkehrsprobleme durch wild parkende Autos.

"Ökologischer Aspekt"

"Wir wollen eine Strukturverbesserung des Ammerbachs", erklärte Trepesch den Anwohnern beim Ortstermin am Montag. Mit einer Bachverengung, die die Fließgeschwindigkeit erhöhen soll, und Störsteinen will man den an dieser Stelle nur wenige Zentimeter betragenden Wasserstand erhöhen, so dass hier auch Fische wieder laichen können.

"Die Maßnahme hat vor allem einen ökologischen Aspekt", ergänzte Horst Schwemmer vom Bund Naturschutz. Auch Michael Scharl, Vertreter des Landesbunds für Vogelschutz und zugleich Sprecher der sogenannten Vilsallianz, sieht in dieser Maßnahme einen Gewinn für den Ammerbach. Trepesch informierte auch, dass ein Großteil der Kosten durch Fördermittel abgedeckt sei. "Um jetzt nach Corona die Leute wieder vermehrt in die Natur rauszubringen, unterstützt der Staat diese Maßnahme sogar mit einem zusätzlichen Fördertopf", erklärte er.

Die Anwohner lehnen aber den Plan einer Kneippanlage vor ihrer Haustür ab. Allen voran Landwirt Karl Wismeth von der nahen Hirnmühle. "Wir Landwirte sehen ein großes Verkehrsproblem auf uns zukommen. Wir wollen hier nicht zusätzliche Hindernisse durch parkende Autos haben", sagte er. Eine weitere Anwohnerin war der Meinung: "Was hier als Kneippbecken deklariert wird, ist nichts anderes als eine Dreckbrühe! Uns schreckt, dass dafür so viel Geld ausgegeben wird."

Zündstoff für nächste Sitzung

Eingeladen hatte zu dem Treffen ursprünglich Gemeinderat Stephan Koller (BFA), der aber dann aus beruflichen Gründen verhindert war. Thomas Bär, Sprecher der UWG-Fraktion im Gemeinderat, der mit seinem Fraktionskollegen Heinz Haubner vor Ort war, fasste die Position der Kritiker folgendermaßen zusammen: "Die Strukturverbesserung des Ammerbachs ist nicht das Problem. Niemand hier ist gegen eine Renaturierung. Wenn sie aber Sinn machen soll, dann muss man weitermachen, den Bach von der Quelle beginnend bis zu seiner Mündung aufbessern. Das Problem ist die soziale Funktion der Baumaßnahme." Die UWG schlage daher die Strukturverbesserung des Ammerbaches ohne die Nutzung in Form einer Kneippanlage vor. Damit dürfte bei der nächsten Gemeinderatssitzung wieder für Zündstoff gesorgt sein.

Zum Thema gab es bereits eine Berichterstattung

Ammerthal

Wir Landwirte sehen ein großes Verkehrsproblem auf uns zukommen. Wir wollen hier nicht zusätzliche Hindernisse durch parkende Autos haben.

Landwirt Karl Wismeth

 

 

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