15.10.2020 - 19:27 Uhr
AmmerthalOberpfalz

Gemeinderat Ammerthal: Eine Linde fällt, eine bleibt stehen

Wenn große Bäume gefällt werden sollen, bringt das andernorts oft einen gewaltigen Aufruhr. Im Ammerthaler Gemeinderat kann man darüber ganz sachlich diskutieren. Für Aufregung sorgen andere Themen.

Die 15 Meter hohe Linde auf dem Ammerthaler Dorfplatz ist stark geschädigt und wird gefällt.
von Markus Müller Kontakt Profil

Sitzungen des Ammerthaler Gemeinderats werden traditionell mit einer Bürgerfragestunde eröffnet. Am Mittwoch griff dabei Josef Haller ein Thema wieder auf, das er bereits in der vorhergehenden Sitzung angesprochen hatte: die Frage der doppelten Leerrohre. Durch solche Leerrohre sollen die Glasfaseranschlüsse für die einzelnen Haushalte in der Gemeinde gelegt werden. Der Gemeinderat hatte im Juli mehrheitlich beschlossen, selbst Leerrohre zu verlegen, obwohl bekannt war, dass auch die Amberger Firma Jobst das tun würde. Es sei wichtig, diese Infrastruktur in der eigenen Hand zu behalten, war die Begründung dafür.

Welche – unnötigen – Kosten man sich damit aufbürde, hatte Josef Haller schon in der Septembersitzung wissen wollen, ohne darauf eine für ihn befriedigende Antwort zu erhalten. Jetzt hakte er nach. Die fragliche Summe stecke im Komplettpaket eines Leistungsverzeichnisses, erklärte ihm Bürgermeister Anton Peter (CSU). Die könne er hier nicht öffentlich nennen, doch wenn Haller bei ihm im Rathaus vorbeikomme, werde er ihm die erwünschte Auskunft erteilen. Er habe im Übrigen Herrn Jobst informiert, dass die Gemeinde selbst Leerrohre verlege, die er auf Wunsch mit nutzen könne. Doch Jobst wolle lieber auf eigene zurückgreifen.

"Wir zahlen sinnlos"

Haller bemängelte zudem, die Gemeinde setze mit ihrem Vorgehen die Förderung für Glasfaser aufs Spiel. „Für uns ist nur das Wirtschaftlichkeitslückenmodell interessant“, lautete seine Schlussfolgerung aus dem einschlägigen Vortrag eines Experten der Breitbandberatung Bayern im Juli im Gemeinderat. „So weit sind wir noch gar nicht, wir sind noch bei der Markterkundung“, hielt Bürgermeister Peter dagegen. Haller blieb dabei: „Wir zahlen sinnlos.“ Und das in einem Jahr, in dem im Haushalt die Mindestzuführung zum Vermögenshaushalt nicht erreicht worden sei. Das sei in den 30 Jahren, die er dem Gemeinderat angehört habe, nie der Fall gewesen.

Zur Leerrohr-Diskussion in der Septembersitzung des Ammerthaler Gemeinderats

Ammerthal

Mit Blick auf das Baugebiet Kreuzäcker kritisierte Haller, dass dort seit 2019 nichts mehr geschehen sei. Deshalb liefen die Bauherrn Gefahr, die Förderung durch das Baukindergeld zu verlieren. Das wollte Anton Peter, der seit 1. Mai im Amt ist, nicht auf sich sitzen lassen. „Von der Gemeinderatssitzung im November bis zum 30. April ist da nichts passiert“, sagte er. Danach habe er die Sache vorangetrieben.

In der eigentlichen Sitzung nahm sich das Gremium zweier Bäume an. Für die 15 Meter hohe Linde auf dem Ammerthaler Dorfplatz wird bald das letzte Stündlein schlagen. Durch einen langen Riss im gesamten unteren Stammbereich sei sie stark geschädigt, verriet die Sitzungsvorlage. Gartenfachberaterin Michaela Basler vom Landratsamt rate dazu, den Baum zu fällen und eine Ersatzbepflanzung anzulegen, ergänzte Bürgermeister Peter. Das hieß das Gremium mit 14:1 Stimmen gut. „Bei diesem Riss wird die Linde sich nicht erholen“, meinte Robert Weiß (CSU) zur möglichen Alternative einer fachgerechten Baumpflege.

Stamm ist hohl

Besser sieht es bei der Linde an der Kapelle in Unterammerthal aus. Sie ist 20 Meter hoch und hat einen Stammumfang von zwei Metern, wobei der Stamm langsam hohl wird. Das sei aber ein natürlicher Prozess und beeinträchtige die Standfestigkeit nicht, lautete die Einschätzung von Michaela Basler. Diese Linde soll nach dem Willen des Gemeinderats lediglich verkehrssicher gestutzt und regelmäßig kontrolliert werden.

Außerdem erteilte der Gemeinderat das gemeindliche Einvernehmen für die energetische Sanierung eines Wohnhauses mitsamt Errichtung eines Wintergartens, einer Einliegerwohnung und Neubau einer Doppelgarage auf einem Grundstück im Hermannsberger Weg. Auch dem Antrag auf Nutzungsänderung eines Einfamilienwohnhauses im Kapellenweg in eine teilweise Nutzung zur Herstellung und zum Verkauf von Dekorationsartikeln legte der Gemeinderat keine Steine in den Weg – „in freudiger Erwartung von Gewerbesteuer“, wie Thomas Bär (UWG) bemerkte.

Volkstrauertag findet statt

Eine Änderung erfuhr der Nutzungsvertrag mit dem TST Ammerthal für Räumlichkeiten im Stodlwirt. Den Kellerraum kann die Gemeinde jetzt wieder selbst nutzen. Dafür zahlt das TST ab Oktober nicht mehr 80, sondern nur noch 60 Euro Nutzungsgebühr.

Beim letzten Tagesordnungpunkt, den Bekanntgaben, teilte Anton Peter mit, dass der Volkstrauertag trotz Corona stattfinden werde. Die feierliche Ernennung von Bischöflich Geistlichem Rat Alois Albersdörfer zum Ehrenbürger der Gemeinde, eigentlich für Sonntag geplant, müsse aber wegen der Pandemie abgesagt werden. Das sei auch der Wunsch des Ruhestandspriesters, der die Urkunde dennoch bekommen werde, „aber die Kirche wird nachgeholt“.

Am Freitag, 16. Oktober, ist laut Peter die offizielle Einweihung des Kindergartens im Obergeschoss des Rathauses. Für den November sei ein Tag der offenen Tür geplant.

Die Linde an der Kapelle in Unterammerthal hat einen teilweise hohlen Stamm. Sie darf aber stehenbleiben.
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